Hilfe bei Sklettfunden!

Hallo!

Ich bin gerade dabei Skelettfunde aus einer Grabung in Niederösterreich zu bearbeiten. Sie stammen aus einer alten Kapelle und sind vermutlich spätmittlealterlich bis frühneuzeitlich.

Auf den Resten die ich von den Schädelknochen habe, habe ich dunkle Verfärbungen entdeckt, mit denen ich leider nichts anfangen kann! Die Färbungen sind dunkelbläulich bis violett und ausschließlich an den Schädeln zu finden (daher denke ich nicht, dass sie von der Lagerung kommen).

Und auf der Innenseite eines Schädels am Schädeldach kann man eine kreisrunde poröse Veränderung feststellen!

Kann mir vielleicht hier jemand helfen, der so etwas vielleicht schon gesehen und zuordnen kann? Im Anhang habe ich zwei pdf Datein mit ein paar Bildern davon!

 

Danke schon mal und liebe Grüße!

  • pdf
    Schädel2.pdf
    274K
  • pdf
    Schädel1.pdf
    181K
  • Luci21Luci21 User Amateur

    Hallo!

    Hat es in die Kapelle eventuell rein geregnet ? Auf dem ersten Bild diese kreisrunde Veränderung sieht tatsächlich so aus, als hätte dort regelmäßig Wasser drin gestanden ?

    Ist der Regen leicht sauer, greift er vielleicht auch den Knochen an, so dass er porös erscheint ?

    Bei den dunklen Flecken könnte man mit Agarplatten mal Abklatsche machen, ob es sich möglicherweise um einen Pilz handelt.

    LG Luci

  • kurtikurti User Urgestein

    @Ketzerbraut

    Die Färbungen sind dunkelbläulich bis violett und ausschließlich an den Schädeln zu finden (daher denke ich nicht, dass sie von der Lagerung kommen).

    Auf den Bildern sehe ich zwar bis auf dem letzten nur "schwarze" Flecken, aber ich nehme mal an sie sind bei Lichte betrachtet "blau". :-D 

    In der Regel werden solche Verfärbungen durch einen Kopfschmuck z.Bsp. aus Kupfer verursacht.

    Verfärbung von Schadelskeletten durch Kupfer
    https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/mitt-dgamn/article/view/18287/12086

    Die Farbe muß aber nicht unbedingt türkisgrün sein sondern kann auch bis tiefblau ausfallen.
     

    Kupferpatina 

    https://de.wikipedia.org/wiki/Patina

    ZITAT: Die typische Färbung der Kupfersalze der mattgrünen Patina umfasst Farbton-Nuancen vom türkisfarbenen Kupfer-chloridhydroxid über das grünblau bis tiefblaue -hydroxid (Bremer Grün/Blau) – entsprechend Malachit und Azurit bei den Carbonaten – und das hochblaue -sulfat (Kupfervitriol) bis zum schwarzen Kupfer-sulfid und -oxid. ENDE

    Letztlich wäre das aber nur im Labor zu klären.

    Gruß

    Kurti
     

     

     

  • Hallihallo!

    Vielen Dank für diese Infos! Was mich nur stutzig gemacht hat ist, dass diese Verfärbungen an den Bruchkanten und deutlicher an der Innenseite der Schädel zu sehen sind! Müssten diese nicht (zum Beispiel wenn sie durch Kopfschmuck verursacht sind) außen auch sichtbar sein?

    Viele Liebe Grüße!

  • Luci21Luci21 User Amateur

    Kauf dir mal die neue Zeitschrift "AiD". Da habe ich ein Foto eines Schädels gesehen, das ähnlich deinem ersten Foto aussieht. (In dem Artikel geht es auch um die anthropologische Forschung in der Archäologie) Dort wird als Ursache für die Degeneration am Schädel glaube ich Skorbut angegeben. Ich mache heute Abend mal ein Foto :-)

    LG Luci

  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: 13. März

    @Ketzerbraut

    Was mich nur stutzig gemacht hat ist, dass diese Verfärbungen an den Bruchkanten und deutlicher an der Innenseite der Schädel zu sehen sind! Müssten diese nicht (zum Beispiel wenn sie durch Kopfschmuck verursacht sind) außen auch sichtbar sein?

    Kupfersalze, aber auch andere chemische Lösungen könnten z.Bsp. den Knorpel bzw. die Verknöcherung zwischen den Schädelnähten verfärbt haben. Wir kennen doch alle noch die farbenprächtigen, chemischen Reaktionen aus dem Chemieunterricht. Was haben wir da gestaunt !  :-D

    Luci erwähnte eingangs, dass  vielleicht Wasser in der Kalotte gestanden hat und es wäre also möglich, dass eine chemische Lösung durch die Nähte nach außen gesickert ist. Die Lösung kann dann durchaus vom Metall eines Schmuckstückes stammen welches auf den auseinandergefallenen konkaven Kalottenteilen lag !?

    Du wirst aber m.E. ohne eine biochemische  Untersuchung bzw. entsprechenden Fachmann zu keinem Resultat kommen. K:-)

    Beitrag bearbeitet von kurti
  • Hallo!

    Ich habe mal mit der Grabungsleitung über die Sache gesprochen um der Sache auf die Spur zu kommen :detective:

    Sie meinte, dass die Kapelle immer überdacht und ihres Wissens nach trocken gewesen ist! Leider meinte sie auch dass die Toten ohne Beigaben bestattet wurden!

    Könnte diese Färbung etwas damit zu tun haben, dass die Menschen auf Holzplatten beigesetzt wurden? Oder könnten die dunklen Verfäbungen auch von einem Schädeltrauma sein?

     

    Liebe Grüße!!

  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: 15. März

    @Ketzerbraut

    Sie meinte, dass die Kapelle immer überdacht und ihres Wissens nach trocken gewesen ist! 

    Naja, da hättest Du auch den Kaffeesatz bemühen können. :-P

    Leider meinte sie auch dass die Toten ohne Beigaben bestattet wurden!

    Wie sind denn die Toten überhaupt bestattet ? Ein entsprechendes Metall muß ja nicht unbedingt am Körper anliegen. Es muß nicht mal unmittelbar in der Grabstelle gelegen haben. 

    Könnte diese Färbung etwas damit zu tun haben, dass die Menschen auf Holzplatten beigesetzt wurden? Oder könnten die dunklen Verfäbungen auch von einem Schädeltrauma sein?

    Dazu müßte man die Holzreste z.Bsp. auf Farbe untersuchen. Vielleicht Azurit-Blau! O:-) Holzsäure (Holzessig) die unter entsprechenden Gegebenheiten durch eine chemische Reaktion eine Blaufärbung verursachen könnte entsteht aber nur bei thermo-chemischer Spaltung und das dürfte hier kaum der Fall sein. Wer zündelt denn noch im Grab und spielt mit dem Feuer ? :-D

    Die Blaufärbung bei einem Schädeltrauma entsteht ja durch die Blutung in den Weichteilen und betrifft nicht die Knochensubstanz selbst.  Eine blaue Verfärbungen sähe man dann bestenfalls bei mumifizierten Körpern wie beim lieben Ötzi. Dass sich bei ansonst blanken Knochen in den Nähten blutiges, mumifiziertes Gewebe erhalten hat, kann ich mir kaum vorstellen.

    Hat die Grabungsleitung denn keinen Draht zu einem entsprechenden Labor ?  >:)

    Gruß

    Kurti

     

    StoneMan
    Beitrag bearbeitet von kurti
  • kurtikurti User Urgestein

    Nachtrag:

    Außer dem Kopfschmuck gäbe es ja noch was anderes auf dem Kopf. Richtig, die Haare ! :-DWie wäre es mit Haarfärbemittel ? Liest man sich mittelalterliche Rezepte durch so stößt man immer wieder auf Schwefel, Eiweiß und Pflanzensäfte und in diesem Zusammenhang gibt es Blau- u. Violettffärbungen über Peptitbindungen, Pentosen , Aminosäuren, Kupfersulfat usw. Hier mal eine Auflistung von Nachweisreaktionen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Nachweisreaktionen

    Dem kann man aber wiederum nur im Labor nachgehen ! K:-)

     

     

    StoneMan
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