Webgewicht?

Frage mit akzeptierter Antwort
MaggieMaggie User
bearbeitet April 2018 in Funde #1

Hallo miteinander.  Mir wurde heute ein Artefakt übergeben, dass ich anschließend gleich an das Amt übergeben habe.  Gefunden wurde es von einer Landwirtin in der westlichen Magdeburger Börde. Leider war der Mitarbeiter im Landesamt auch nicht sicher um was es sich handeln könnte, vermutete aber ein Webgewicht. Angaben zur Zeitstellung ließ er sich auch nicht entlocken. Die Experten für Steingeräte sind erst nächste Woche wieder erreichbar, so dass ich das Objekt mal hier zur Diskussion stelle. Meine erste Vermutung ging in Richtung Axt aber die konischen Ränder beidseits passen irgendwie nicht dazu.  Da ich etwas in Eile war, habe ich vergessen vor dem Fotografieren ein Lineal anzulegen, ich hoffe man erkennt die Dimensionen trotzdem einigermaßen. 

Liebe Grüße. 

Nachtrag: es ist ein Lesefund vom Acker

Beste Antwort

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites Land
    #2 Akzeptierte Antwort

    Moin,

    aber aber Maggie, Maße und Gewicht gehören doch auf den Fundbericht / Fundmeldung und diese als Kopie in Deine Ablage ;-)

    Hast Du denn einmal an eine Geröllkeule gedacht? Habe jetzt leider keine Zeit für eine Recherche.

    Gruß

    Jürgen

    Maggie

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

«134

Antworten

  • Hallo Jürgen, Maße und Gewicht sind bei unseren Meldungen nicht notwendig. Das ist wohl regional verschieden. 

    Geröllkeule hat ein anderer Ehrenamtlicher auch vorgeschlagen - mich stören die konischen Bohrungen.  Die machen allerdings beim Webgewicht auch wenig Sinn. Ich kann mir da Abnutzung als Ursache nicht vorstellen. Vielleicht war hier auch kein Profi am Werk :)

    Liebe Grüße. 

  • Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • Hallo Maggie, Tach Jürgen.

    Wie wär´s denn, wenn jemand vor Urzeiten die kaputte Geröllkeule (siehe Abplatzung?) einfach als Gegendrückstein beim Fidelbohren verwendet hat, was auf Dauer zu ganz typischen, trichterförmigen Verschleißerscheinungen an der Durchbohrung führen würde?

    Grüße, Steinmetz

    Das wäre eine Erklärung.  Gute Idee!

  • Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • jggjgg User

    Hallo zusammen,

    für Geröllkeulen sind doppelkonische Durchlochungen absolut nichts ungewöhnliches! Literatur mit reichlich Abbildungen z. B. K. Tackenberg, "Die Geröllkeulen Nordwestdeutschlands" (1960) in Festsschr. L. Zotz und ders. "Neue Geröllkeulen aus Nordwestdeutschland" (1970) in Quartär 21. Oder aktueller von unseren niederländischen Nachbarn: E. Drenth & M. Niekus, "14C-datierte Geöllkeulen aus den Niederlanden" (2009) in Archäologische informationen 32/1&2 (mit weiteren Literaturangaben).

    Grüße, jgg

    Maggie
  • Das kann ich mittlerweile bestätigen. Ich habe heute fast die selbe Lektüre gehabt, plus D. Schünemann 1979. Ausserdem hat eine Mitarbeiterin des LDA in dem heutigen Telefonat gegen Webgewicht und für Geröllkeule gesprochen. Morgen wird das Objekt dem Experten für Steingeräte Neo/Meso gezeigt. Bin gespannt und halte euch auf dem Laufenden. 

    Viele Grüße!

     

  • kurtikurti User
    bearbeitet May 2018 #9

    Maggie

    jgg schrieb:

    für Geröllkeulen sind doppelkonische Durchlochungen absolut nichts ungewöhnliches! 

    Nie verzagen, immer erst das www befragen ! ( alte Geröllheimer-Steinklopperregel ) :-D

    Geröllkeulen mit sanduhrförmiger Dorchbohrung:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geröllkeule

    https://www.researchgate.net/publication/306224441_14C-datierte_Gerollkeulen_aus_den_Niederlanden

    http://brp-elektro.de/prossmarke/infos/index.php

    Gruß

    Kurti

    Post edited by kurti on
  • Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • kurtikurti User
    bearbeitet May 2018 #11

    Steinmetz

    Hallo Vinzenz,

    Du bist ja "Steineklopper" und mußt es wissen! :-D

    Es gab offensichtlich von beiden Seiten durchgepickelte Löcher. Vielleicht auch eine Kombination von Trichter pickeln und den Rest bohren ????

    https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/viewFile/43242/36705

    http://www.steinharteknochenarbeit.de/kugelkeule.65.html
     

    Gruß

    Kurti

  • bearbeitet May 2018 #12
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    Post edited by [Gelöschter Benutzer] on
    - et facit ut melius vale -
  • @Kurti: Ja, genau. Vermutlich hat man erst von jeder Seite eine Mulde, bzw. einen Trichter reingewemmst, diesen dann glattgedengelt und dann durchs verbliebene Zentrum gedroemelt. Das ließe darauf schließen, dass Picken vermutlich etwas schneller ging als mit Holunder, Hasel o.ä. zu bohren. Der Trichter diente am Geröll aber auch als notwendiger Ansatz und Führung für den Bohrer, was wiederum darauf schließen lässt, dass vermutlich freihändig gebohrt wurde. Beim Bohren kommt es dabei ja außerdem auch immer darauf an, welches Abrasiv man regional zur Verfügung hatte. Über die Zuordnung Abrasiv zu Geröll, zu Keule und Lochungsart und etwaige vermutbare  "Fernhandelswege" für Sande ("seltene Erden") UND Geröll ließen sich ja sicherlich ganze Bände füllen und diese Fragen werden wohl noch ganze Generationen von Forschern beschäftigen.

    Ich weiß jedenfalls nur eins: Ich wäre bereits froh, wenn ich ein so'n Teil fertig gefuddelt hätte. Darum arbeite ich lieber mit unmodifiziertem Naturmaterial ohne Stielung. Da kann man nämlich direkt loskloppern. Ich möchte auch nicht wissen, wie viele Montagsautos dabei waren...:-D

    Grüße, Steinkloppensissifuß

    P.S.: Auch bei der Stielung dürfte sonne vorherige beidseitige Trichterung von Sinn gewesen sein, weil sich ein Stiel beim Einstielen auch gerne einzwickelt. 

    Sehr informativ, danke dafür. Musste allerdings bei einigen Verben googeln :)

  • bearbeitet May 2018 #14
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • Hallo,

    eine eindeutige Geröllkeule, beidseitig gepickt, da wurde nichts gebohrt!!! Im Querschnitt der Lochung sicher Sanduhrförmig, auch das dafür verwendete Gestein ist typisch dafür und wurde wenn ich mich recht erinnere zu 70% verwendet . Möglicherweise handelt es sich um eine mesolithische Geröllkeule, aber mal schauen. Der Fachman auf diesem Gebiet ist Biermann aus Köln, hat einiges zum Thema publiziert. Zum Thema findet man von Biermann einige Publikationen auf Academia. edu online.

    Bucentaur

     

     

     

    MaggieLuci21StoneMan
  • bearbeitet May 2018 #17
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • bearbeitet May 2018 #18
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • Mir liegt z.B. ein halber Keulenkopf vor, kurz vor der Fertigstellung gebrochen, zur vollständigen  Durchpickung fehlten nur noch knapp 4mm. "Etwaige Feinarbeiten" erfolgten in der Regel wohl erst nach Fertigstellung. Bei diesem Fundstück sieht man das die Pickung alleine schon eine erstaunlich glatte Oberfläche hinterlies. Dies ist wohl zum Teil auch dem bevorzugten und besonders geeigneten, häufig verwendeten Sand-Quarzgestein geschuldet. Das Picken ist eine ziemliche Geduldsarbeit mit hohem Bruchrisiko, tausende kurze feine Schläge liesen keine groben Absplitterungen und Abplatzungen zu das lässt die Oberfläche alleine schon ziemlich glatt erscheinen. Was erzähle ich, probiere es einfach mal aus und Du wirst sehen. ;-) Also ich persönlich gehe davon aus das auschliesslich das Picken für den Ist-Zustand der feinen Lochoberfläche ausreichend ist.

     Bucentaur

     

  • bearbeitet May 2018 #20
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • kurtikurti User
    bearbeitet May 2018 #21

    Für mich wirft sich dei der sanduhrförmigen Durchlochung eine ganz andere Frage auf und zwar die Art der Schäftung.  Steinmetz  schnitt das Thema ja schon an mit "Haselnusszweig einwachsen lassen".
    Ich hatte oben Biermann übrigens schon verlinkt.

    Biermann schreibt ZITAT:
    Dabei dominieren nach Anzahl der Exemplare die Geröllkeulen (58 %), gefolgt von den Scheibenkeulen. Auffällig ist das Fehlen der Technik der sanduhrförmigen Durchpickung („c“) und die gleichzeitige Häufigkeit der doppelkonischen Durchbohrung („b“). Bei der Durchlochungstechnik dominiert mit Dreivierteln (75 %) die einfachkonische Durchbohrung („a1“). Wie im Mesolithikum ist die doppelkonische Durchbohrung („b“) jedoch immer noch die zweithäufigste Technik (18 %) und wurde vor allem bei Geröllkeulen verwendet. Die ge-rade Durchbohrung („a2“) gewinnt gegen Ende der LBK an Bedeutung und erreicht immerhin einen Anteil von 5 %. Die sanduhrförmige Durchpickung („c“), im mesolithischen Zusammenhang die wichtigste Durchlochungstechnik, ist hier hingegen nur noch sehr selten zur Anwendung gekommen (1 %). ENDE

    Seltsam ist allerdings, dass man nach dem  "sanduhrförmigen Durchpicken" von zwei Seiten weiter "sanduhrförmig" bohrte, obwohl man doch auch hätte dorchbohren können und zwar gerade wie leicht konisch. Der Sitz eines Schaftes ist in einer solchen Bohrung sicher besser !?
    Offensichtlich hatte man bei den gepickten, sanduhrförmigen Löchern eine besondere Befestigung entwickelt und um diese weiter zu praktizieren bohrte man später von zwei Seiten weiter "sanduhrförmig" die Löcher.

    Dazu hat M.Pfeifer ( auch bereits oben verlinkt) interessante Versuche gemacht. 
    ZITAT:
    http://www.steinharteknochenarbeit.de/kugelkeule.65.html
    Die sanduhrförmigen Durchlochungen vieler Geröllkeulen sind sicher bekannt. Die Löcher können mit einer Vollbohrung von beiden Seiten oder mit der Picktechnik geschaffen werden..... ....Wie kann ein sanduhrförmiges Loch nun fest und ohne Bindung mit dem Holzschaft verbunden werden? ........Den Stein habe ich am dünnen Ende aufgesteckt ohne die ausgetrocknete Rinde zu entfernen. (die Rinde dient als Puffer) Die restliche Rinde vom Stab habe ich entfernt. ........In dem mittigen Markkanal von dem Haselstab habe ich einen kleinen 25 mm langen Eschenkeil eingeschlagen.......Die Fixierung ist gelungen und sitzt fest und stramm, da wackelt nichts. ENDE


    Gruß
    Kurti

     

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser

    Moin,

    [...]

    Hast Du denn einmal an eine Geröllkeule gedacht? Habe jetzt leider keine Zeit für eine Recherche.

    [...]

    habe ich doch von Anfang an gesagt, aber wie ich sehe klappt es ja mit der Recherche auch ohne mich B-) :-P

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • Könnte es nicht sein, dass die Geröllkeulen wie Spitzhacken eingestielt wurden?

    Dort sind die Stiele am Kopf dicker als das Loch und die Stiele werden von oben eingeführt und müssen nicht verkeilt werden.

    Für eine Geröllkeule hätte man dann einfacherweise einen Ast mit Verdickung (z.B. Astloch) benutzen müssen.

    Gruß,

    Hugin

    StoneMan
  • bearbeitet May 2018 #24
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • kurtikurti User
    bearbeitet May 2018 #25

    Hugin

     

    Dort sind die Stiele am Kopf dicker als das Loch und die Stiele werden von oben eingeführt und müssen nicht verkeilt werden.

    Wenn Du es umgekehrt machst, dann verklemmt der Schaft sich unten im Konus und die Keule kann nicht herunterrutschen und aufs zarte Patschehändchen fallen. Oben wird dann im Konus mit dem Keil festgeklemmt und die Keule fliegt nicht davon und donnert in die Fensterscheibe. :-D Eine solche Verkeilung erspart in der Regel das Veschnüren. Je nach Form und Gebrauch kann man dann alles noch zusätzlich mit Birkenpech verkleben und schön verschnüren. K:-)

    StoneMan

    Hast Du denn einmal an eine Geröllkeule gedacht? Habe jetzt leider keine Zeit für eine Recherche.

    Das nenne ich Arbeitsteilung !  Du denkst und wir recherchieren ! :-P

    Gruß

    Kurti

  • Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
  • Er fragte ja auch noch, ob ich nachgedacht hätte. Das impliziert ja wohl er selber nicht ;)

    Also wo ist hier Arbeitsteilung zu erkennen?

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser

    Moin,

    Er fragte ja auch noch, ob ich nachgedacht hätte. Das impliziert ja wohl er selber nicht ;)

    Also wo ist hier Arbeitsteilung zu erkennen?

    wie soll ich ohne denken ohne Wissen, wie soll ich fragen ohne denken? Da fällst Du mir in den Rücken, obwohl ich Dich taktvoll in mein Wissen und Denken mit einbezogen habe... na, sach ma! :q:

    Gruß

    Jürgen

    Maggie

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser

    ;-)

    Ich bin Augensucher.

    Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

  • @stoneman

    Na immerhin hast Du das Objekt sofort und ohne größere Anstrengung identifiziert.  Sollte also mehr ein Kompliment sein :)

    StoneMan
  • bearbeitet May 2018 #31
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
    - et facit ut melius vale -
Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.