Unbekannte Neustadt Osnabrück

Endlich steht die Neustadt Osnabrück (Niedersachsen) im Mittelpunkt der Stadtkernarchäologie. Bis jetzt spielt das geschichtliche Textmaterial für die Beschreibung der Neustadt noch die entscheidene Rolle. Archäologisch ist sie weitgehend unerforscht. Die Neustadt ist der jüngere Teil des mittelalterlichen Osnabrücks. Sie wuchs ab 1011 um die Johanniskirche, eine Stiftsgründung.
Der ältere Teil Osnabrücks ist die Altstadt. Hier gilt, dass bis 1975 die Stadthistorie nur aufgrund des schriftlichen Quellenmaterials rekonstruiert werden konnte. Viele gängige Geschichtsbilder mussten aber im Laufe der ungefähr dreißig folgenden Grabungkampagnen aufgegeben und korrigiert werden.
Altstadt und Osnabrück sind bei der heutigen historischen Wahrnehmung häufig identisch. Was hat es nun mit der relativ eigenständigen Entwicklung der Neustadt auf sich? Die aktuelle Grabung 2006 an einer ehemaligen Mittelalterstraße könnte vielleicht Hinweise geben.
Für mich ist erstaunlich, wie wenig die jahrhundertealten Schriftdokumente die tatsächlichen archäologischen Befunde voraussagen können, besonders abseits der Zentren, der Kirchen u.a.. Ein Trend, der in den letzten Jahrzehnten durch die Grabungen in Osnabrück deutlich wurde: Schwierig zu besiedelnde Niederungsbereiche wurden schon viel früher seit der karolingischen Epoche genutzt. Das heißt, der Platz in den zentralen Bereichen war früher enger bebaut als mit Hilfe schriftlicher Quellen angenommen wurde.
Der Stand der Grabung in Fotos hier.
Bis jetzt gehören die Begleitfunde überwiegend in die Zeit der letzten beiden Jahrhunderte. Stand 4. Juli.
Die zweite laufende Grabung Neustadt an der Johanniskirche im Kapitelhaus hier.

Kommentare

  • bearbeitet July 2006 #2
    Ein kleines Gebäude zeichnet sich seit Beginn der Grabung in Umrissen ab. Unfundamentiert aber mit scheinbar einem gepflasterten Fußboden. Hier wurde ein Spielzeug gefunden, dessen Alter noch undatiert bleiben muss. Hier ist das Foto mit einem kleinen Maßstab. Und hier ein noch nicht einzuordnender Fund. Wer möchte, kann ja hier mal einen Tipp abgeben.
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  • Nach weiteren vier Wochen ist noch eine Grube gesichert worden. In ihrem Bereich gab es jetzt noch unter den Alltagsgegenständen einen Lederschuh und Sohle, die wohl wegen des hohen Grundwasserstands erhalten blieben. Das Foto dazu hier.
  • bearbeitet December 2008 #4
    Ein paar Scherbenfunde habe ich noch mit der Kamera aufgenommen. Werde sie zusammenstellen. Bislang sind die meisten Keramik-Funde aber noch jünger als Frühe Neuzeit.

    Update:Als Attachment habe ich noch drei Abbildungen von Keramik aus einer anderen Grabung in Osnabrück hinzugefügt (Ausstellung am ehemaligen Grabungsort, Parkhaus Vitihof- Osnabrück)
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  • bearbeitet December 2008 #5
    Hier ein erster Test die Grabung mit Video zu dokumentieren, etwas lausig, aber man kann gut sehen, was der Regen der letzten Tage angerichtet hat: Die Grabungsfläche unter Wasser gesetzt und die Kanten sind am Einstürzen. Ausserdem zusätzliche Arbeit für die Archäologen. (Grabungskampagnen haben ja befristete Genehmigungen, und die werden oder können nicht ohne weiteres verlängert werden).
    Als Attachment eine Scherbe aus der heruntergestürzten Kante, die wissenschaftlich nicht mehr zugeordnet werden kann. Wahrscheinlich um 1300.
    Am merkwürdigsten ist eine mit Holz ausgekleidete Grube mit erstaunlichen Ausmaßen, die gerade freigelegt wird. Vielleicht besteht hier eine Verbindung mit den Lederschuhen und Lederresten, die darüber geborgen wurden. Siehe angefügtes Photo der Grube.
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  • bearbeitet December 2008 #6
    Der Pressetermin zum Abschluss der Grabung war bereits letzte Woche: Gesichert scheint die Datierung der Funde bis zum 13. Jahrhundert. Und in diese frühe Zeit ist die fragliche mit Holz ausgelegte Grube einzuordnen. Es handelt sich wahrscheinlich um den Ort einer Gerberei. Deswegen die vielen Lederfunde. Danach wurde an fast gleicher Stelle ein Haus mit schmalen Fundamenten errichtet, einige hundert Jahre alt, ein Fachwerk darüber. Was das nun für die Geschichte der Neustadt bedeutet, über die wir noch so wenig wissen, das werden erst die Auswertungen ergeben. Nochmal betont: Es handelt sich während des Mittelalters um eine der flächenmäßig und von der Einwohnerzahl her eher größeren Städte Norddeutschlands.
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  • bearbeitet December 2008 #7
    Wer noch auf weitere Ergebnisse wartet, sollte nach einiger Zeit auf der Webseite des Grabungsleiters, Bernd Rasink, nachschauen. Er wird dem Ganzen noch einen soliden wissenschaftlichen Rahmen geben. Ansonsten finden sich auf seiner Seite die Stationen seiner bisherigen archäologischen Grabungen. Wenn es soweit ist, werde ich aber auch hier darauf hinweisen.
    Post edited by jens-olafwalter on
  • bearbeitet December 2008 #8
    Die Lederfunde im Anhang, oder im Fotoset Grabung Neustadt. Sie waren noch einmal ein Höhepunkt am Ende der Untersuchungen, weil ganze Schuhe, auch Kinderschuhe und sogar Schnürsenkel dabei waren. Das zweite Foto zeigt die Fundstellen auf den ausgelegten Zweigen und Hölzern.
    Post edited by jens-olafwalter on
  • bearbeitet February 2009 #9
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