Schriftstein Burg

B.W.B.W. OberpfalzUser

Auf der Burg Waldeck in der Oberpfalz finden seit etwa 30 Jahren "Restaurierungsarbeiten" statt. Das Ergebnis sieht baulich beeindruckend aus. Allerdings müssen alle archäologisch interessierten hier mehr als zwei Augen zudrücken.

Ich bin seit kurzem hier auch bei der archivalischen Forschung etwas involviert und habe mich entsprechend mit der Baugeschichte auseinander gesetzt. Vor allem konnte ich auch die bisher gemachten Funde, die in einem Depot aufbewahrt werden, besichtigen.

Darunter findet sich auch ein Schriftstein. Die rechte Seite des Steins ist leider abgebrochen. Meiner Meinung nach zeigt er die Inschrift "Anno D ... MDCC.....". Leider ist die Jahreszahl unvollständig. Kann man anhand der Schriftart sagen aus welchem Jahrhundert der Stein stammen könnte?

 

Bernhard

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  • B.W.B.W. OberpfalzUser

    Entschuldigung, ich meinte natürlich MCC

  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser Alter Hase

    Moin,

    die Inschrift ist nicht gut zu sehen. Nimm doch einmal den Zollstock weg und versuche mehr Seitenlicht / Streiflicht auf die Oberfläche zu bekommen. Das bewirkt, dass die Schrift mehr Konturen bekommt.

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher. Meine Funde werden gemeldet.

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    Hallo Bernhard,

    natürlich kann erst einmal davon ausgegangen werde, dass der Stein mit dem tatsächlichen Beginn der Erbauung in Zusammenhang gebracht werden kann, wenn auch die Frage ist, ob sich das nachweisen lässt und der Stein nicht eventuell später eingebaut wurde.

    Auch eine Schriftart hat einen gewissen zeitlichen und teilweise dehnbaren Zeitrahmen, in dem sie verwendet wurde. Von daher wären Spekualtionen über das Alter des Steins vermutlich vage und eine Einordnung eben dehnbar. An anderen Indizien wie etwa Baustilelementen, die im Bauwerk Verwendung fanden, ließe sich dann eine ungefähre Zuordnung zu einer Zeit / Epoche treffen.

    Kleiner Tipp auch von mir noch am Rande: Ein Stück Butterbrotpapier, Transparentpapier oder Paketpapier mit geringem Leimanteil auf die Schrift legen und mit einem weichem Bleistift, Wachsmalkreide, idealerweise aber Zeichenkohle zusätzlich einen Abrieb herstellen und das ganze dann fotografieren.

    Herzliche Grüße,

    Steinmetz
     

    StoneMan

    Ich bin Grenzwissenschaftler: Ich erweitere stetig die Grenzen meines Wissens.

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 06. September

    Hallo Bernhard,

    allem Anschein nach handelt es sich um eine gotische Minuskel:

    Quellen:

    Seite „Gotische Minuskel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Februar 2017, 11:25 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gotische_Minuskel&oldid=162898552 (Abgerufen: 6. September 2017, 16:02 UTC)

    Seite „Gotik“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. August 2017, 08:15 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gotik&oldid=168301503 (Abgerufen:

    6. September 2017, 16:04 UTC)
     

    Herzliche Grüße,

    Steinmetz

     

    P.S.: Ist die Aussparung rechts im Bruchstück ausgemeisselt oder ausgebrochen? Geschah das evtl. anlässlich der Restaurierungsarbeiten? Wurde das Stück anlässlich der Restaurierungsarbeiten abgereinigt?

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    Ich bin Grenzwissenschaftler: Ich erweitere stetig die Grenzen meines Wissens.

  • B.W.B.W. OberpfalzUser

    Der Stein wurde wohl auf dem oberen Plateau der Burg gefunden. So genau hat das leider keiner festgehalten. Das ist inzwischen bestimmt auch fast 20 Jahre her.

    Hier oben stand das eigentliche Schloss. Das ist 1665 abgebrannt. Die Gebäude wurden dann in stark vereinfachter Form wieder aufgebaut. Allerdings wurde dann nach der Belagerung von 1705 alles gesprengt. Es könnte natürlich sein, dass der Stein schon in Zweitverwendung irgendwo eingemauert war. Das rechteckige Loch rechts sieht mir stark danach aus als wäre es absichtlich so geschlagen worden.

    Beim Stein kann man von der Jahreszahl eigentlich nur mit gutem Gewissen MC lesen. Doch wieviele Cs hängen dann noch dran. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er schon aus dem 12.Jahrhundert ist.

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  • StoneManStoneMan NRW Nordland - Ruhrland - Weites LandUser Alter Hase

    Moin,

    danke für den Nachtrag Bernhard. Mit Blitz (Frontallicht) geht gar nie - das wirst Du ja selber gesehen haben, das zweite ist bereits viel besser.

    Da werden sicher die Schriftexbärden was draus machen können :d:

    Gruß

    Jürgen

    Ich bin Augensucher. Meine Funde werden gemeldet.

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 07. September

    Hallo Bernhard, 

    vielen Dank für die Infos. 

    Der Stein könnte in der Vergangenheit auch bereits schon einmal restauriert worden sein - eventuell, weshalb die Aussparung eingebracht wurde. Das ist aber Spekulation. Die Zeitspanne, welche den Einsatz dieses Schrifttyps umspannt, beginnt irgendwo im 12. Jhdt. Das muss aber nicht heißen, dass der Grundstein nicht wesentlich jünger ist. Schriften können natürlich nach dem Zeitpunkt ihres Entstehens immer wieder in ihrer Verwendung auftauchen.

    Lässt sich im Bauwerk oder in den Schutthalden noch irgendwelcher anderer, in Stein gehauener Zierrat finden oder lassen sich irgendwelche anderen markanten Gegebenheiten auf dem Gelände ausmachen - etwa freigelegte Grundmauern oder Fundamente der ursprünglichen Anlage? 

    Lässt sich beim anfallenden Schuttmaterial ausmachen, ob sich darin Teile befinden, die eindeutig dem späteren Schlossbau zugeordnet werden können und/oder solche, die der ursprünglichen Burganlage zuzuordnen wären?

    Herzliche Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

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  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: 07. September

    @B.W.

    Von der Schrift ( gotische Minuskel ) her kann man diese Textura-Form für solche Inschriften ins 13 bis 14 Jahrhundert und eventuell etwas früher im 12. Jhdt., aber maximal  bis ins 15 Jhdt. einordnen.
    Geht man davon aus, dass in der unteren Zeile die Jahreszahl mit "mc" beginnend angegeben ist, dann ergibt sich daraus, dass hier maximal der Zeitraum von 1101 bis 1499 also vom 12 bis 15 Jhdt. abgedeckt werden kann. Mehr als vier "c" bis zum "d" können ja nicht da stehen.
    Ergo ergibt sich sowohl von  der Schrift her wie auch der zu vermutenden Jahreszahl, dass die Inschrift nicht nach dem 15. Jahrhundert hergestellt wurde.

    "Errare humanum est "!  O:-)

    Gruß

    Kurti

     

    Beitrag bearbeitet von kurti
  • B.W.B.W. OberpfalzUser

    Danke. Natürlich gibt es einen zum Teil wieder aufgebauten Grundriss von der Burg. Es gibt Pläne und sogar ein Holzmodell aus dem 17. Jahrhundert. Das hilft aber natürlich bei dem Schriftstein nichts. Der wurde spätestens beim Auffinden aus seinem Zusammenhang gerissen. Wahrscheinlich aber schon sehr viel früher als er evtl. in Zweitverwendung hier eingemauert wurde. Man muss den Stein also als vollkommen eigenständig (also ohne irgendwelche Begleitfunde) sehen.

    Da man bei der Jahreszahl eben nicht mal das Jahrhundert lesen kann, hatte ich die Hoffnung, dass man dieses mittels der Schriftart näher eingrenzen kann.

    Kurti: Soweit ich das bei Dir richtig verstehe könnte man also zumindest das 12. Jahrhundert anhand der Schrift schon einmal ausschließen.

  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: 07. September

    @B.W.

    Soweit ich das bei Dir richtig verstehe könnte man also zumindest das 12. Jahrhundert anhand der Schrift schon einmal ausschließen.

    Nicht unbedingt. Ich schrieb 13.Jhdt. und etwas früher! Ich habe die Textstelle jetzt nochmal nachgebessert mit der Angabe 12.Jhdt. damit kein Irrtum entsteht. Grundsätzlich gab es die ersten Anfänge der Schrift bereits im 11.Jhdt. Sie hat ihren Ursprung in Frankreich , aber im deutschen Raum breitete sie sich erst später aus.

    Was natürlich nie heißt, dass ein "Wandersteinmetz" sie hier schon früher benutzt hat. :-D

    Es ist immer schwierig Schriften genau mit Beginn und Auslauf zu datieren. Das ist auch oft regional verschieden. Deshalb kann man hier nur grobe Angaben machen.

    Gruß

    Kurti

    Beitrag bearbeitet von kurti
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    Gut, wenn der Stein aus jedem Zusammenhang gerissen ist, kann auch die Frage gestellt werden, ob er nicht an irgendeinem anderen Bauwerk geschliffen und zur Burganlage zwecks Erbauung eines neuen Bauwerks verschafft wurde.

    Manche Fragen werden sich somit wohl niemals eindeutig beantworten lassen.

    Herzliche Grüße, Steinmetz

    StoneMan

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