Fächerkombi/Studium in Bamberg

Hallo,

eigentlich bin ich nur stille Mitleserin,aber nun brennt mir die ein oder andere Frage auf der Seele,wegen der ich mich nun doch regestriert habe.

Nun erstmal kurz zu mir.Ich bin verheiratet,Mutter dreier Kinder und hole z.Z mein Abitur auf dem Abendgymnasium nach.Wenn ich fertig bin,dann werde ich "schon" 30 sein.

In ca.2 Jahren bin ich fertig und ich habe mir fest vorgenommen ein Studium in Archäologie zu beginnen.

Dafür müssten wir von NRW nach Bayern ziehen.Genauer gesagt Bamberg.

Ich weiß,dass es furchtbar egoistisch und waghalsig ist,aber es war schon immer mein Traum.Soweit ich denken kann wollte ich Archäologin werden.

Jetzt habe ich mich schon etwas umgeschaut und am interessantesten war für mich wie gesagt die Uni Bamberg.
Geplant habe ich den BA in "Archäologische Wissenschaften" zu machen.Im Anschluss den MA in "Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit",weil meine Vorliebe ganz klar das Mittelalter ist.

Nun bräuchte ich aber mal Hilfe von jemandem der sich auskennt und mir etwas über die Fächer sagen kann.

Ich würde mich nämlich gerne auch etwas über die Denkmalpflege lernen,um so meine späteren Berufschancen zu verbessern.

Die Uni Bamberg bietet diesen Studiengang aber nur als MA an.

Mal ganz naiv nachgefragt... Lerne ich darüber auch viel in den Studiengängen "Archäologische Wissenschaften" und "Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit" ? Und überhaupt.. Wäre es am besten parallel zum BA noch ein anderes Fach zu wählen.Und wenn ja,was denn?

Tut mir leid wegen den vielen Fragen...;)

Vielen Dank!

Liebe Grüße,
Lavinia

Kommentare

  • Hallo!

    Wende dich doch bitte direkt an die Fachstudienberatungen der entsprechenden Fächer in Bamberg! die können die am kompetentesten und besten die entsprechenden Infos passend zu deinen Wünschen vermitteln! Gruß

    Melchior
  • Hallo Melchior,

    ja natürlich,das könnte ich tun.Nun hatte ich aber gehofft hier in diesem Forum jemanden zu treffen,der sein Studium in dem gleichen Interessenbereich absolviert wie ich es vorhabe.
    Wäre toll,wenn sich hier noch jemand findet der mir über sich erzählt wie er das mit den Fächern gemacht hat und was so darin vorkommt.

    Viele liebe Grüße,
    Lavinia
  • Vorweg: Deine Berufschancen erhöhst du nicht durch einzelne Lehrveranstaltungen.

    1. Das Studium in Bamberg scheint sehr gut auf deine Interessen ausgerichtet und durch eine Ergänzug mit Praktika kannst du viel über Denkmalpflege lernen.

    2. Die hohe Belastung durch deine Familie wird wohl kaum ein zweites Fach ermöglichen. Du solltest Ausgrabungen und Praktika machen, was deine Zeit weiter einschränken wird.


    Jetzt kommt das, was du nicht hören willst. Ich rate generell JEDEM vom Studium der Archäologie ab. Es gibt ganz wenig Jobs. Im Klartext: Der deutsche Staat will/kann sich keine Archäologie in dem Umfang leisten wie es Bewerber gibt und der deutsche Staat ist fast der einzige Arbeitgeber. Ich habe heute wieder von drei Stellen erfahren, die nicht neu besetzt werden. Um ganz ehrlich zu sein hast du in deinem Alter keine Chance mehr. Vieleicht darfst mal als Hilfskraft in einem Projekt mitarbeiten, aber eine Vollzeitstelle wirst du niemals kriegen. Ich habe noch von Niemandem gehört, der mit 30 angefangen hat Archäologie zu studieren und später Arbeit gefunden hat.

    Auch wenn die Archäologie dein Traum ist, solltest du dir überlegen ihn aufzugeben. Du wirst das wahrscheinlich schon öfter gehört haben und dich nicht beirren lassen. Doch ich bin Archäologe und ich kenne die Jobsituation ganz genau. Lies dir mal auf Wikipedia oder auf den HP die CVs der Leute durch.
  • Hallo Lavinia,

    auch ich hatte einmal den Traum Archäologe zu werden, daraus ist aus Gründen die nicht hierher gehören nichts geworden.

    Was die Berufschancen angeht gebe ich p.b. recht. Ich habe mich erst letzte woche mit einer jungen Archäologin unterhalten, die sich von Projekt zu Projekt hangelt und zwischendurch im Supermarkt jobt um sich über wasser zu halten.

    Das heißt nicht das man die Archäologie aufgeben muß.

    Man kann als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger viel für diese Wissenschaft tun. Das sei an zwei Beispielen illustriert:

    1. Das Fürstengrab von Gommern (bei Magdeburg) wurde durch die aufmerksame und regelmäßige Begehung eines "ehrenamtlichen" entdeckt.

    2. Das Schlachtfeld an der Tollense, auch hier war es ein ehrenamtlicher der die Entdeckung machte und der die Holzkeule fand.
  • Hallo p.B,

    vielen Dank für deinen ehrlichen Rat.

    Mir ist die schlechte Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchaus bewusst.
    Trotzdem zieht es mich sehr runter,wenn du mir sagst das man keine Aussichten und Chancen in diesem Berufszweig hat.

    Wie sieht es denn z.B mit der Forschung in England aus?
    Hast man dort als deutscher Archäologe ebenso keine Chance?

    Nein,mir hat noch niemand von meinem Traum abgeraten.
    Man hat mir eher dazu geraten mein Ziel zu verfolgen.
    Ich habe volle Rückendeckung von meinem Mann.
    Mein ältester Sohn ist so begeistert,das er auch mal Archäologe werden möchte ;)

    Würdest du mir erklären wieso ich jenseits der 30 keine Chance hätte?
    Mir ist das nicht ganz klar.
    Meinst du weil mir bis dahin Erfahrung fehlt?

    Meinem Empfinden nach ist es eigentlich so,dass ich sehe das gerade "Erwachsene" Leute in solchen Berufen arbeiten.

    Egal ob bei Grabungen,Museen,Archiven,Denkmalpflege etc.pp..

    Ich habe auch schon von Leuten gelesen die mit 30 erst ein Studium in dem Bereich aufgenommen haben.

    Deswegen irritiert und entmutigt mich deine Aussage sehr.

    Ich hoffe das kommt nicht weinerlich und naiv rüber,aber ich ich glaube du verstehst wie ich das meine.

    Darf ich dich fragen was dich dazu bewegt immer weiter zu machen?

    Viele Grüße,
    Lavinia


  • charly2008charly2008 User
    bearbeitet October 2012 #7
    Hallo Lavinia,

    Jeder der die Möglichkeit hat sollte seinen Traum leben.

    Als erstes würde ich mich über die Lehrinhalte der Studienfächer an kompetenter Stelle informieren. Denn hier entscheidet sich schon, ob das was dort gelehrt wird Deinen Vorstellungen entspricht.

    Die zweite Überlegung wäre, wozu soll dieses Studium dienen. Wenn die Antwort lautet zur Existenzsicherung, dann würde ich auch abraten.

    An dieser Stelle möchte ich z.B. die Situation in Frankfurt a. M. schildern. Das Denkmalamt hat eine Archäologin die auch die Leiterin des Amtes ist. Soweit mir bekannt ist sind dort keine weiteren Archäologen tätig. Die Ausgrabungen im Stadtgebiet sind meistens Notgrabungen in Neubaugebieten. Die Ausgrabungen werden nicht von Archäologen gemacht sondern werden von kompetenten Grabungstechnikern durchgeführt, von denen gibt es drei. Selbst das zusammenkleben von gefundenen Keramiken wird von einer ehrenamtlchen Mitarbeiterin ausgeführt sofern es sich nicht um ein außergewöhnliches Artefakt handelt. Die endgültige Einordnung und Beurteilung der Funde erfolgt dann durch Archäologen z. B. im historischen Museum und/oder dem Landesamt für Denkmalschutz.

    Du solltest Deinen Traum verwirklichen aber Du darfst auch die realen Berufschancen auf diesem Gebiet nicht überschätzen. Das hat sicher nicht nur mit dem Alter zu tun, es gibt in diesem Bereich kaum freie Arbeitstellen. Wenn mal eine Stelle frei wird kommen meistens Leute mit längerer Erfahrung oder mit guter Vernetzung zum Zuge. Selbst für qualifizierte Grabungstechniker gibt es kaum freie Stellen.

    Jedes Studium bereichert das Wissen und damit ebenfalls möglicherweise auch das Leben. Wenn das Deine Motivation sein sollte bist Du auf dem richtigen Weg. Dein erworbenes Fachwissen kannst Du dann eventuell auch ehrenamtlich an irgendeiner Stelle einbringen. Hier bestehen die größten Möglichkeiten tätig zu werden.

    Karlheinz
  • Also, genau...wenn du archäologie studieren willst, weil du daran großes interesse hast und über den rand des üblichen, verwaschenen wissens, welches im tv verbreitet wird, hinaussehen willst, tu es...aber finanziell sollte das nicht unbedingt dein leben sichern müssen...es kann sein, dass es einfach nicht funktioniert, zumindest nicht in dem fach...etwas fachfremndes kriegt man dann mit dem studium oft schon, weil man eigentlich im umgang mit sprache, interpretation und hineindenken in sachverhalte und vorträge halten relativ gut sein wird.
    während des studiums kann man, wenn man es geschickt anstellt, gut an bezahlte jobs kommen, aber wie das im umfeld von bamberg aussieht weiß ich nicht, in NRW klappt das ganz gut, wenn man erstrmal richtige kontakte hat...ausgraben ist aber zum teil auch echt sehr harte körperliche arbeit, die mit spitzhacke und schaufel funktioniert, vor allem wenn man sich durch bauschuttschichten ackern muss und das ganze dann auf einem 4x4m großen und bis zu 6m tiefen loch :D

    mit einem master kriegst du nirgendwo eine feste stelle....feste stellen kriegen nur leute, die mindestens promoviert haben und das dauert in der regel auch eine ganze weile. dann hangelst du dich von job zu job...das kann dann auch erstmal ein projekt in bamberg sein für 6 monate, dann eins in kiel für 3 monate, dann mit glück eins in münster für 2 jahre....das ist mit familie meiner meinung nach schwer zu bewältigen.
    die briten haben selbst genug britische archäologen...also darauf würde ich nicht bauen ;)

    alles in allem: wenn die zeit deines studiums finanziell gesichert ist, tu es...habe mich auch nich davon abhalten lassen, dass es kaum jobs geben wird...man muss eben gut sein, oder glück haben, oder oft auch beides...(früh kontakte knüpfen hilft da dann auch :) ) aber rechne damit, dass der weg schwerer wird, als du denkst und ohne promotion sowieso kein fester job drin ist, also sicher nicht bevor du 40 bist :) (ich kenne fast keinen archäologen oder derzeitigen studenten der in regelstudienzeit fertig geworden ist^^)
  • Entschludigung, dass ich erst jetzt schreibe, ich war im Urlaub.

    1.) Warum deine Aussichten schlecht sind, wenn du erst mit 30 anfängst zu studieren: - Deine Konkurrenz ist jünger. Das ist ein ganz einfaches Prinzip. Mit 30 stehen die meisten schon vor dem Abschluss ihrer Promotion und haben zwischen 8-10 Jahren Grabungserfahrung in den Semesterferien gesammelt und haben ein Semester im Ausland studiert. Die harte Wahrheit ist, dass dies aufgrund des hohen Angebots an Archäologen ein entscheidender Faktor ist.

    2.) England, Frankreich, USA? - Dasselbe Prinzip. Tut mir leid.

    3.) Man hat dir geraten deinen Traum zu verfolgen. - Wenn du nicht finanziell abhängig von dem Beruf bist, ist das eine super Wahl. Du wirst einfach nie einen gut bezahlten Job finden. Sollte dir das egal sein, dann mach es.

    4.) Leute, die erst mit über 30 studiert haben und in Lohn und Brot sind. - Hmm...kenne ich keinen...nenn mir einen (z.B. einen Link auf einen CV auf einer HP)

    5.) Warum ich "weiter" mache? - Ich habe mit 20 angefangen Archäologie zu studieren und habe einen Job. Ich habe mit über 30 Lenzen 10 Jahre Grabungserfahrung, eine fertige Promotion, ein Jahr im Ausland gelebt und im Museum gearbeitet. Ich bin in Lohn und Brot, wobei ich großes Glück hatte und wohl recht gut in meinem Bereich bin.

    Generell muss ich sagen: Wenn du nicht auf das Geld angewiesen bist, dann studier Archäologie. Nur hat der Beruf sehr wenig mit dem zu tun, was die Leute sich darunter vorstellen.
  • Hallo!

    Ich bin zwar noch recht jung, aber da ich in Bamberg Ur- und Frühgeschichte im Master studiere, wollte ich auch einmal was zu der Frage sagen.
    Den Master in der Denkmalpflege zu machen, hilft bestimmt einen Job in der Denkmalpflege zu bekommen, allerdings hast du es dort nicht nur mit der Bodendenkmalpflege zu tun, sondern auch Baugeschichte und viel Kunstgeschichte. Und nur wegen dieser Möglichkeit seine Familie aus den Wurzeln zu reißen, ist meiner Meinung nach, etwas voreilig, denn diesen Studiengang studieren sehr viele und es gibt eben leider trotzdem wenig Jobs. Was aber auch gesagt werden sollte ist, dass du in jeder anderen archäologischen Disziplin die Möglichkeit hast, dort die sog. Exportmodule in der Denkmalpflege zu machen. D.h., dass du (wenn auch nicht in dem größten Umfang) die Chance hast ein paar Zusatzqualifikationen zu erlangen. Grundsätzlich ist es also auf jeden Fall ein toller Studiengang, aber wenn man eben schon so gebunden ist, sollte man sich gut überlegen, ob er es wert ist, so weit wegzuziehen.
    Die Fachstudienberatung dazu wird sich als etwas kompliziert herausstellen, da jede archäologische Disziplin seinen eigenen hat und die voneinander auch nur das wenigste wissen. Ich muss z.B. wegen jedem Exportmodul zu jemand anderem, wenn ich wissen möchte, was mir angerechnet werden kann, etc.
    Schau dir einfach ganz genau die Prüfungs- und Studienordnungen der verschiedenen Studiengänge an und prüfe dann, ob eine nähere Stadt nicht doch dasselbe in Grün anbietet.
    Ich möchte mich aber auch den Vorgängern anschließen und jedem eigentlich abraten Archäologie zu studieren, vor allem, wenn man schon Familie hat. Das klingt zwar entmutigend, aber ich bei mir zeigen sich jetzt auch schon die ersten Zukunfstängste, da ein Studium viel Geld kostet und ich mir noch nicht sicher bin, wie ich überhaupt die Promotion finanzieren soll. Und ohne Promotion geht einfach gar nichts. Archäologie kostet viel Geld und noch mehr Zeit und das Ergebnis ist (bis auf das Wissen) leider nicht das beste. Aber natürlich ist es ein schönes Gefühl seiner Leidenschaft nachzugehen, aber später darin zu arbeiten wird wohl trotzdem ein Traum bleiben.

    Ich hoffe, ich konnte ein bisschen weiterhelfen!

    Liebe Grüße
    Isabel
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