Altägyptische Bildhauerei

SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
bearbeitet: 13. März in Allgemein

Da das Rillenklopfen überhaupt Grundvoraussetzung dafür wäre, z.B. Steinbeile, Steinäxte und Steinhämer herzustellen - solche mit Lochbohrung im Steinmaterial jetzt einmal ausgeklammert - (und ich bisher noch nicht weiß, wie Chur-Ti-Re in altägyptischen Hieroglyphen geschrieben wird :-D), habe ich heute einmal damit begonnen, mit einer handlichen Absplitterung aus nordischem Geschiebe eine muldenförmige Vertiefung in ein kleines, nicht einmal faustgroßes Stück Granit zu schlagen.

Hierfür habe ich mit dem nordischen Geschiebe ganz bewusst minderwertiges Material gewählt, dass ich gerade zur Hand hatte und das hier in der Region oft vorkommt. 

Der Grund hierfür war die Frage: Welche minimalen Materialvoraussetzungen benötige ich, um Granit von Hand zu bearbeiten?

Ich baue also gar nicht erst auf die Vertriebsnetze und Möglichkeiten, an teure, handgefertigte Silex- oder Flintwerkzeuge zu gelangen, sehe zur Zeit auch keine Möglichkeiten, an Doleritgesteinsstücke zu kommen, nehme bewusst gerade das, was sich anbietet und von dem reichlich vorhanden ist.

Bei dem Versuch, sich aus einem Stück Bambusrohr und einem gefundenen Stück Hartgesteinsplitter (vermutlich Silex), einen Meissel herzustellen, habe ich wieder einmal festgestellt, dass das Arbeiten mit Handsteinen (z.B. an Granit) viel praktikabler und effizienter ist, als das Arbeiten mit Meisseln.

Das soll jetzt nicht bedeuten, dass etwa Flintmeissel nicht geeignet und sinnvoll wären (und im alten Ägypten waren), um scharfkonturig z.B. in Granit zu arbeiten. Ich schätze es jedoch so ein, dass der Werkzeughersteller solcher Meissel sich im Altertum "direkt neben den Steinhauer, Steinmetzen und Steinbildhauer setzen musste, um permanent neue Klingen anzufertigen. Der Verschleiß an solchen Klingen für kleine Ausarbeitungen dürfte enorm gewesen sein, weshalb es für ein besseres Verständnis für die altägyptische Steinbearbeitung (und die des Altertums insgesamt VOR der Eisenzeit) von Bedeutung ist, zu begreifen, welches Potenzial in der Arbeit mit Schlagsteinen (z.B. Dolerit, aber auch viele andere Materialien wie etwa Flusskiesel) liegt.

Die altertümliche Steinbearbeitung (und z.B. Steinbildhauerei) muss man sich dabei sinnigerweise so ganz anders vorstellen, als heutige Bildhauerei.

Es fehlt mir gerade jedoch eine geeignete Auswahl an Quellen, um einen Minidiskurs über bekannte bildhauerische Arbeitsweisen des Altertums VOR der Eisenzeit zu halten.

Neben den Möglichkeiten, sich bei Natursteinmaterialien (wie etwa Granit verschiedener Sorten, aber auch etwa Kalkstein u.a.) - wie z.B. aus der heutigen Bildhauerausbildung teilweise bekannt und gelehrt - mittels Vorsägen, Kernbohrungen und Fidelbohrungen einer geplanten Form aus ökonomischen Gründen möglichst weitreichend anzunähern, spielte die zwischenstufige Anarbeitung der Oberfläche mittels Schlagsteinen (als Zwischenstation vor dem Finish) eine wesentliche Rolle.

Die Arbeit mit Schlagsteinen ist dabei an und für sich (je nach Größe der Schlagsteine und je nach zu bearbeitendem Material) neben der Arbeit mit Steinäxten und Steinhämmern, die ich hier jetzt einmal ausklammere, eine mehr oder weniger gemächliche Arbeit, die unter den Natursteinbearbeitungsmethoden nicht unbedingt als die anstrengendste von allen möglichen anzusehen ist. Ich schätze es so ein, dass die Arbeit mit Schlagsteinen über lange tägliche Zeiträumer von den Alten Ägyptern gut zu bewältigen war. Je nach damaligen klimatischen Bedingungen und bei entsprechend guter Grundversorgung mit Lebensmitteln und ausreichend Trinkflüssigkeit (worüber ich ansonsten heutzutage nichts weiter sagen kann) ist für mich vorstellbar, dass z.B. ein altägyptischer Oberbildhauer und seine Helfer und Unterstellten schätzungsweise sicherlich 11 bis zu 14 Stunden täglich (oder vielleicht sogar mehr) etwa an einer Skulptur hätten arbeiten können.

Der Grad an Genauigkeit der Anarbeitung, der mit Schlagsteinen z.B. an einer Granitoberfläche möglich ist, kann laut meiner Erfahrung beinahe mit der eines modernen Widia-Meissels verglichen werden. Ist der moderne Widia-Meissel hingegen stumpf oder schlecht geschärft, ergeben sich sogar durchaus beachtliche, miteinander in etwa vergleichbare Oberflächengüten des Granitmaterials (je nach Sorte des Granits natürlich). Bedacht werden muss bei diesem Vergleich immer: Der Grad der Genauigkeit eines Schlagsteins richtet sich zuvorderst auch nach seinen Eigenschaften und der Art der Arbeitsmethode. Beim Arbeiten mit einem feinen Hand-Schlagstein werden mit jedem einzelnen Hieb jeweils nur wenige Körner von der Oberfläche eines Natursteinmaterials abgehoben.

Diese Art der Bildhauerei erfordert dabei ein hohes Maß an Präzision, Geduld und Ausdauer, denn jedes Hasten, jedes unbedachte und zu voreilige Arbeiten rächt sich unter Umständen bitterlich. Anbetrachts der Zeit, die es erfordert, mit Schlagsteinen Konturen in Granit anzulegen, will jedes Handeln wohlüberlegt sein. Deshalb ist das anstrengendere an dieser Arbeit möglicherweise die Konzentrationsleistung  und nicht der Energieaufwand für die Schlagbewegungen selbst. Eine permanente Kontrolle der Abarbeitungen und eine gute Ausleuchtung des Arbeitsbereichs sind unerlässlich.

Bei dem kleinen Granitstückchen, dass ich bearbeitet habe, zeigte sich rasch ein Ergebnis, wie auch der typische entstandende Staub zeigt: Innerhalb von 20 Minuten deutete sich bereits eine leicht muldenförmige Vertiefung an, die erahnen lässt, wie präzise sich Konturen bestimmter Größen (z.B. für Skulpturen und etwa Hieroglyphen wunderbar mit dieser Methode bis zu einem sehr hohen Genauigkeitsgrad anlegen lassen. Der genaue Blick auf bestimmte alte Skulpturen des Alten Ägyptens zeigt dies.

Das Vorgehen war dabei das folgende: Den Schlagstein habe ich in der einen Hand gehalten, das Granitstückchen in der anderen.

Die Arbeit etwa an einem stehenden, großen Block wäre natürlich eine ganz andere und voraussichtlich auch effektivere Arbeit, denn durch die Federwirkung, die durch das in der Hand halten des Granitstückchens entsteht, geht natürlich viel kybernetische Energie verloren. Gleichzeitig ist diese Art der Arbeit dadurch aber gelenkschonender.

Mehr als 20 Minuten täglich kann ich meinen Nachbarn allerdings nicht zumuten und da ich Hundehalter bin, geht ein Teil Zeit dafür verloren, akribisch sauberzumachen, denn trotz Schutzvorhang können auch einmal umherfliegende scharfkantige Splitter des Silex und des nordischen Geschiebes das Umfeld verunreinigen.

Ich halte Euch über die weitere Arbeit auf dem laufenden, will Euch aber ein paar Fotos der ersten Ergebnisse natürlich nicht vorenthalten.

Grüße,

Steinmetz

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Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • kurtikurti User Urgestein

    @Steinmetz

    Jut, dann warten wir mal was hinten raus kommt. Hoffentlich kein Schweinkram ! O:-)

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    Mit Sicherheit nicht! :-P

    Ein Schwein ist nämlich vom anatomischen her gar nicht so einfach zu formen.

    Grüße,

    Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • kurtikurti User Urgestein

    Ja, aber das Dreieck weist schon wieder in eine bestimmte Richtung !!!! Ich sage nur V wie V...... !  O:-)

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 14. März

    Lieber Kurti, ja, man sieht in allem immer das, was man sehen will und die Natur geht bei der Formung von Gesteinsstückchen oftmals seltsame Wege. Und was du einem arglosen Bildhauer da schon wieder hineininterpretierst bei seinem Versuch, einen simplen Bearbeitungsversuch an einem Stückchen Granit zu erproben... - oder meintest Du etwa V wie "Victory"? Also zu einem hoffentlichen Siegeszug in Sachen experimentalarchäologischer Aufklärung antiker Natursteinbearbeitungsmethoden würde das natürlich eher passen,  denn "Yoni" schreibt man nicht mit V...???

    :-OO.o

    Die Muldenform hat sich schlichtweg als geeignetste und praktikabelste ergeben, auch aufgrund der Frage, wie sich der Stein überhaupt in der Hand halten und beschlagen lässt und was bei der Größe des Steins überhaupt Sinn macht. Aber um es absichtlich noch einmal zu betonen: Das Rillenklopfen ist Grundvoraussetzung für die Herstellung bestimmter Steinhämmer, Steinbeile, Steinäxte: Der Hammerkopf, bzw. das Beil- oder Axtblatt aus Stein würden sich schlichtweg am Stiel bzw. den Stielen nicht vernünftig befestigen lassen, wenn keine umlaufende, muldenförmige Rille vorhanden ist. Exakt zu diesem Thema gibt es in Bezug auf das Alte Ägypten entsprechende Überlieferungen und Quellen, denn die Dolerithammerköpfe wurden ja teilweise mit gezwirbeltem (vermutlich) Astholz bestimmter Art stielartig eingefasst. Aber ich denke, dass Du das eigentlich bestens weißt.O:-)

    Aber wo wir schon beim Thema sind: Was spräche gegen ein Fruchtbarkeitssymbol, wäre es doch eines der ältesten Symbole der Welt? Daran ist ja auch nichts schweinskramiges. Abgesehen davon, dass es um die natürlichste und ursprünglichste Sache der Welt ginge und Schweine hochintelligente und sensitive Tiere sind, die alles andere als ferkelig und versaut sind. Das alles interpretiert nur der Mensch in diese armen und gebeutelten Tiere, die einfach nur ihrer Natur entsprechend ausgerichtet sind - ebenso wie die Menschen - (wenn sie nicht gerade und bedauerlicherweise auf einem Bauern- oder Schlachthof leben müssen, um für die teilweise hochgradig pervertierte Fleischproduktion zu dienen.

    Gerade das Dreieck als Urform, je nach Orientierung auf männlich oder weiblich (und damit auch beides gleichzeitig) interpretierbar, war ja möglicherweise nicht grundlos Vorbild der Pyramiden des Alten Ägyptens, dem "Land der Fruchtbarkeit schlechthin" und ist von seiner Form her ein sehr interessantes Thema. Aber warte doch erst einmal ab, was noch aus dem Stückchen wird. Ich arbeite da eher intuitiv und der Form des Stückchens entsprechend.

    Am besten bringe ich den Stein gleich morgen wieder in die Natur. Vielleicht wird der Stein dann ja eines Tages (oder gar demnächst) von Archäologen der Zukunft gefunden und als altägyptisches Fruchtbarkeitssymbol interpretiert, das auf ominöse Art und Weise seinen Weg in die nortdeutsche Tiefebene gefunden hat. Vielleicht wird man es auch als von Gletschern transportiertes Relikt prähistorischer Zeit, als künstlerisches Produkt von den letzten eiszeitlichen Jägern deuten, die vor vielen Jahrtausenden nachweislich in dieser Region lebten.

    Möglicherweise wird der Stein auch von Paläosetikern gefunden. Dann wäre der Beweis für sie erbracht, dass die Aliens, welche die Alten Ägypter berieten, eine universelle Gott-Göttin verehrten, denn der Stein lässt sich ja je nach Betrachungswinkel natürlich auch als "Lingam" interpretieren.

    Vielleicht sollte ich noch mit einem Minilaser die Hieroglyphen "Chur-Ti-Re" in den Stein einbrennen, dann wäre die Sensation perfekt und die Geschichte müsste neu geschrieben werden.

    Ich vermute, ich muss den Stein gut hüten, oder aber in Mikroglyphen "experimentalarchäologisches Experiment aus dem Jahre 2018" hineinmeisseln. Nicht dass am Ende noch jemand auf die Idee kommt, ich hätte irgendein archaisches Stück Kulturgut auf dem Feld gefunden und einfach mit nach Hause genommen, oder gar irgendwo außer Landes geführt oder gefälscht.

    Aber worum es mir heute eigentlich ging: Hier das heutige Zwischenergebnis nach ca. 20 weiteren Minuten gemächlichen Arbeitens am Granitstückchen. Inzwischen habe ich auch einen etwas schwereren und handlichen Fluskiesel mit kantiger Abplatzung als Schlagstein hinzugenommen. Die Abplatzung erweist sich als praktisch für die Bearbeitung und so habe ich an dem Flusskiesel als Schlagstein keinerlei Modifizierungen vorgenommen.

    Grüße,

    Steinmetz

    • Altägyptische Bildhauerei 2 (C) Vinzenz Maria Hoppe, GERMANY 2018.jpg
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    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • kurtikurti User Urgestein

    @Steinmetz

    Hallo Vinzenz mit zwei "Z",

    gut, die Gedanken sind frei und ich glaube Dir, dass Du beim Hantieren mit dem Dreieck nicht an "Schweinkram" denkst, sondern nur rein, symbolische Überlegungen anstellst ! O:-)

    Ansonsten möchte ich meine Kartusche nicht gelasert sondern schön mit der Silexklinge in polierten Granit gearbeitet haben. :-D

    Das ist doch das wenigste was ein Chur-Ti-Re verlangen kann !?

    Ich warte, bis dann segnet Dich

    Chur-Ti-Re

    Steinmetz
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 15. März

    Geht das schon wieder l...

    :indy:

    Ich sag nur: Rettich, Lauchzwiebeln, Dünnbier...

    :-"

    Aber exakt das entspricht der klassischen Rollenverteilung: Ohne Pharao kein in Lohn und Brot stehender Bildhauer, kein Expertentum.

    All die Kunstwerke vergangener Epochen - teilweise aus der reinen Not geborene Resultate. Vielleicht wäre der eine oder andere ja lieber Gemüsebauer geworden, statt untergebener Vorschläger eines Oberbildhauers zu sein (der sich vermutlich auch hochgearbeitet hat).

    Aber wer wollte schon mit dem Pharao und dessen großer Verantwortung und dessen einzigen 7 plagenden Sorgen tauschen?:

    1: Wie geht's mit meinem Reich weiter?

    2: Was kostet's?

    3: Wann ist es endlich fertig? (am besten gestern)

    4: Was zieh ich bloß an, wenn' soweit ist?

    5: Wohin mit all den Pyramiden für all meine Frauen?

    6: Wer kümmert sich um die Hunde?

    7: Soll ich mir das Ohrringloch vorher wirklich noch stechen lassen? Schließlich könnte das in 4000 Jahren völlig falsch verstanden werden.

    Nun, zumindestens über Punkt 4 bräuchte der Pharao sich vermutlich keine allzu großen Sorgen machen. Mit jedem Versuch, die althergebrachte Norm zu durchbrechen, wäre er auch wohl falsch gewickelt gewesen...

    :-D

    Grüße,

    Steinmetz

     

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • RandomHHRandomHH User Routinier
    kurti schrieb:

     

    Ansonsten möchte ich meine Kartusche nicht gelasert sondern schön mit der Silexklinge in polierten Granit gearbeitet haben. :-D

    Das ist doch das wenigste was ein Chur-Ti-Re verlangen kann !?

     

     

    Lautumschrift korrigiert.  ;-)

    Steinmetz
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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 15. März

    @RandomHH und Churti:

    Ja, wollt ihr mich denn in den Sarkophag bringen, den ich vorher erst noch klöppeln muss!? Ich fordere eine Gehaltserhöhung!

    Keilnutförmige Inschriften sind außerdem teurer!

    Laut Bildhauertarif - wie üblich - (bei einer maximalen Hieroglyphen-Standardhöhe und abhängig vom Material: 1 Bund Rettich, 1 Bund Stangenlauch, 1 Schoppen ungepanschtes Dünnbier und für das Gesamtwerk 1 Freikarte für den Freizeitpark. MIT Rutsche!

    Die Materialkosten übernimmt natürlich der Pharao.

    Ansonsten: Ein Top-Entwurf!

    :-D:db:

    Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • RandomHHRandomHH User Routinier

    @Steinmetz:
    Das war nur ein diletantischer Versuch, den Großen Kur-Ti schnell und vorläufig zu befriedigen! Professionell und damit präzis steingemetzte Hieroglyphen sehen anders aus – und man muss länger auf das Ergebnis warten.
    Für Gehaltserhöhung und Bonusleistungen bin ich leider nicht zuständig. Aber ich habe dir zur Stärkung der Arbeits- und Nervenkraft ein traditionelles Linsengericht auf traditionelle Art zubereitet: in einem traditionellen Topf auf traditionellen Feuerböcken (Feuerböcke siehe Filmchen hier hier in der rechten Spalte: https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/ein-kultureller-schmelztiegel-war-drehscheibe-fuer-aegyptens-goldhandel-3835/).

    Guten Appetit (in Hieroglyphen)

    Steinmetz
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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 15. März

    Oh, ein sehr interessantes Experiment! Also für das leibliche Wohl ist schon mal gesorgt!:-P

    Ich meinte aber gar nicht das fertig gemetzte Steinprodukt. Der Entwurf eines Schreibkundigen ist ja überhaupt Voraussetzung dafür, dass gebildhauert werden kann. Ein Hieroglyphenhauer musste sicherlich auch nicht zwangsläufig in allen Fällen schreiben können.

    Jetzt bräuchte man nur noch ein Stückchen Assuan-Granit. Wie Viel tausend Euro kostet nochmal der Quadratmeter?:-O

    Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 15. März

    Dritter Bearbeitungstag.

    Geschätzte Bearbeitungszeit ca. 35 bis 40 Minuten bei wirklich gemächlichem und relativ entspanntem Arbeiten.

    Zur weiteren Bearbeitung habe ich heute ausschließlich den Flusskiesel verwendet. Diesen habe ich schließlich modifiziert und durch einen kräftigen Schlag auf einen Steinblock an einem natürlichen Lager in zwei Hälften aufgespalten, um neue scharfe Kanten am Halbzeug zu erhalten.

    In der Nahaufnahme kann man auch sehr schön die beachtlich geglättete Oberfläche des Granit erkennen. Die Güte der Glätte, die sich durch die Schlagsteintechnik erreichen lässt, ist beachtlich. Dies liegt auch daran, dass es natürlich verschiedenartigste Schlagtechniken mit entsprechendem Effekt gibt, so etwa den "ziehenden Schleifschlag" oder den "gedrehten Glätschlag". Ein einfach ausgeführter "Haudrauf- und Zerbröselschlag" funktioniert nur bedingt, um eine gleichmäßige Oberfläche hinzubekommen.

    Die Expert/innen können ja mal sagen, um welches Material es sich beim Flusskiesel handeln könnte. Die Bruchstelle des Flußkiesels bricht - meiner unmaßgeblichen Meinung nach - vom Eindruck her schiefrig und riecht auch entfernt quarzig-schiefrig; ein bisschen erdig-steinig-quarzig-lehmig halt.

    Beim Granit handelt es sich vermutlich um eine Sorte, die heutzutage breite Verwendung findet (siehe Baumarktsortiment). Name und Lagervorkommen der Sorte sind mir gerade allerdings nicht geläufig.

    Was die Bearbeitung des Granitstückchens angeht: Wohlgemerkt waren es nordischers Geschiebe und Flusskiesel, womit die Oberfläche bisher bearbeitet wurde und kein zäher und harter Silex oder Flint. Ich vermute, daher, dass sich viele Granitsorten auch mit stark quarzithaltigen Sandsteinen schlagen, bzw. hiebend bearbeiten lassen, was noch zu beweisen wäre.

    Um es auch nochmals zu betonen: Beim Arbeiten ist viel kybernetische Schlagenergie dadurch verloren gegangen, dass ich das Granitstückchen beim Beschlagen in der anderen Hand gehalten habe.

    Mit großen Schlägern ließen sich an stehenden Blöcken oder an bodengelagertem Granit natürlich wesentlich bemerkenswertere Abarbeitungen pro Hieb erzielen, auch je nach Größe, Gewicht und Qualität des Schlagsteins. Es ist aber erstaunlich, wie präzise sich auch kleine Stücke mit Schlagsteinen bearbeiten lassen.

    Auch die bekannte Möglichkeit der Erhitzung vor Abarbeitung des Gesteins - etwa mit glühender Holzkohle und sehr heißer Holzkohleasche dürfte für die großflächige Bearbeitung vieler Granitsorten einen ganz besonderen Effektivitätsunterschied ausmachen. "Ausköhlungen" der Granitoberflächen könnten vorzugsweise Nachts stattgefunden haben, wenn die Steinbearbeiter im Alten Ägypten sich von ihrer anstrengenden Arbeit erholten. In dieser Zeit wärten idealerweise vielleicht auch die Kupferschmiede an die Schmiedearbeit gegangen. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass diese Prozesse in versetzten Arealen gleichzeitig und auch tagsüber verliefen und aufeinander abgestimmt wurden. Stellenweise hätten bereits vorgetriebene und auszuköhlende Bereiche im Granit selbst als provisorischer Ofen bei Verbrennung von Hölzern für das Ausköhlen verwendet werden können und gleichzeitig holzkohleartige Produkte erzeugen können. Auch ein Kupferschmied hätte an solchen Feuerstellen eben von der Hitze der Gluten resultieren können und Linsensuppe wurde dort ja vielleicht auch gekocht?

    Eigentlich müsste man einfach mal einen Trupp organisieren, der einen Sommer in einem Granitsteinbruch verbringt. Danach wären sicherlich viele Fragen geklärt. Allerdings bräuchten wir dann noch vier Sänftenträger für Chur-Ti-Re und ein luxuriöses Großzelt für den Pharao.X-D

    Grüße,

    Steinmetz

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    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • RandomHHRandomHH User Routinier
    bearbeitet: 15. März
    Steinmetz schrieb:

    Jetzt bräuchte man nur noch ein Stückchen Assuan-Granit.

    Arghhh... du hast schon weiter gearbeitet... denn damit kann ich dienen – ist mir gerade eben erst wieder eingefallen. Direkt aus dem Assuan-Steinbruch und gut abgehangen.

    Damit hatte ich damals ebenfalls ein Bearbeitungsexperiment gemacht und sehr früh aufgegeben (ich kann jetzt kaum noch die Stelle der Bearbeitung finden).

    Haben wollen?

    Steinmetz
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    Beitrag bearbeitet von RandomHH
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    Ja! Unbedingt!

    :detective:

    Ich schick Dir sofort meine Adresse per PN. Was willst Du dafür haben?

    Dass ich mich heute im wahrsten Sinne des Wortes "weiter abgemüht" habe, ist kein Problem. Das Experiment soll ja an verschiedensten Materialien durchgeführt werden und wird wohl noch eine ganze Weile dauern.

    Außerdem, wenn ich damals so gemächlich an einem Natursteinstückchen herumgearbeitet hätte, wie an den Granitstückchen, dann hätte man mich sicherlich vom Gerüst geworfen.

    Grüße,

    Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    @RandomHH: Interessierst Du Dich zufällig für Kochbücher? Davon hätte ich reichlich.

    Grüße,

    Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • RandomHHRandomHH User Routinier

    Kochbücher als Objekte für Naturaltausch interessieren mich nicht. Ich will als Ergebnis deines Experiments eine halbwegs erkennbare Hieroglyphe sehen! ;-)

    Steinmetz
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 15. März

    Soviel kann ich jetzt schon dazu sagen: Das wird hart! Die groben Kristalle im Verbund mit den unterschiedlich harten anderen Kristallen ("Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer..." werden vermutlich eine sehr große Herausforderung darstellen, um überhaupt gleichmäßige Oberflächen hinzubekommen. Die weicheren Kristalle werden sich wahrschweinlich stärker abarbeiten, als die härteren.

    In solche Granite lassen sich idealerweise nur Hieroglyphen bestimmter Größe einarbeiten.

    Aus der Grabmalherstellung sind mir ähnliche Granitsorten mit Grauen bekannt...

    Ich vermute, dass die Alten Ägypter aus genau diesem Grund solche Granitsorten vorzugsweise schleifend bearbeitet haben, was zur entsprechenden Oberflächencharakteristik führt. Aber wir werden sehen. Erst einmal wird es wohl eine Sägeprobe geben..., bevor ich mit einem Bearbeitungsversuch auf die folgende Art und Weise beginne:

    >:(

     

    Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • HuginHugin User Alter Hase

    Ich stelle mal die organisatorische Frage:

    Ich nehme mal an, dass die alten Ägypter bereits vor dem Pyramidenbau leidlich Stein bearbeiten konnten.

    Trotzdem mussten die Fähigkeiten nun industriell und im großen Maßstab bereitgestellt werden. Das würde heißen, dass man bereits ein "wissenschaftliches" Vorgehen angewendet hat. Techniken und Verbesserungen mussten evaluiert werden und bei Approval großflächig ausgerollt und eingesetzt werden. Dazu gehört z.B. auch ein Schulungssystem.

    Wie immer habe ich den Eindruck, dass die technischen Fähigkeiten beindruckend waren, die organisatorischen aber beeindruckender!

    Steinmetz
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 16. März

    Ich würde eher sagen, beides war gleichwertig qualitativ und ist gleichwertig beeindruckend. Im Grunde Haben z.B. die alten Ägypter Ausbildungsmodell und Qualtätssicherungsmethoden vorweg genommen. Für beides dürften aber einige Jahrtausende Entwicklungszeit nach dem Prinzip Trial ans Error ins Land gezogen sein. Nicht zu unterschätzen ist dabei sicherlich der Voreinfluss auch anderer Völker. U.a. die Alten Ägypter haben es manufakturartig und "industriell", auch quantitätstechnisch auf die Spitze getrieben.

    Grüße, Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    - BITTE NICHT NACHMACHEN! -

  • RandomHHRandomHH User Routinier

    „Industriell“ gefertigte Hieroglyphen in Granit:

    Ich habe eben mein Fotoarchiv vergeblich nach definitiv gemachten Nahaufnahmen von Hieroglyphen in Granit durchsucht. Es muss nun ein Stock-Foto einer Wand im Karnak-Tempel herhalten. Ich habe zum Vergleich einen Fotoausschnitt meines Bruchstückes aus dem Assuan-Steinbruch ungefähr passend skaliert, um die Größe der Hieroglyphen und die Exaktheit der Konturen zu verdeutlichen (Bild im Anhang).

    Auf dem Obelisk in Paris sind übrigens etwa1600 Hieroglyphen eingemeißelt – in ungefähr gleicher Größe wie auf dem Beispielfoto der Karnak-Wand.

    @Hugin: Deine Frage nach der Organisation ist auch die meine.

    Wie derartige Arbeiten möglich waren und bewerkstelligt wurden – mal abgesehen von ausreichend zur Verfügung gestellten Rationen Dünnbier und Lauchzwiebeln – war mir schon immer ein Rätsel. Durchschnittlich ein Arbeitstag pro Hieroglyphe? Mehr? Mehrere Arbeiter an einem Text (mit vorgezeichnetem Layout für die Arbeitsabschnitte)?

    Und, @Steinmetz: Ausbildung und Qualitätssicherung muss in der Tat stattgefunden haben. Ob bei solchen Leistungen aber auf Erfahrungen anderer Völker zurückgegriffen werden konnte? Gab es schon sowas wie Wanderschaft zünftiger Handwerker? Oder sowas wie Industriespionage?

    Zum Experiment:
    Wenn Vinzenz in seinem Versuch nur eine kleine, meinetwegen gerade aber scharf konturierte Linie, wie auf meinem Beispielfoto, hinbekommt, glaube ich nicht mehr an außerirdische Technologie. ;-)

    Lieferung Assuan-Granit ist übrigens unterwegs. Sendungsnummer per PN.

    Das (siehe Fotos) wollte ich damals eigentlich mit dem Stück machen: aus dem Knubbel eine polierte Teil-Oberfläche einer Kugel. Aber in solchen Dingen bin ich leider kein geduldiger Mensch. ;-)

    Steinmetz
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  • RandomHHRandomHH User Routinier

    Sorry, das ist jetzt privat für @Steinmetz, weil er – neben Assuan-Granit – nach Dolerit gierte, ich keine Ahnung von Gesteinen habe, sein Mail-Account die Annahme von zur Verfügung stehendem Bild-Material verweigerte und ich keine Lust auf die Lösung von kommunikationstechnischen Problemen von FreeMail-Anbietern habe. ;-)

    Eine Auswahl meiner „Steine“:
    Das sind alles Funde von den Kanarischen Inseln, mithin sehr wahrscheinlich – wie Dolerit – vulkanischen Ursprungs. Da sie alle rund sind (Strandfunde), konnte ich nicht überprüfen, ob sie Glas zu ritzen imstande sind. Mit einer Stahlklinge von einem Skalpell kann man sie aber, wenn auch mühsam, ritzen. Damit vielleicht Mohshärte 5? Der große, löchrige Stein ist übrigens 1,2 kg schwer.

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 17. März

    Hallo Barbara, es kommt bei Plutoniten ganz darauf an, wie sie im vulkanischen Prozess entstanden sind.

    "Bimse" und Tuffe z.B. sind ebenfalls Vulkangesteine. Bims ist extrem leicht und sozusagen der Schaumkronenauswurf eines Vulkans (die Abhustung, die beim Flug durch die Luft zu "Sahnehäubchen" aushärtet, diente vermutlich auch als Vorbild für den Porenbeton).

    Tuff z.B. ist ebenfalls ein Eruptivgestein, weich und gut zu bearbeiten, aber mit ganz anderen Charakteristika. "Diabas" ist Ausflussgestein, erstarrt glasartig, ist sehr hart und spröde. Basaltlava erstarrt eher hart, porig und scharfkantig.

    Es gibt bei den Plutoniten die Hauptgruppierungen:

    Auswurfgestein

    Ergußgestein

    Ganggestein

    Tiefengestein

    Die Granite (Rhyolit) z.B. gehören zu den Tiefengesteinen. 

    Danke für die Zusendung!

    Die von Dir gefundenen Steine wirken auf mich wie von Wasser und Erosion glatt und rund geschliffene Basalte und Mohshärtegrad 5 - 6 könnte hinkommen. Granite haben eine Härte irgendwo bei 6 und manchmal auch zwischen 6 und 7, wenn ich mich nicht irre.

    Insgesamt können die Experten im Forum aber sicher mehr und besseres dazu sagen.

    Und wenn ich jetzt bei der Rekapitulation meines lange zurückliegenden Berufsschulwissens irgendetwas falsch wiedergegeben habe, kann ich schon mal in Deckung gehen vor tiefliegenden Steinen aus Richtung der Steinexperten.

    Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 17. März

    @RandomHH:

    Der Voreinfluß anderer Völker in Bezug auf die Alten Ägypter war nur spekuliert. Ich zielte mit dieser Aussage auf sehr große Zeiträume ab. Davon ausgehend, dass Transfer auch vor Entstehung der ganz großen Kulturen - und erst recht zu deren Zeiten stattfand.

    Spionage dürfte es zu allen Zeiten gegeben haben, aber auch konkreten Austausch oder zufällige Entdeckungen - auch unter möglicherweise verfeindeten Völkern. 

    Viele Entdeckungen und Innovationen sind natürlich solche, die sich beinahe zwangsläufig ergeben (z.B. Holzbearbeitung und Steinbearbeitung) und stets finden sich viele Vorbilder für innovatives direkt in der Natur.

    Die Leistungen der Alten Ägypter in qualitativer und quantitativer Hinsicht sind enorm. Gleiches aber gilt, anbetrachts der Umstände und kulturellen Ausprägung für viele Völker dieser Zeit, von der hier die Rede ist.

    Die enorme Leistung der Alten Ägypter bestand vor allem auch darin, solch enorme Natursteinoberflächen überhaupt erst einmal einzuebnen und zu glätten. 

    Die Massenproduktion von Hieroglyphen und anderem dürfte dann tatsächlich "industriellen Standard" gehabt haben: Schreibkundige brachten die "normierten" Schriftzeichen auf (wobei es wohl auch Vormaler, Hilfsmaler und Oberschreiber als Korrekteure und Projektleiter gab).

    Die Ausarbeitung der Hieroglyphen dürfte dann teilweise auch Anlernsache gewesen sein: Einfachere Arbeiten wie das Vorklopfen und Drillbohren waren schneller zu erlernen als z.B. das Ausschneiden und Feinpicken der Konturen.

    Wenn es nicht der Ethik und Berufsstandsehre der Alten Ägypter widersprochen haben sollte, Anlernlinge zuzulassen, ist das präzise Drillbohren in wenigen Stunden bis Tagen zu erlernen. Wobei es auch dann noch zu Fehlern kommen kann. Flächen, Formen und Figuren präzise und ohne Anrichtung von Schaden vorzuklopfen, erfordert allerdings sehr viel Erfahrung.

    Die Kunst, entsprechende Werkzeuge herzustellen und die Vermessungskunst und geometrische Zeichenkunst jetzt einmal ganz ausgenommen.

    Ich schätze, eine Ausbildungsspanne von 1 bis 10 Jahren ist - je nach Bereich und Güte der Arbeit realistisch.

    Es ist schwierig zu beurteilen, wie lange es dauern würde, eine einzelne der von Dir geposteten Hieroglyphen anzufertigen. Ich schätze einfach mal, ein Tag könnte knapp werden, je nach Form, zwei Tage könnten aber realistisch sein. Vielleicht aber würden manche Hieroglyphen auch eine ganze Woche in Anspruch nehmen. Wir können dabei ja auch nicht unbedingt von einem heute üblichen Durchschnittsarbeitstag von 8 Stunden ausgehen.

    Nehmen wir aber einmal an, eine einzelne Hieroglyphe dieser Güte wäre damals in 2 Tagen zu bewerkstelligen gewesen. Dann würden bei 1000 Hieroglyphen und 10 Fachkundigen (exklusive Koch und Dünnbierbrauer/in und Werkzeugmacher und Vermesser bei bereits eingeebneter Oberfläche) 2*1000 / 10 = 200 Tage zusammenkommen. Aber das ist natürlich nur ganz grob geschätzt.

    Grüße,

    Steinmetz

    P.s.: Wie ich gerade bei Wikipedia erlesen habe, wird Diabas vom deutschen Grundverständins her als "Dolerit" angesehen, womit die Bearbeitungsfrage des Granits für mich geklärt wäre. Diabassplitter und -stücke lassen sich in der Umgebung auftreiben.

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 20. März

    @RandomHH:

    Das gute Stück ist angekommen, Barbara. Danke! Das Experiment wird direkt in Angriff genommen. Ich bin gespannt!:detective:

    Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 21. März

    Das von Barbara feundlicherweise für ein Bearbeitungsexperiment zur Verfügung gestellte Stück Assuan-Granit lässt sich wider Erwarten ganz hervorragend bearbeiten im Hinblick auf das Abarbeiten von Material (sowohl schlagend mit Handsteinen als auch schleifend mit Handsteinen verschiedener Sorten). Allerdings ist die Oberfläche erwartungsgemäß sehr empfindlich und entsprechend schwierig zu bearbeiten im Hinblick auf eine geschlossene Oberfläche bei Vermeidung von unerwünschten Abplatzungen.

    Das Material erfordert aufgrund der teilweise sehr grob-kristallinen Struktur Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Ich vermute auch bereits jetzt, dass sich dieses Material (der Assuan-Granit) ganz hervorragend "flämmend" bzw. "köhlend" für die Bearbeitung mit Schlagsteinen modifizieren lässt. Auf diese Bearbeitungstechnik werde ich bis auf weiteres aber erst einmal nicht eingehen können.

    Auf Schleif-Experimente für die Herstellung einer polierten (oder annähernd polierten Oberfläche) kann ich zur Zeit auch nur bedingt eingehen, da mir hierfür noch der geeignete Sand fehlt.

    Da das Bruchstück bereits über eine recht glatte Bruchfläche an einer Seite verfügte, war es mir innerhalb von ca. 30 bis 40 Minuten gemächlichem Arbeiten möglich, die Bruchfläche annähernd einzuschlichten und mit Handsteinen und herkömmlichem Maurersand schon einmal grob vorzuschleifen.

    Für den Einarbeitungsversuch einer Hieroglyphe oder eines Hieroglyphenfragments genügt die Oberflächenqualität bereits. Der Feinschliff kann auch abschließend erfolgen, wenn die Hieroglyphe oder das Hieroglyphenfragment (hoffentlich planmäßig) eingearbeitet ist, was eben noch ein gewisses Experiment mit gewissen Unwägbarkeiten darstellt, in dem sehr wahrscheinlich auch noch andere Bearbeitungsmaterialien und Bearbeitungsmethoden zum Einsatz kommen werden. Diese sind z.B.: Drillbohren, Schleifen mit Steinklingen (Silex, Flint oder ähnlichem).

    Auch Bearbeitungsversuche mit Flint-, bzw. Silexmeisseln, Kupferwerkzeugen (Meisseln) und einer Steinsäge mit Kupferblatt sollen noch erfolgen. Diese geplanten Experimente schiebe ich jedoch zunächst erst einmal weit nach hinten und es kann noch eine Weile dauern, bis ich überhaupt dazu komme.

    Bearbeitet wurde der Assuangranit von mir hauptsächlich mit den auf den Abbildungen gezeigten "Handsteinen": Einem Stück teilweise naturrundlichem Porphyr und einem kleineren Stück Diabas. Beide Stücke verfügen über mit dem Winkelschleifer, bzw. der Steinsäge angeschnittene Kanten, was für die Bearbeitung von Vorteil ist. Hierzu ist im Vorfeld aber zu sagen, dass in der Natur auch Bruchstücke mit sehr scharfen Bruchkanten vorkommen können, die sogar schärfer sein können, als angeschliffene, bzw. angeschnittene.

    Um jedoch jedem Missverständnis vorzubeugen, werde ich vor dem Einarbeitungsversuch einer Hieroglyphe, bzw. eines Hieroglyhenfragments versuchen, die Schlagsteine zu bossieren, um möglichst naturnahe Kanten zu erzeugen.

    Vorgeschliffen habe ich die kleine Seitenfläche des Stücks versuchsweise mit dem Porphyr, dem Diabas, aber auch mit dem zuvor in diesem Thread gezeigten Granitstückchen und Flusskiesel, ebenso mit dem Stück nordischen Geschiebe und testweise auch unter Zuhilfenahme von herkömmlichem Maurersand unter Zuhilfenahme von etwas Wasser. Es war aber bereits vorher relativ klar für mich, dass solcher Sand einen nur geringen Schleifeffekt erzielen wird.

    Zum Schleifen werde ich deshalb abschließend aus dem abgearbeiteten Material des Assuan-Granits und der Schlagsteine selbst ein vermutlich sehr "scharfes" abrasives Material herstellen.

    Ich halte Euch auf dem laufenden.

    Grüße,

    Steinmetz

     

     

    • Assuan-Granitbearbeitung Nr. 1 vom 20.03.2018 (C) Vinzenz Maria Hoppe, GERMANY.jpg
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    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 21. März

    Bereits 15 Minuten gemächliche Bearbeitung mit der spitzwinkligen, beilartigen Kante des Diabas-Klopfsteins lassen erste Ansätze einer Vertiefung im für das Anlegen eines Hieroglyphenfragments anvisierten Bereich erkennen. Der Bereich wurde nach Augenmaß bearbeitet. Auf dem 3ten und 4ten Bild ist der Bereich mit Zeichenkohle umrissen.

    Zur besseren Erkenntlichkeit der Oberflächen heute Bildmaterial mit niedrigerer JPEG-Komprimierungsrate (70%).

    Grüße, Steinmetz

    Zur Erläuterung siehe auch folgende Quellen:

    [Keine Haftung für Internetadressen und deren sämtliche, möglicherweise auch versteckte und/oder unersichtliche Inhalte. Internetadressen stellen ausschließlich zitierrechtlich erforderliche Quellennachweise nach wissenschaftlichem Standard dar. Die angegebenen Internetadressen sind ausdrücklich KEINE Linkempfehlungen. Jede Nutzung der Internetadressen auf eigene Gefahr. Eine bloße Auflistung der genutzten Quellenangaben bedeutet nicht zwangsläufig und automatisch, dass der Verfasser dieses Beitrags sämtliche, in den angegebenen Quellen auffindbare Inhalte und Aussagen teilt.]

    Seite „Dolerit“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. März 2018, 11:33 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dolerit&oldid=174871659 (Abgerufen: 21. März 2018, 16:58 UTC)

    Seite „Diabas“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. März 2018, 21:13 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diabas&oldid=175189157 (Abgerufen: 21. März 2018, 16:59 UTC)

    Seite „Porphyr“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Februar 2018, 18:13 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Porphyr&oldid=173901968 (Abgerufen: 21. März 2018, 17:01 UTC)

     

    • Assuan-Granitbearbeitung Nr. 2, 21.03.2018 (C) Vinzenz Maria Hoppe, GERMANY 2018.jpg
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    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • RandomHHRandomHH User Routinier
    bearbeitet: 21. März

    @Steinmetz

    Erst einmal vielen Dank, Vinzenz, für die umfangreichen Infos zu Gesteinen. Denen entnehme ich, dass bei meinem Kanaren-Sammelsurium nichts dabei ist, was für deine Experimente von Interesse wäre. Auch gut – muss ich von diesen schönen runden Dingern keines hergeben.

    Zum Assuan-Granit:

    Der vorherige Bearbeitungszustand sah nach einem wirklich gut brauchbaren "Bügeleisen“ aus. ;-) Und vielleicht ist meine Idee gar nicht so abwegig – man denke nur an die kunstvoll in Falten gelegten Kleidungsstücke, die sich mitsamt Plissee erhalten haben.

    Und weil mir gerade eingefallen ist, dass ich Korund-Schleifpapier nachkaufen muss. Korund war den Ägyptern bekannt. Ob er vielleicht auch bei der Einarbeitung von Hieroglyphen zum Einsatz gekommen ist? Dieser Artikel (Seite 2 im PDF) legt das durchaus nahe:

    https://www.researchgate.net/profile/Federico_Caro/publication/271849840_Evidence_for_the_use_of_corundum_abrasive_in_Egypt_from_the_Great_Aten_Temple_at_Amarna/links/54d4db8a0cf2464758067885/Evidence-for-the-use-of-corundum-abrasive-in-Egypt-from-the-Great-Aten-Temple-at-Amarna.pdf?origin=publication_detail

    In Erwartung der nächsten Forschungsberichte
    Gruß von Barbara

    Steinmetz
    Beitrag bearbeitet von RandomHH
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 21. März

    Hallo Barbara,

    selbstverständlich könnte Korund eines der ältesten abrasiven Materialien zum Schleifen von z.B. Naturstein sein. ich müsste mich in das Thema aber erst einmal einlesen. Die Frage bei allem ist natürlich, wie sich das ohne konkrete Funde von Korund als Schleifmittel nachweisen lässt. "Sand" ist in dieser Hinsicht ja ein ziemlich undankbares Artefakt.

    Ich weiß aktuell aber nicht, inwiefern zu diesem Thema bei den altägyptischen Kernbohrungen eventuell Funde und Feststellungen gemacht wurden.

    Ich könnte mir aber wohl vorstellen, wonach Archäologen suchen müssten, wenn sie einen solchen Nachweis führen wollten. Überall dort, wo im alten Ägypten eventuell mit Wasser und möglicherweise Korund (oder anderen abrasiven Materialien) im größeren Stile geschliffen wurde, müssten Ablagerungen solcher (vermutlich sehr dünnen) Sandschichten im Erdreich theoretisch ausfindig zu machen sein. 

    Ein Bügeleisen aus Granit ist nicht nur eine tolle Idee, sondern würde vermutlich herausragend gut funktionieren! Die Anfertigung wäre relativ einfach zu bewerkstelligen und Granit verfügt über hervorragende Wärmeleitfähigkeit, gibt die Wärme auch gut dosiert wieder ab (siehe Hotstone-Massagen). Das wäre doch mal ein Fund!: Ein antikes Bügeleisen aus Granit.:-D

    Ich werde natürlich weiterhin ausführlich berichten und bewusst kleinteilig dokumentieren, damit auch alle Schritte gut nachvollzogen werden können.

    Natürlich braucht Gut Ding Weile und da ich wie bereits erwähnt nur wenige Minuten am Tag dazu komme, überhaupt an dem Stück zu arbeiten, wird das Experiment hier wohl noch einige Zeit etwas zu berichten haben. Das ist auch ganz gut so, denn die Vorgehensweise muss gut durchdacht und hinterfragt sein, denn heute hat sich bestätigt, was ich bereits erwähnte: Jedes voreilige Hasten bei der Arbeit ist kontraproduktiv, wie eine unerwünschte grobkörnige Abplatzung zeigte.

    Dieses Material - der Assuan-Granit - muss wirklich Körnchen für Körnchen abgetragen werden. Schuld daran sind eben dessen "Rosen".

    Aber selbst wenn das Anfertigen einer einzigen Hieroglyphe nach den hier von Dir geposteten Vorlagen 2 Wochen oder mehr in Anspruch nehmen würde (bei einem 14-Stunden-Tag), dann wäre das immer noch ein guter Schnitt. Ein einzelner Steinmetz oder Steinbildhauer an der Bauhütte des Kölner Doms etwa arbeitet an einem einzelnen Stück durchaus auch einmal 1 bis 1 1/2 Jahre (bei tariflich abgesichertem vermutlichem heutigen Durchschnittsarbeitstag).

    Grüße, Steinmetz

    P.S.: Sollte das Experiment gelingen, würde ich den Hauptteil der Arbeit gerne einem ägyptischen Museum zusenden, Dein Einverständnis vorausgesetzt (und wenn die es überhaupt haben wollen). Vielleicht finden sich hier im Forum auch Steinexperten, die über ein entsprechendes Mikroskop verfügen und Makroaufnahmen von der Oberflächenstruktur machen können?

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 21. März

    Nachtrag @RandomHH:

    Wie ich gerade sehe, handelt der Artikel, den Du verlinkt hast, ja genau von besagten Kernbohrungen. Es ist naheliegend - oder gilt vermutlich anhand der Funde eben als erwiesen - dass die alten Ägypter sich neben anderem aus Korund eine Schleifmixtur hergestellt haben.

    Und das ganz ohne Laser, ohne Lichtgeschwindigkeit und ohne Außerirdische, die mit ihren Ufos z.B. auf dem Platteau von Giseh oder im Steinbruch von Assuan gelandet sind, um uns dummen Menschen Nachhilfe in der Natursteinbearbeitung zu geben! :-PEinfach durch Arbeit mit Köpchen und Muskelschmalz >:(.

    Hieraus können wir wieder einmal lernen: Es gilt nicht nur "probieren geht über studieren", sondern einem wirklich gelungenen Arbeitsergebnis geht neben der erforderlichen großen Erfahrung ein gut durchdachtes Konzept voraus. Ohne Konzeptionisten und Innovatoren wäre unsere Welt heute nicht das, was sie ist. Manchmal muss man sich natürlich fragen, ob das jetzt besser oder schlechter für uns ist.

    Grüße, Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 22. März

    Es wird in Bezug auf das Alte Ägypten ja immer wieder gerne mit dem fehlenden Eisen als fehlendem Werkstoff dafür argumentiert, dass dies die Alten Ägypter eben nicht dazu in die Lage versetzt haben soll, bestimmte Dinge in der Natursteinbearbeitung ohne fremde Hilfe "von Außen", also ohne Hilfe von Außerirdischen mit deren Hochtechnologien zu bewerkstelligen. :-"

    Vorab möchte ich auch einmal dokumentieren, was mit einem - aus dem vielgerühmten und in der Hinsicht imho überbewerteten - Werkstoff Eisen hergestellten Meissel passiert, wenn dieser in der Natursteinbearbeitung falsch eingesetzt wird, oder aber falsch (oder gar nicht gehärtet ist).

    Wohlgemerkt handelte es sich bei dem von mir für eine Erprobung verwendeten Meissel um einen speziell und explizit für die Natursteinbearbeitung hergestellten schmiedeeisernen Meissel.

    Selbst der beste Eisenmeissel nützt in der Natursteinbearbeitung jedoch nichts, wenn er falsch verwendet wird; nicht für das zu bearbeitende Material hergestellt; oder unpassend oder falsch, bzw. gar nicht gehärtet ist.

    Ich habe heute ganz bewusst einen längere Zeit nicht geschärften und relativ abgearbeiteten schmiedeeisernen Meissel, der eigentlich eher für die Sand- und Kalksandsteinbearbeitung gedacht ist und dringend gehärtet werden müsste, eingesetzt, um ihn auf dem Assuan-Granit zu erproben (auf einer anderen, bruchrauhen Seite als der, auf der ich die Kontur eines Hieroglyphenfragmentes angesetzt habe).

    Der Effekt der Meisselerprobung - wohlgemerkt nur mit einem kleinen und leichten Knüpfel aus Weißbuchenholz - war, dass die Schneide des abgearbeiteten Meissels sich nach wenigen Schlägen bereits verformte. Und das, während am Granit nicht wirklich viel passierte. Mit einem geeigneten Klopfstein hätten sich mit ebensovielen Schlägen mindestens ebensoviele Körner vom Granit abarbeiten lassen. Soviel zum Thema "Kupfer sei zu weich für die Granitbearbeitung": Eisen ist unter bestimmten Bedingungen ebenfalls "zu weich für die Granitbearbeitung".

    Was kann uns das sagen?: Der Effekt, der mit Klopfsteinen und z.B. Klingen aus Silex oder Flint am Granit erreicht werden kann, ist in vielen Fällen mindestens ebenso effektiv - und in manchen Fällen sogar effektiver als der Einsatz eines falsch eingesetzten, oder aus falsch verhüttetem Eisen oder falsch gehärtetem Eisen eingesetzten Meissels. Eisen ist in dem Sinne nicht automatisch "hart". Im Gegenteil. Eisen kann in ausgehärtetem, kühlem Zustand regelweicht weich und auch "plastisch verformbar" sein, wie jeder mit dem Kaltschmieden vertraute wissen dürfte.

    Grüße,

    Steinmetz

    • Assuan-Granitbearbeitung Nr. 3, vom 22.03.2018 (C) Vinzenz Maria Hoppe, GERMANY 2018.jpg
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    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 24. März

    Nur weitere 10 Minuten Oberflächenbearbeitung mit dem Diabas-Stück als Klopfstein (Handstein) bilden im bearbeiteten Assuan-Granitstückchen bereits eine deutlich erkennbare Ausmuldung aus. Die per Augenmaß geschätzte Tiefe der Ausmuldung beträgt in deren "Talsenke" zirka 3 bis 4 Millimeter.

    Sehr gut erkennbar ist auf den angehängten Fotos auch die simultan rasche Abarbeitung der beilartigen Kante des Diabas-Klopfsteins, weshalb ich auf das zusätzliche Bossieren des Klopfsteins zwecks Erzeugung natürlicher Kanten verzichtet habe.

    Die Abarbeitung an beiden Materialien ist schätzungsweise in ungefähr gleich groß. Natürlich lassen sich die bei der Bearbeitung abfallenden Stäube nicht sonderlich gut messtechnisch erfassen.

    Eine exakte Vergleichswiegung beider Materialien macht auch keinen großen Sinn im Hinblick auf die Frage, wie hoch der Feuchtigkeitsgehalt (und damit die Menge an zusätzlichem "Wassergewicht") zu Beginn des Experiments in den beiden Materialien war und wie stark dieser zwischenzeitlich schwankt und sich mit dem rein materialtechnischen Gewicht der Gesteinssorten auseinander rechnen lassen würde. Eigentlich müsste dieses Experiment hierfür unter den stets gleichen Bedingungen stattfinden und das kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten natürlich nicht leisten.


    Der nächste Schritt in der Bearbeitung des Assuan-Granits wird voraussichtlich sein, dass die Bearbeitungswerkzeuge (Schlagsteine) modifiziert werden müssen (Anarbeitung scharfer Kanten, möglicherweise durch Beschleifen von Hand oder Retuschierung oder beides).

    Die insgesamt bis jetzt für die Bearbeitung*  des Assuan-Granits aufgewendete Zeit beträgt bis zu dem auf den angehängten Fotos dokumentierten Arbeitsergebnis insgesamt ca. 60 bis 65 Minuten, also in etwa eine gute Stunde.

    ---

    * mit Klopfsteinen beschlagen, Vorschleifen der Oberfläche, Einarbeiten der Konturen und der Muldung des geplanten Hieroglyphenfragments - also reine Bearbeitungszeit, ohne Vor- und Nachbereitungszeit etwa für das Herrichten und Modifizieren von Werkzeugen.

    Grüße,

    Steinmetz

     

     

    • Assuan-Granitbearbeitung Nr. 4 vom 23.03.2018 (C) Vinzenz Maria Hoppe, GERMANY 2018.jpg
      1588 x 1123 - 238K
    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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