Dachbodenfund Kurioses Holzteil, was ist das?

chrisnbgchrisnbg NürnbergUser

Hallo ich bin der Chris und komme aus Nürnberg. Vor kurzem habe ich bei über eine Haushaltsauflösung dieses Holzteil erworben.

es ist ca. 80cm breit, sieht aus als wurde es irgendwo aufgesteckt, es hat 2 Löcher .. kennt sich jemand aus? bzw. kann mir jemand sagen wie alt es ungefair ist - würde mich schon sehr interessieren..

sorry die bilder sind komischerweise alle auf dem kopf gedreht :-(

gruß

chris

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  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 26. Juni

    Servus, Chris,

    ein schönes, eventuell älteres Stück Holzbildhauerkunsthandwerk hast du da erworben.

    Vom Stil der figürlichen Darstellungen im Mittelteil her eher naiv und ungekonnt gehalten, bei gleichzeitig ordentlich ausgeführter Ornamentzier. Deshalb vermute ich persönlich, das hier ein auf Ornamente spezialisierter Bildhauender am Werk war (es ist vermutlich eher unwahrscheinlich, dass zwei verschiedene bildhauende am Werk waren, wenn auch sich das natürlich nicht von vorneherein mit Gewissheit ausschließen lässt).

    Zum Alter ist aufs erste allerdings eher wenig zu sagen, den die im Stück vorhandenen Ornamente und Stilmittel sind teilweise bis heute populär und in Fabrikation. Es zeigen sich auch Stilelemente, welche bereits im Barock, bzw. Rokkoko üblich und an der Tagesordnung waren. Das Stück könnte also bereits ein paar Jahre oder auch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Das zu beantworten ist widerum davon abhängig, wie und wo das gute Stück aufbewahrt wurde, bzw. sich über die Jahre befunden hat, womit und wo es seinen Zweck erfüllte.

    Das Stück könnte aber ebensogut relativ "neumodischer" Zierrat sein, der über die Jahrzehnte einfach schlecht aufbewahrt wurde.

    Sehr aufschlussreich könnten deshalb verwendete Lasuren und Zustand des Holzes sein, wofür natürlich evtl. entsprechend aufwändige Analysemethoden oder aber ein Spezialist für Oberflächen erforderlich wären.

    Es sieht allerdings so aus, als wäre sehr grobschlächtig lasiert worden, bzw. ist das Stück möglicherweise auch einmal mit Klarlack oder ähnlichem überzogen worden. Daher kann es auch sein, dass es bereits mindestens einmal nachaufbereitet wurde (und das eben nicht sehr gekonnt, wie es erscheint).

    Das alles sind (nur eventuelle) Indizien dafür, dass sich jemand (etwa ein Laie) das Stück wieder schön gemacht und evtl. auch zweckentfremdet hat).

    Von Fotos aus ist das alles allerdings nicht gerade einfach zu sagen.

    Natürlich ließe sich mit den entsprechend aufwändigen und teuren wissenschaftlichen Methoden herausfinden, wie alt das gute Stück tatsächlich ist, aber von denen will ich hier erst einmal nicht weiter reden.

    Dargestellt ist auf den ersten Eindruck  aber vermutlich wohl eine Straßenkampfszene, wenn ich mich nicht irre und es sich doch um eine Handwerksszenerie handeln sollte. Diese kleine Ungewissheit ist aber der Qualität der figürlichen Ausführung geschuldet. Die Helmzierelemente rechts und links sprechen allerdings eher für eine Kampfszene.

    Weiteren Aufschluss darüber könnte unter anderem die Kleidung der Dargestellten geben. Hier sind also Modeexperten gefragt. Dabei muss allerdings hinterfragt werden, ob es sich um eine zeitgetreue Widergabe zu Zeiten den Geschehens handelt, oder ob etwas aus früheren Jahrhunderten als Szenerie in neuere Zeiten übertragen und verwendet wurde, sozusagen als Rückblick.

    Das Stück wird vermutlich als Wandzier oder Teil einer Einrichtung gedient haben (so etwas gab es natürlich zu bestimmten Zeiten und auch heute auch etwa auf Schiffen und Booten).

    Interessant wäre, zu wissen, wieviel vom Stück wohl weggebrochen ist und fehlt, eventuell handelt es sich bei dem Stück auch um einen Teil eines ursprünglich wesentlich größeren Stückes.

    Ist es dir eventuell Möglich, ein Bild mit sehr hoher Auflösung zu fabrizieren?

    Von der Risscharakteristik und Verfärbung her könnte es sich um Eichenholz handeln. Um dazu aber etwas mehr sagen zu können, wäre es sehr gut, wenn Du einmal Bilder von den schmalen Seite des Stücks machen kannst, so dass sich eventuelle Jahrringe erkennen lassen. Du müsstest das Stück dazu also auf eine Ebene Fläche legen (etwa eine Tischkante) und den Rittersleuten direkt ins Gesicht fotografieren.

    Lassen sich auf dem Stück im unteren Randbereich (also bei deinen Fotos oben ;-) ) irgendwelche Buchstaben oder Zahlen ausmachen, oder täuscht der Eindruck?

    Herzliche Grüße ins schöne Nürnberg,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    Ich bin Grenzwissenschaftler: Ich erweitere stetig die Grenzen meines Wissens.

  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: 26. Juni

    @chrisnbg

    Gibt es bezüglich der Haushaltsauflösung eine Verbindung nach Sizilien ? Es könnte sich bei dem Schnitzwerk um einen Aufsatz für den Karren eines sizilianischen Puppenspielers handeln. (Siehe die Links unten )

    @Steinmetz

    Hallo Vincenz,

    mit Deinem "Straßenkampf" dürftest Du richtig liegen.

    Ich lese unten das Wort "MAFIUSI". Dazu gibt es ein Theaterstück über die Anfänge der "guten MAFIA".

    https://de.wikipedia.org/wiki/I_mafiusi_di_la_Vicaria

    Dadurch bin ich auf folgende Seite mit ähnlichen Schnitzarbeiten gestoßen.  

    Die Aufschrift "carretto e pupi" bedeutet "Handkarren der Puppen" und die Schnitzerei war offensichtlich auf dem Handkarren eines Puppenspielers angebracht !?

    http://www.casamuseo.it/percorsi_tematici_il_carretto_e_i_pupi_siciliani.htm

    http://www.cilibertoribera.it/foto_sito/CARRETTO dietro x aggiunte.jpg

    http://d2s9ix2b4sctqt.cloudfront.net/big/103628.jpg

     

    Gruß

    Kurti

    SteinmetzStoneMan
    Beitrag bearbeitet von kurti
  • SteinmetzSteinmetz User Alter Hase
    bearbeitet: 26. Juni

    Lieber Kurti,

    grandiose Recherche, die mein Puppenspielerherz höher schlagen lässt! Bravissimo!

    :db:

    Das Werkstück passt von der ganzen Machart her hervorragend zu den Zierwerken, die auf den von von dir verlinkten Seiten abgebildet sind!

    Auch vom auf den Bildern erkennbaren Verwitterungszustand des Holzes und den Überzugsmittelspuren (Lack o.ä) passt alles (für mich) ganz wunderbar zusammen. Der gelbliche Farbläufer könnte entstanden sein, als das am Wagen befindliche Stück großzügig neu gestrichen, bzw. aufgefrischt wurde. (Beim Überstreichen kam der Bemalende mit dem Pinsel nicht überall hin, weil das Stück am Wagen bzw. Karren befestigt war. Auch die Tatsache, dass die Rückseite nur Stellenweise aufgefrischt scheint, könnte dies ebenfalls untermauern.

    Auffällig auch, dass das Stück als freistehendes Zierwerk eben an der Ober- und Unterseite schnitztechnisch abgerundet wurde.

    Was für eine spannende Geschichte eines beschnitzten Holzstücks!

    Vielleicht freut sich das entsprechende Museum über eine informative Anfrage zu dieser ganz besonderen Rarität und kann auch mehr zum konkreten Werkstück sagen, es vielleicht sogar in Verbindung mit einem ganz bestimmten Puppenspieler - und damit eventuell auch Schnitzer (oder beides in einer Person) - bringen!?

    Schön fände ich persönlich, wen das Stück auch den Weg in das betreffende Museum finden würde (etwa als Dauerleihgabe) zur Freude vieler Menschen, die es dann direkt betrachten und seine Geschichte erfahren können. G_G

    Spannend, spannend! Gepetto lässt grüßen!

    Lieber Chris, bitte unbedingt berichten, wenn sich irgendwelche Neuigkeiten ergeben!

    Herzliche Grüße,

    Steinmetz

    Beitrag bearbeitet von Steinmetz

    Ich bin Grenzwissenschaftler: Ich erweitere stetig die Grenzen meines Wissens.

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