Roter Sandstein

Guten Abend,

Mir ist am Rande eines Ackers, wo der Bauer all die grossen Steine, welche vermutlich einst auf dem Feld waren, deponiert hat, dieser grosse rote Sandstein aufgefallen, welcher dem Anschein nach menschliche Bearbeitungsspuren aufweist. Da auf dem Feld einst ein, vermutlich mittelgrosser, römischer Gutshof stand, nimmt es mich wunder, ob dieser Stein im Zusammenhang mit dieser Siedlung stehen könnte (Architekturfragment??). Auf dem gleichen Steinhaufen lagen auch die zwei Leistenziegelfragmente, welche ich zum Grössenvergleich neben den Stein gelegt habe. Der Stein hat eine Länge von ca 40cm, Höhe ca 20cm und Breite ca 15cm.  Mir ist natürlich total bewusst, dass eine Bestimmung (vorallem durch Fotos) nicht möglich ist, aber vielleicht ist es ja möglich zu sagen, ob ein antiker Ursprung völlig auszuschliessen ist oder ob es sich lohnen würde nochmals zum Feld zu gehen und den Sandstein näher zu begutachten...

Vielen Dank im Voraus und Grüsse

  • DSC_8518.jpg
    4644 x 3368 - 2M
  • DSC_8495.jpg
    3740 x 2414 - 2M
  • DSC_8488.jpg
    5568 x 3712 - 2M
  • DSC_8497.jpg
    5051 x 3023 - 3M
  • DSC_8485.jpg
    5206 x 3442 - 3M
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 22. April

    @MaxUser:

    Hallo, das ist ein von einem Steinmetzen oder fachkundigen solide handwerklich und fachgerecht bearbeitetes (vermutliches) Bruchstück eines eventuell ehemals wesentlich größeren Stücks. Eingesetzt wurde es als Teil eines Gewändes (Tür- oder Fensterseitengewände, Teil eines Torgewändes, Sturz oder Trittschwelle, Kamingewände etc.). Eine Bestimmung des Alters der Arbeit ist anhand von Fotos erst einmal nicht möglich. Die verwendeten Bearbeitungstechniken sind bereits sehr lange gebräuchlich. Ob jedoch bereits zur Römerzeit auf diese Art und Weise schariert wurde, müsste erst recherchiert werden. Es kommt auch ganz darauf an, wer das Stück hergestellt hat und in welcher handwerklichen Tradition er stand also evtl. auch, woher er kam (wenn es sich um einen Wandersteinmetzen gehandelt haben sollte; in Frankreich z.B. wurde meines Wissens vielfach gerne eher gebeilt oder geflächt als schariert, aber da kann ich mich auch irren). 

    Eine Bestimmung des Materials ist vom Foto aus ebenfalls schwierig, es gibt jedoch nur eine überschaubare Anzahl von rötlichen Buntsandsteinen (z.B. Roter Wesersandstein). In der Hinsicht ist der Fundort interessant in Bezug auf evtl. vorhandene Bezugsquellen (Steinbrüche). Auch wäre es aufschlussreicher, wenn das Stück evtl. über ein Steinmetzeichen verfügt).

    Es kann sich jedoch auch um ein noch nicht sehr altes Stück  handeln. Solche Machart war in den letzten Jahrhunderten sehr gebräuchlich (z.B. auch zu finden auf Gutshöfen; bei wohlhabenden Bauern, im Burgbaubereich, städtebaulich, im Kloster- und Kirchbau etc.).

    Ich empfehle Dir, mal zu recherchieren, ob es in der (auch ferneren) Umgebung noch aktive oder inaktive Buntsandsteinbrüche gibt. Das Stück kann evtl. für das zuständige Baudenkmalamt oder einen ortsansässigen Heimatverein interessant sein und erzählt auf jeden Fall ein interessantes Stück Geschichte. Unter Umständen ist es aber (eventuell) noch keine 50 Jahre alt, womit bei Zutreffen auch ein längerer Transportweg in Frage kommen könnte.

    Scharieren = Spezielle Behautechnik zur Einebnung einer an einen Naturstein angearbeiteten Fläche. Findet vorzugsweise noch heute gerne Anwendung bei Sandstein und zeichnet sich durch (je nach Bearbeitung und Können) recht gleichmäßige längliche Rillen im Naturstein aus.

    Grüße, Steinmetz

     

     

     

    MacUser
    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @MacUser:

    Beschreib doch mal bitte (wenn Du möchtest) in welcher Region sich die Fundstelle befindet.

    Grüße, Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • MacUserMacUser EuropaUser
    bearbeitet: 22. April

    Hallo Steinmetz,

    Besten Dank für diese ausführliche Einschätzung. Das Stück wurde, ohne den Ort genau zu präzisieren, in der Nordwestschweiz gefunden. Ich weiss, dass zum Beispiel das Basler Münster aus einem ähnlichen Stein, wie dieser gefundene Sandstein, gebaut wurde. Ich meine (da bin ich mir aber nicht sicher), dass die Steine für den Bau des Münsters im Mittelalter von den Ruinen der Römerstadt Augusta Raurica geholt wurden. Ich werde mal schauen, ob ich etwas über die Steinbrüche von Augusta Raurica herausfinden kann.

    Grüsse

    Beitrag bearbeitet von MacUser
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @MacUser:

    Ich habe anhand der Angaben bereits einiges über einen / mehrere passende Steinbrüche in Erfahrung bringen können und melde mich vermutlich im Laufe des Tages nochmal dazu. Matchings: Degenfelder und Wiesentaler / Region Rheinfelden; Schwarzwald.

    Grüße, Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • SongiSongi NürnbergUser

    Es kostet dich nichts nochmal zu untersuchen. 

  • MacUserMacUser EuropaUser
    bearbeitet: 23. April

    @Steinmetz

    Danke! Ich werde mal schauen, ob ich etwas über den historischen Kontext des von Dir genannten Steinbruchs herausfinden kann. 

    Ich habe noch ein Bild eines weiteren Sandsteins, welcher auf dem gleichen Steinhaufen lag, angefügt. Die Strukturen könnten auch Bearbeitungsspuren sein (oder vielleicht auch nur durch z.B Regen verursacht). Diesen Stein habe ich zwar nicht genau eingemessen, aber ich schätze mal, dass er einen Längsdurchmesser von ca 15-20cm hat. 

    • IMG_6207.jpg
      2902 x 2142 - 3M
    Beitrag bearbeitet von MacUser
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @MacUser:

    Danke für das weitere Bild. Zum Rest komme ich heute nicht mehr. Vielleicht morgen.

    Grüße, Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @MacUser: Es ist für mich unwahrscheinlich, dass Regen an Sandstein solche Spuren erzeugt. Aber solange ich das Gegenteil nicht beweisen kann, lässt sich diese Option natürlich nicht ausschließen. Auch hätte ich in diesem Leben wohl nicht mehr genügend Lebenszeit zur Verfügung, um einen solchen Beweis oder Gegenbeweis anzutreten. X-D

    Grüße, Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @MacUser: Ich Glaube eher, dass es sich hierbei um (möglicherweise mit der Zeit verwaschene, also erodierte) Spuren einer mit einem Spitzeisen "gespitzten" Fläche handelt.

    Grüße, Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • MacUserMacUser EuropaUser
    bearbeitet: 24. April

    @Steinmetz ;

    Das mit dem Spitzeisen ist mir auch in de Sinn gekommen. 

    Ich habe bis jetzt kein Indiz gefunden, welches einen römerzeitzlichen Ursprung ausschliesst, aber leider auch keines, welches die Vermutung unterstützt. Ich wüsste aber nicht woher sonst so ein, wie von Dir vermutet architektonisches Fragment, herkommen könnte. Historisch gesehen war auf diesem Gelände nach der Römerzeit nicht viel los (ausser der Stein stammt wirklich von den letzten 50 Jahren). Auch zu bedenken ist, dass es nur einzelne zerstörte Fragmente sind, die auf dem Haufen zwischen den Steinen und Ziegeln vom Feld lagen, eine normalgerechte Entsorgung von Sandsteinen würde ich als unwahrscheinlich einstufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fragmente vom Acker kommen und so mit der römerzeitlichen Siedlung in Zusammenhang stehen könnten, ist nach diesen Überlegungen gar nicht so gering. Vielleicht übersehe ich aber auch ein Detail, welches einen neueren Ursprung aufdecken würde. Doch wie die Wissenschaftsphilosophen so schön sagen: Bis die Gegenhypothese nicht widerlegt werden kann, sind alle Schwäne weiss. :-D

    Am ergiebigsten wird es wohl sein, wenn ich bei der nächsten Fundvorlage dem Archäologen die Bilder zeige.

    Grüsse

    Beitrag bearbeitet von MacUser
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 24. April

    Da gibt es noch ein interessantes wissenschaftliches Theorem: Solange wir bunt gefleckte Kühe nur von einer Seite betrachten, können wir nicht sicher sein, ob sie auf der anderen Seite auch bunt gefleckt sind (oder so ähnlich).X-D

    Historische Bauwerke wurden natürlich oftmals geschliffen und als Steinbruch für neues verwendet. Der Gang zum Experten vor Ort ist sicherlich eine gute Idee. Ich wäre gespannt, ob sich weiteres so herausfinden lässt. Leider gibt es keine mir bekannte Methode, das Alter von Bearbeitungsspuren eines Natursteins zu bestimmen, wenn es sich um solche spekulierten Zeitspannen handelt.

    Viel Erfolg!

    Grüße, Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.

Hallo!

Du bist momentan nicht angemeldet. Um Beiträge schreiben zu können, musst Du Dich zunächst anmelden. Du kannst Dich auch mit Deinem Archäologie Online-Benutzerkonto anmelden. Dazu musst Du Dich dort einloggen und dann wieder zu dieser Seite kommen.

An dieser Diskussion beteiligt