"Bastelarbeit II"

StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
bearbeitet 1. October in Allgemein #1

Moin,

"Bastelarbeit II" wie angekündigt. Untertitel: "Vor dem Bagger gerettet".

Moin,

der Griff aus Knochen ist ein Altfund von 1976 aus Gellep.

Für den Griff habe ich zwei schöne Vergleichsfunde, ein Gemüsemesser  und hier als Gladiusgriffhülse.

Zu meiner Klinge hatte ich damals keine Vorbilder, die Form des Modells ist meiner Fantasie zuschulden - das Modell habe ich aus Holz gefertigt.

Die Messerklinge wurde mittels des Holzmodells (verlorene Form) im Formsand aus Bronze gegossen. Diese Arbeit wurde von einem mir bekannten Gießer gemacht.

Die Klinge steckt lose im Griff.

# # #


Ein wenig (Neu)Zeitgeschichte dazu.

Zitat:

Als die Bagger nach Gelduba kamen, da stießen sie beim Ausbau des Krefelder Rheinhafens im Winter 1974/75 in ca. 7 bis 8 Meter Tiefe auf die 1900 Jahre alte römische Hafenkaimauer, welche der Lagervorstadt und dem Auxiliarkastell vorgelagert war.

Bei den Kämpfen um das Kastell waren von dieser Kaimauer die getöteten Germanen, Franken und Römer ins Wasser gefallen. Mit ihnen sanken ihre Waffen, Ausrüstungsgegenstände und ihr Geld auf den Grund des Stroms.

Die umfangreichen Baggerarbeiten und der Zeitdruck beim Hafenausbau verhinderten eine ordnungsgemäße Sicherung der ausgegrabenen Bodendenkmäler. Unzählige Zeugnisse der Vergangenheit gingen beim Aufschütten der Autobahndämme und dem Rekultivieren naher Kiesgruben verloren.

[...]

Auszug vom Verfasser  P. Stüben, aus:  "Gelduba II  Ihre verlorenen Spuren am Strom", Selecto-Verlag.

# # # # #

Anmerkung von Jürgen StoneMan: Ladung für Ladung wurde an anderer Stelle in den Rhein zurück gekippt, und damit war die Chance vertan geschichtlich aussagefähige Bodendenkmäler wissenschaftlich zu erfassen und auszuwerten.

Die notwendigen archäologischen Maßnahmen waren nicht ausreichend und blieben gar aus - der Teufel Zeitdruck war mal wieder der Antagonist.

Gruß

Jürgen




Ich bin Augensucher.

Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

Luci21a.brunnSteinmetz

Kommentare

  • Das sieht sehr gut aus ! 
    Wie kann ich mir die verlorene Form mit einem Holzmodel denn vorstellen ? Ich kenne das nur mit Wachs in einer Tonform 🤔

    LG Luci 🙋🏻‍♀️
  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
    Moin,

    Luci, das ist verflixt lange her.
    Leider war ich beim Gießen auch nicht dabei. Daher hoffe ich, dass ich keinen Unsinn schreibe.

    Der Begriff " verlorene Form" fiel damals jedenfalls. Vermutlich verblieb das Holzmodell wie das Wachsmodell im Formsand und wurde von der flüssigen Bronze ausgebrannt welches durch die Austrittskanäle entweichen konnte.

    Oder man hatte erst aus meinem Modell ein Wachsmodell gemacht (?).
    Oder von meinem Holzmodell zwei Abdrücke für den Formkasten gemacht (?).

    Die "verlorene Form" bezieht sich ja auf die Gussform die verloren geht, also nur einmal verwendet wird.

    Vielleicht kann das ein Fachmann besser aufklären.

    Gruß

    Jürgen


    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • Vermutlich hat man mit dem Holzmodell je einen halbseitigen Abdruck in den 2 Formhälften gemacht.

    So wie beim Gießen von Zinnfiguren etc.

    "Ausbrennen" von Holz mit der flüssigen Bronze haut auf jeden Fall nicht hin.

  • SteinmetzSteinmetz User
    bearbeitet 2. October #5
    Hallo in die Runde,

    das ist ein sehr gelungenes, anschauliches Arbeitsergebnis!

    Die Variante "Holz beim Guss durch die Hitze des flüssigem Metalls verbrennen" existiert meines Wissens gar nicht und würde, wie Sixpack beschrieb, nicht funktionieren.

    Mit der "Verlorenen Form" ist in der Bildhauerei in der Regel das Wachsmodel mit angebrachten Gußkanalmodeln aus Wachs selbst bezeichnet. Dieses Wachspositiv wird vor dem eigentlich Guß ausgeschmolzen. Aber auch die Negativform, die das Model abformt, geht nach Abkühlung des Gusses natürlich verloren  (durch späteres Abschlagen). Unterschieden werden sollte deshalb zwecks genauer Abgrenzung zwischen Positiv- und Negativform.

    Die von Sixpack beschriebene Variante ist möglicherweise angewendet worden. Entweder mit Formsand, oder auch Ton, bzw. Lehm.

    Naheliegend wäre aber für mich als Bildhauer aber die klassische Variante: Von der Originalvorlage wird zunächst eine Negativform aus Gips hergestellt. Mit dieser können nach Belieben sehr viele Wachsmodel hergestellt werden.
    Grüße,

    Steinmetz


    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
    bearbeitet 2. October #6
    Moin @II,

    @ Steinmetz, vom Original eine Negativform ging ja nicht. Das "Original" war ja mein Holzmodell ;-)

    Dann denke ich mit eurer Unterstützung an einen "je einen halbseitigen Abdruck" für den zweiteiligen Formkasten.

    Danke euch beiden.

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • Hallo Leute,

    warum denn gleich verzagen ? 
    Immer erst Wikipedia fragen !  :D


    Gruß
    Kurti
  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
    Die "verlorene Form" bezieht sich ja auf die Gussform die verloren geht, also nur einmal verwendet wird.

    B)

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • Übrigens die Sache mit dem "Wachskern" bezieht sich auf den "Hohlguss".

    http://www.rincker.de/kunstguss/wachsausschmelzverfahren/
  • SteinmetzSteinmetz User
    bearbeitet 2. October #10
    @Stoneman:
    Mit dem "Original" in diesem Sinne meinte ich ja auch Deine "Originalvorlage". Also das Original der Form, die nachgebildet wurde. Dabei ganz egal, aus welchem Material. Vielleicht brauchen wir hier im Forum ja mal eine Nomenklatur.  :p

    @Kurti: Glockengüsse werden auch (ggf. teilweise) mit dem Prinzip des Wachsausschmelzverfahrens hergestellt, sind zwar hohlformartig von ihrer Gestalt, werden aber nicht als Hohlguss, sondern als Vollguss hergestellt.
     :p 
    Wobei sowohl die Originalformvorlage (das Glockenpositiv) als auch das Gussnegativ als ausgehöhlte Form i.d.R. vollständig verloren gehen (beim Kernaufbauverfahren)

    Grüße,

    Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • kurtikurti User
    bearbeitet 2. October #11
    Steinmetz

    @Kurti: Glockengüsse werden auch (ggf. teilweise) mit dem Prinzip des Wachsausschmelzverfahrens hergestellt, sind zwar hohlformartig von ihrer Gestalt, werden aber nicht als Hohlguss, sondern als Vollguss hergestellt.
     p 

    Ob eine Glocke ein Vollguß ist sei mal dahingestellt. Jedenfalls hat sie nach entfernen der falschen Glocke einen Kern und einen Mantel und die Form besteht nicht aus zwei Hälften.
    Ich entnehme jedenfalls aus der Literatur, dass der Glockenguss ein "Hohlguss" ist.
    Allerdings kann man mit einem "Wachsmodell" auch einen "Vollguß" machen. Insofern war meine Antwort nicht so ganz richtig.
    Meist angewendet wird aber das "Wachsausschmelzverfahren" beim "Hohlguß". Spart z.Bsp. bei Figuren enorm viel kostbare Bronze und die Stücke sind leichter !
    Ich hatte meinen Link auf das "Wachsschmelzvefahren"  gelegt.

    Wachsausschmelzverfahren
    Bronze, Bronzeguß, Bronzeplastik

    http://www.rdklabor.de/wiki/Bronze,_Bronzeguß,_Bronzeplastik

    ZITAT: Grundbestandteile des Bronzegusses sind eine Form, das Schmelzmaterial und ein Schmelzofen. Zu unterscheiden ist zwischen Voll- und Hohlguß. Für den ersteren genügt eine einfache, bei vollrunden Körpern hälftig oder mehrteilig zusammensetzbare Hohlform in Stein, Sand oder Lehm; der aus Ersparnisgründen meist bevorzugte Hohlguß bedarf einer komplizierteren, mit einem unverrückbar beteiligten Kern versehenen Form. Für den Guß dünnwandiger Kunstwerke wurde seit Jahrtausenden bis zum 19. Jh. vorwiegend das sog. Wachsausschmelzverfahren angewendet......
    ...In Deutschland wird das Wachsausschmelzverfahren erstmalig durch den Presbyter Theophilus (um 950) in der Schedula diversarium artium (ed. Wilhelm Theobald [6]) geschildert. Zwar behandeln die Kapitel III, 60 und III, 84 nur das Rauchfaß und den Glockenguß, doch kann die Darstellung ohne weiteres auch für den Bildguß dieser Zeit und des ganzen MA als verbindlich angesehen werden. ENDE


    Glockenguss

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenglocke#Herstellung_von_Glocken

    ZITAT:  Zwischen Kern und Mantel ist nun ein Hohlraum, den bisher die falsche Glocke eingenommen hat, und in den beim Guss das flüssige Metall einströmt. ENDE

    Wie dem auch sei. Die Verfahren sind gleich, wenn man möglicherweise auch zum Glockenguss nicht explizit "Hohlguss" sagt, aber "Vollguss" liest man auch nicht.  :p


    Fest gemauert in der Erden
    Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
    Heute muß der "Hohlguss" werden.
    Frisch, Gesellen ! Seid zur Hand !

    Klingt doch toll, oder ?  o:)  

    Gruß
    Kurti



    Post edited by kurti on
  • SteinmetzSteinmetz User
    bearbeitet 2. October #12
    @Kurti:
    mea culpa!
     :p 
    Grüße,

    Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.