Naturwissenschaftliche Archäologie

Hallo liebe Archäologen/-innen, Archäologie besgeisterte und liebe Leute,

ich suche nach Ratschlägen, konstruktiven Aussagen, Erfahrungen etc zum Fach der naturwissenschaftlichen Archäologie. Zu Beginn möchte ich sagen, dass ich schon viel Zeit investiert habe, um mir einen Überblick über die berufliche Situtation in der Archäologie zu verschaffen und ich mir bewusst bin, dass es Forschungsfelder gibt, in denen es aktuell um einiges rosiger aussieht ;)

Ich möchte nach meinem Bachelorstudium und nun 4 jähriger Berufstätigkeit an einem Archäologischen/Anthropologischen Institut noch einen Master oben draufsetzten. Durch meine Arbeit ist meine Begeisterung für Archäologie ziemlich explodiert und ich möchte mich deswegen im Masterstudium in der Archäologie spezialisieren. Ich interessiere mich nicht für eine bestimmte Epoche, sondern allgemein für Methoden, um archäologisches Material zu analysieren. Die Uni Tübingen bietet hierfür den Masterstudiengang Naturwissenschaftliche Archäologie an, in dem man zunächst einen Überblick über den Fachbereich bekommt und sich anschließend methodisch in einem speziellen Bereich vertiefen kann. (Archäometrie, Paläoanthropologie, Paläogenetik, Zooarchäologie, Archäobotanik, Geoarchäologie).

Auf der Studiengangshomepage wird der Studiengang natürlich, wie fast immer, damit angepriesen, besser auf dem Arbeitsmarkt situiert zu sein, als "Kollegen/Konkurrenten" die etwas anderes studiert haben. Ich denke, man ist danach schon relativ gut darauf vorbereitet, in Forschungslabors zu arbeiten, da man viele unterschiedliche Methoden im Studium kennenlernt, jedoch weniger mit den Theorien der einzelnen Epochen vertraut ist. Die Frage die sich stellt ist jedoch, ob es einen Markt für derartige Spezialisten gibt. Ich scanne schon eine ganze Weile den Arbeitsmarkt für Archäologen und die meisten Anzeigen, die man findet, sind in Form von Phd- und Postdoc-Stellen primär einer Epoche zugeordnet oder es handelt sich um Voluntariate oder sonstige Stellen in Museen und Ausstellungen . Anzeigen wie z.B. "Wir suchen einen Archäometriker, der sich an der Erarbeitung neuer Methoden zur Untersuchung von archäologischem Material beteiligt" (eine solche Anzeige würde meiner Traumstelle relativ nahe kommen :), habe ich leider noch nirgends gesehen, weder national noch international.

Was denkt ihr? Liegt es daran, dass es neu und bis jetzt relativ unbekannt ist, sich im Studium der Archäologie auf die Methodik zu spezialiseren anstelle auf Epochen? An Arbeit sollte es meiner Meinung nach eigentlich für derartige Spezialisten nicht mangeln, denn gerade durch die Einbeziehung von molekularbiologischen, biochemischen und geochemischen Methoden etc., ergibt sich ein großes Potential, neue Methoden aus Nachbarswissenschaften auch auf archäologische Fragestellungen anzuwenden.

Sind Leute hier im Forum, die in diesem Bereich Erfahrung haben, arbeiten oder aus anderen Gründen einen guten Überblick haben?

 

Für Anregungen und Erfahrungen, egal ob positiver oder negativer Natur, bin ich dankbar und offen :)

Danke!

  • astrofratzastrofratz RheineUser Veteran

    An Arbeit sollte es meiner Meinung nach eigentlich für derartige Spezialisten nicht mangeln

    Der Mangel an Arbeit war in der Archäologie noch nie das Problem. Es ist eher das Problem, dass keiner die Arbeit bezahlen will. Daher platzen ja die Archive vor unbearbeiteten Funden. 

  • IrminfriedIrminfried User Alter Hase

    Ja, leider ist es wirklich an dem, daß die Ämter solche, eigentlich wirklich dringend benötigten Stellen aus finanziellen Gründen nicht schaffen können.

    Ein Weg wäre, sich über Grabungen einen Türöffner zu schaffen, aber das versuchen natürlich viele...

    Gruß

    Irminfried

  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase

    Du wirst keine Garantien oder verlässliche Prognosen bekommen. Mit einer berufstechnischen Zukunftsaussicht ist es wie mit dem Wetter. Eine gehörige Portion Glück gehört neben der immer wieder erforderlichen Flexibilität dazu, Möglichkeiten wahrzunehmen, die sich ergeben und an Deinem Profil zu arbeiten, dass Dich für spätere eventuelle Stellen interessant macht. Heute ist auch Überqualifizierung ein immer größer werdendes Problem, ebenso wie die Zerfaserung und Ausblutung des Arbeitsmarktes. Wie Astrofratz und Irminfried schon schrieben, ist die gängige Vergabepraxis und Ausschreibung von Mitteln, welche für manche Projekte von Vorteil ist zum Nachteil für viele andere. Du solltest Dich bereits im Vorfeld interessant machen für Institutionen (eben etwa durch die Teilnahme an Projekten) und nicht ausschließlich darauf hoffen, dass dir dein Ausbildungsstand Tür und Tor öffnen würden. Die Selbstdarstellung einer Universität in Sachen Perspektiven ist soviel Wert wie die Zutaten für einen Kuchen. Es kommt für jeden Einzelnen darauf an, was er daraus backt.

    Herzliche Grüße, 

    Steinmetz

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