Kellerfund

Hallo zusammen, 

Ich habe bei einer Kellerentrümplung unter diversen eindeutig neuzeitlichen Übertöpfen und Vasen eine Karaffe gefunden, die mein Interesse geweckt hat. Bilder sind beigefügt. Keine Prägung bzw. Stempel oder ähnliches vorhanden. Kann da jemand etwas zu sagen? 

Kommentare

  • Hallo.

    Von der Form her könnte es eine Oinochoe (?) sein. Aber mehr kann ich nicht dazu beitragen. 
  • Hallo reeholz, danke dir. Leider habe ich zur konkreten Fundsituation keinerlei weitergehende valide  Informationen. Material ist vermutlich Ton, im inneren des Gefäßes ist die auf den Bildern sichtbare in Resten vorhandene Glasierung deutlich besser erhalten. Die Höhe beträgt 29 cm.

    Der besagte Keller befindet sich in der Vorderpfalz. Meine Vermutung wäre, dass es sich um einen lokalen Fund eventuell im Weinberg oder Acker handelt, der vor ca. mindestens 50 Jahren oder früher im Keller landete. 
  • Ich habe mal kurz nach Bildern von „Glasuren“ gesucht, die der deinen ähneln. Gefunden habe ich ein Stück aus der Salzmündener Kultur. Aber die Form der Kanne und der Fundort passen da wohl nicht hinein.

    https://st.museum-digital.de/index.php?t=listen&gesusa=741&instnr=1&cachesLoaded=true

    Vielleicht wendest du dich mal an die Direktion Landesarchöologie wenden:

    https://gdke.rlp.de/de/ueber-uns/landesarchaeologie/
  • Hallo Symlynxx,

    Kannst Du bitte mal scharfe Bilder des Inneren (mit Boden) und des Bodens selber machen?

    Gruß
    Irminfried
  • Vielen Dank an alle für die Unterstützung bislang! Ich habe auch schon intensiv die Google-Bildersuche bemüht aber nichts wirklich Passendes gefunden.

    @RandomHH: lustigerweise war ich auch bereits auf Salzmünder Kultur aufmerksam geworden, habe das aber auch vor allem wegen der Form eher ausgeschlossen. Direktion Landesarchäologie ist meine nächste Option, wenn hier im Forum nicht ganz klar der historische Wert verneint wird :)

    @Irminfried: Weitere Bilder sind beigefügt. Der Boden ist deutlich heller und weniger "verwittert" als der Rest.

    Danke und Grüße

    Symlynxx
    Irminfried
  • Hi Symlynxx,

    das ging schnell... :smile: 
    Also Salzmünde kann man, denke ich  ausschließen.
    Von der Form her eher noch eine Schnabelkanne aus der Römischen Kaiserzeit.
    Aber dagegen spricht auch die Glasierung.
    Ich denke eher, das gute Stück ist neuzeitlichen Ursprungs und stand eine geraume Weile der Witterung ausgesetzt draußen...
    Aber Du kannst trotzdem mal zu den örtlichen Fachleuten gehen, oder eine Mail schicken...

    Gruß
    Irminfried
  • Hmmm… es zeigt sich wieder einmal, dass Fotos von wirklich ALLEN Seiten wichtig sind!  Denn wenn ich mir den Boden betrachte, sieht der ganz unversehrt und ziemlich weiß aus.

    Und deshalb denke ich nun ebenfalls: neuzeitlich. Es hat seit Mitte des letzten Jahrhunderts viele Keramiker gegeben, die mit Glasuren/Strukturen gespielt haben. Ich denke da speziell an alle Varianten von „Fat Lava“. Ich habe jetzt allerdings keinen mir bekannten Keramiker für dieses Stück vor Augen.
  • Hier Beispiele für "Fat Lava".
  • RandomHH schrieb:
    Hmmm… es zeigt sich wieder einmal, dass Fotos von wirklich ALLEN Seiten wichtig sind!  Denn wenn ich mir den Boden betrachte, sieht der ganz unversehrt und ziemlich weiß aus.
    Das ist allerdings richtig! Dem Boden habe ich zunächst keine Beachtung geschenkt. Den Gedanken Fat Lava bzw. westdeutsche Industriekeramik finde ich interessant, gerade weil ich anhand der benachbarten Gegenstände eine Einlagerung spätestens 1960 vermutet habe.

    Andererseits erscheinen mit die Verwitterungsspuren nicht künstlich erzeugt. Interessanterweise befinden sich direkt oberhalb des Bodens in einem rund herum laufenden ca. 2cm breiten Streifen deutlich weniger bis gar keine Farbanhaftungen. Dauerhaft von unten Feuchtigkeit ausgesetzt? Der Boden ist schließlich am wenigsten verwittert, war allerdings auch ursprünglich nicht glasiert. Der Boden unterscheidet sich auf jeden Fall etwas im Farbton. Ich würde deswegen Irminfried zustimmen, dass die Schnabelkanne (sehr) lange aufrecht stehend Wind, Wetter und Sonne ausgesetzt war. Dafür spricht auch, dass die Glasierung oben im Hals sehr verwittert ist und nach unten deutlich besser wird.

    Ich habe allerdings keinerlei Erfahrung mit der Zeitspanne, die eine entsprechende Verwitterung verursacht.. 

    Neuzeitlich im Sinne von 20. Jahrhundert würde ich eher ausschließen. Der Keller hat meiner Großtante gehört, die vergangenes Jahr beinahe 100jährig verstorben ist. Einen Kauf im Urlaub etc. schließe ich aus, die einzigen belegten  Auslandsaufenthalte, von denen ich weiß, waren Urlaube in Österreich🙂

    Abgesehen davon passt die Kanne auch überhaupt nicht zu der restlichen aufgefundenen Keramik. Etwas künstlich auf alt gemachtes "schmutziges" hätte in dem Haushalt sicher keinen Gefallen gefunden. Da wurden eher Bierseidel mit kitschigen Trinksprüchen und Alpenpanoramen auf Leinwand aufbewahrt. Deswegen denke ich, dass das eher ein Überbleibsel einer vorherigen Generation sein könnte.

    Leider finde ich nirgendwo auch nur annähernd passendes Bildmaterial, ich habe mir wirklich schon die Finger wund gegoogelt.

    Vielleicht lässt sich das Ganze einfach nicht zufriedenstellend klären, ohne Kontext jedenfalls. 
  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
    Moin,

    RandomHH schrieb:
    Hmmm… es zeigt sich wieder einmal, dass Fotos von wirklich ALLEN Seiten wichtig sind!  Denn wenn ich mir den Boden betrachte, sieht der ganz unversehrt und ziemlich weiß aus.
    ....
    und (!) wer predigt es immer wieder? o:)

    Aus diesem Grunde lasse ich mich zuvor zu keiner Bestimmung hinreißen.

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • RandomHHRandomHH User
    bearbeitet 4. February #12
    @Symlynxx
    Die westdeutsche Industriekeramik hat nur Impulse von künstlerisch arbeitenden Keramikern aufgenommen.

    Und „Glasuren“ sind zwar glasähnlich, müssen nach dem Brand aber nicht unbedingt auch eine geschlossene, glänzende Oberfläche haben. Auf dem Ausschnitt von einem deiner Fotos sieht man, dass der „Glasur“-Auftrag feinporig „weggebrannt“ ist.

    Dass die "Glasur" nach unten hin "besser" wird, hängt wohl damit zusammen, dass sie nach unten wegsackt und damit dicker ist (mehr Anteile enthält, die glasartig schmelzen). Es gibt da viele Techniken, die ich als Nicht-Keramikerin nicht kenne.

    Heute nennt sich ein vergleichbarer Stil/Trend übrigens „Wabi-Sabi“. ;-)

    Vielleicht hat deine Großtante ja irgendwann einmal einen netten Kontakt zu einer Keramikerin gehabt, ihr im Überschwang der Emotionen ein Stück abgekauft – und dann als Fehlkauf verbannt?

    @StoneMan
    Du hast ja Recht! *ganzkleinlaut*
  • @all: ich habe die Bilder hier aus dem Forum einem über einige Ecken bekannten Archäologen zukommen lassen, der spontan auf Spätmittelalter tippen würde. Ich werde ihm die Tage das Objekt mal im Museum vorbeibringen und berichte dann erneut hier. 
  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
    Moin,

    Symlynxx schrieb:
    @all: ich habe die Bilder hier aus dem Forum einem über einige Ecken bekannten Archäologen zukommen lassen, der spontan auf Spätmittelalter tippen würde. Ich werde ihm die Tage das Objekt mal im Museum vorbeibringen und berichte dann erneut hier. 
    und die Unterseite hat der auch gesehen?

    Da bin ich sehr gespannt.

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • StoneMan schrieb:
    Moin,

    Symlynxx schrieb:
    @all: ich habe die Bilder hier aus dem Forum einem über einige Ecken bekannten Archäologen zukommen lassen, der spontan auf Spätmittelalter tippen würde. Ich werde ihm die Tage das Objekt mal im Museum vorbeibringen und berichte dann erneut hier. 
    und die Unterseite hat der auch gesehen?

    Da bin ich sehr gespannt.

    Gruß

    Jürgen
    Ja, explizit :) wie gesagt, ich berichte nach, wenn ich mehr weiß. Wenn es sich am Ende als neuzeitlich bzw. auf alt getrimmt herausstellen sollte, auch gut.
    StoneManIrminfried
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