Restaurierung (Bastelei 1)

StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser
bearbeitet 2. October in Allgemein #1

Untertitel Restaurierung - meine erste Bastelei

Moin,

Fundort: Krefeld Gellep [GELDVBA]
Die Maße der Schale:
Durchmesser 17,3 cm, Höhe 9,8 cm, Breite des Randes 2,4 cm, Dicke des Randes 0,6 cm, Boden/Fuß 5,8 cm Ø

Die Schale wurde von mir restauriert. Es waren ca. 70-80% vorhanden.
Es bestand eine durchgehende Verbindung vom kompletten Boden/Fuß, über die Seitenwand bis zum Rand, sodass die Größe und Form gegeben war.

Die Schale bzw. die Fragmente sind von der Krefelder Archäologie wie folgt bestimmt worden:

Bei dem Gefäß handelt es sich um eine sogenannte Schüssel mit horizontalem Rand,
wie sie im Rheinland vor allem gegen Ende des 1. und im 2. Jh. üblich war.
Es handelt sich also zweifelsfrei um ein römisches Gefäß (Form Hees 5 bzw. Stuart 210).


Gruß

Jürgen

 

Für Bastelfreaks meine Vorgehensweise in Kurzform:

Vorausschicken möchte ich, dass ich das völlig autodidaktisch und ohne professionelle Hilfe gemacht habe, über PC/ Internet verfügte ich damals nicht.
Heute würde ich vermutlich einiges anders machen oder gar nicht.
Die Schale ist nicht vollkommen, aber an dem damaligen Ergebnis erfreue ich mich auch heute noch immer wieder gerne.

Fundumfang:
Der komplette Boden (58 mm Ø außen) mit Wandteilen in rundum unregelmäßiger Höhe von 13 mm bis zu 48 mm, war in einem Stück vorhanden.

Weitere fünf einzelne Puzzleteile = Zusammenpassung von Wandscherben mit einer durchgehenden Verbindung vom Boden bis zum Rand.

Der in diesem Bereich aus zwei Teilen bestehende Rand machte etwa knapp ¼ des Durchmessers aus.

Damit waren die Konturen und Abmaße nahezu original vorgegeben.

Zudem waren noch weitere originale Wandscherben vorhanden, die zum Teil aneinander passten.
Ebenso war noch ein weiteres separates Stück des Randes vorhanden, welches Anschluss an die
darunter zugehörige Wandscherbe hatte.

Vorgehensweise des Aufbaus:
Die an das Grundelement (Boden) passgenau anschließenden Wandscherben wurden zusammengeklebt.
Damals Zwei-Komponenten-Kleber - heute würde ich wasserlöslichen Ponal Holzleim verwenden damit eine zerstörungsfreie Demontage gegeben ist.

Negativform für Fehlteile erstellen:
Vom bereits erstellten Torso fertigte ich eine Teil-Form aus Gips an.
Dazu legte ich eine sehr dünne Kunststofffolie (~haushaltsübliche Frischhaltefolie [?]) auf den Torso und pappte die Gipsmasse ca. 1,5 bis 3 cm dick darauf.

Erstellen der fehlenden Scherben:
In die Negativform eine dünne Kunststofffolie legen und mittels geeignetem Material die Scherben erstellen - für meine Schale habe ich Molto... Fertigspachtel verwendet.
Die Scherben entsprechend modifizieren, anpassen mit Laubsäge, Raspel, Feile, Schmirgelpapier...

Das finale "Make Up":
Mittels  "Abtöner" für Wand- und Deckenfarben habe ich aus verschiedenen Farbentönen die entsprechende Farbe gemixt.
Für die Oberflächen-Struktur habe ich Zusätze aus Sand oder selbsterstelltem Abrieb aus Scherben hinzugefügt.
Mit dieser Masse können auch kleinste Aussplitterungen gefüllt werden.


Schlussgedanken

Unbedingt anmerken möchte ich, dass es sich jeder wirklich gut überlegen soll, so ein Original "nur" weil es lediglich ein Torso ist, zu verändern - es ist ein Original.
Eine gute Variante wäre m. E. eine Nachbildung herzustellen und das Original unverändert daneben zu stellen.
In meinem Falle wäre es mit dem Torso und den Scherben "in der Luft", mit meinen Möglichkeiten nicht zu realisieren gewesen.

Heute würde ich eine digitale Rekonstruktion vorziehen.

 

Danke für die Aufmerksamkeit.

Jürgen



 


Detail Originalrand


Original und Nachbildung

Der unversehrte Boden




Ich bin Augensucher.

Meine Funde werden in den LDAs gemeldet.

Steinmetzkurtia.brunn

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