Römerstrasse: Tabula Peutingeriana: Von Avgvsta Rvracvm nach Ovilia

Wie sollte die Tabula ursprünglich ("vernünftig") aussehen?
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/TabulaPeutingeriana.jpg

Auszug aus dem Bereich für Kempten-Augsburg-Salzburg:
http://www.hans-bauer-erding.de/html/-_routenskizzen.html

OmnesViae: Römischer Routenplaner nach “klassischen” Interpretation (siehe hierzu: http://www.hans-bauer-erding.de/html/-_materialien.html Bild 2):
http://omnesviae.org/de/#!iter_Avgvsta Rvracvm_Ovilia

Start- und Endpunkte von Zeile 1 und 2 in der Tabula zunächst ohne Berücksichtigung von Zeile 3 und 4:

Wenn der Zeichner der Tabula den Weg
Augst - Rottenburg - AdLunam (Lonsee) - http://goo.gl/maps/nEjK
nach Augsburg beschreiben würde -
so wären in diesem Segment ca. 390 km in Zeile 1 darzustellen.

Wenn der Zeichner der Tabula den Weg
Augst - Bregenz - Kempten - http://goo.gl/maps/WXHE
nach Augsburg beschreiben würde
so wären in diesem Segment ca. 340 km in Zeile 2 darzustellen.

D.h.: 1km oder 1 Meile in Zeile 2 muss um ca. 15% länger dargestellt werden, um bei unterschiedlicher Streckenlänge wieder den gemeinsamen Endpunkt (Augsburg) zu erreichen.

Wenn der Zeichner der Tabula den Weg
AdLunam (Lonsee) - Regensburg - http://goo.gl/maps/8kYi
nach Wels beschreiben würde - http://goo.gl/maps/91D7
so wären in diesem Segment ca. 450 km in Zeile 1 darzustellen.

Wenn der Zeichner der Tabula den Weg
AdLunam (Lonsee) - Augsburg über Salzburg
nach Wels beschreiben würde - http://goo.gl/maps/6hsV
so wären in diesem Segment ca. 390 km in Zeile 2 darzustellen.

D.h.: 1km oder 1 Meile in Zeile 2 muss auch hier um ca. 15% länger dargestellt werden, um bei unterschiedlicher Streckenlänge wieder den gemeinsamen Endpunkt (Wels) zu erreichen.

Da AdLunam (Lonsee) und Kempten jeweils 90km von Augsburg entfernt sind,
sollte erwartet werden, dass beide Orte in gleichem Abstand untereinander "links" von Augsburg eingezeichnet wären. Da die Entfernung in Zeile 2 etwas länger darzustellen ist, müsste dann Kempten etwas weiter links von Augsburg gezeichnet werden als AdLunam (trotz gleicher Entfernungsangabe).
=> Dort wo Rapis steht, müsste eigentlich Cambodunum stehen.

Samvlocenis steht wohl für Rottenburg am Neckar und ist 110km von AdLunam (Lonsee)
entfernt. (Zeile 1). Augsburg ist 90km von AdLunam (Lonsee) entfernt und sollte auf der Tabula auf der gegenüberliegenden Seite von AdLunam eingezeichnet sein (in Zeile 2). Da in Zeile 2 eine Entfernung um 15% länger als in Zeile 1 dargestellt werden muss, ist der Abstand von Augsburg nach AdLunam (Lonsee) fast gleich lang, wie der optische Abstand von Rottenburg nach AdLunam (Lonsee).
=> Dort wo Escone steht, müsste eigentlich Augusta vindelici stehen.

Da Pretzen ebenfalls 90km von Augsburg entfernt ist, sollte es im gleichen Abstand von Augsburg eingezeichnet sein, wie AdLunam (Lonsee), nur eben auf der anderen Seite von Augsburg (ebenfalls Zeile 2).
=> Dort wo Bratananio steht müsste Pretzen eingezeichnet sein => Korrekt eingezeichnet!
Östlich von Pretzen scheint alles korrekt eingezeichnet zu sein.

Da Samvlocenis (Rottenburg am Neckar) 190 km von Augst entfernt ist und Bregenz 180km von Augst, sollten beide Orte "untereinander" dargestellt werden. Da in Zeile 2 eine Entfernung um 15% länger als in Zeile 1 dargestellt werden muss, ist der Abstand von
Augst nach Bregenz optisch etwas länger, als von Augst nach Samvlocenis.
=> Dort wo "XX" steht, müsste eigentlich Brigantio stehen.

Vemania wäre dementsprechend zwischen "XX" (Brigantio) und Rapis (Kempten) an der stelle von Augusta vindelici unterhalb von Clarenna.

Da Clarenna ca. 30 km von AdLunam (Lonsee) entfernt ist und Arbon ca. 30km von Bregenz, müsste eigentlich dort wo Viaca steht Arbor felix stehen.

Da Hüfingen (Brigobanne Zeile 1) und Pfyn (Zeile 2) mit ca. 110km gleich weit von Augst entfernt sind sollten diese in etwa "untereinander" eingezeichnet sein.
=> Dort wo Brigantio steht, müsste eigentlich AdFines stehen.

Vermutung:

Um Platz für die Darstellung der Strecken Bregenz - Verona (ca. 450km) und Augsburg - Verona (ca. 480km) in Zeile 3 und 4 der Tabula zu schaffen, wurden die Orte Bregenz um 3 Stationen und Augsburg 4 Stationen in der Tabula nach "links" versetzt. Um dies zu ermöglichen, wurden 3 "unbedeutende" Zwischenstationen auf der Strecke Augst - Arbon und eine Station auf der Strecke Bregenz - Augsburg weggelassen.

Die entstehende Lücke musste "rechts" von Augsburg wieder gefüllt werden. Dazu wurde das Segment Augsburg - Camboduno - Urusa eingefügt (+ 6 Stationen). Die Stationen Odelzhausen und Dachau (Ambra) wurden durch diese Einfügung überlagert ( - 2 Stationen). Durch diese Überlagerung bzw. Weglassung wurde vermieden, dass zwei Orte, welche eigentlich nahe bei Augsburg sind nun auffällig weit weg von Augsburg in der Tabula eingezeichnet wären.

Der Schnitt Urusa / Bratananio erscheint uns heute (nach neuem Forschungsstand: siehe http://www.hans-bauer-erding.de/html/-_routenskizzen.html ) als "Lücke", jedoch hat es dem Zeichner der Tabula damals nicht sonderlich gestört.

Welchen praktischen bzw. vernünftigen Grund könnte es beim Zeichner der Tabula sonst gegeben haben eine Route Augsburg-Salzburg mit einem "Umweg" über Cambodunum "zu verlängern", dann jedoch "mittendrin" 2 Stationen (Schöngeising und Dachau/Ambrae) auszulassen?

Kommentare

  • GrusbacherGrusbacher User
    bearbeitet July 2012 #2
    Eigentlich wäre Augsburg auf halber Strecke ZWISCHEN Zeile 1 (AdLunam) und Zeile 2 (Abodiaco) einzuzeichnen. http://omnesviae.org/de/#!iter_TPPlace977_TPPlace1027
    Ab Abodiaco (Zeile 2) müssten dann die 400 km nach Verona dargestellt werden (Anm. Das wäre sehr knapp und eng in der Darstellung der Tabula)
    http://omnesviae.org/de/#!iter_TPPlace1039_TPPlace1027

    In Zeile 2 ist ursprünglich die Strecke Augst über Kempten nach Salzburg vorgesehen 320mp (echt: 498km = 336 mp = nur 5% Abweichung von den Distanzvorgaben gemäß Tabula!)
    http://goo.gl/maps/Ot5D

    Um Platz für die Darstellung nach Verona zu schaffen, wurde Augsburg auf die Position "Vemania" in Zeile 2 versetzt.
    Die Bezeichnungen der anderen Orte auf der Route Augst-Salzburg wurden verschoben oder ausgelassen (siehe Dateianhang).
    Post edited by Grusbacher on
  • Beeindruckende Denkarbeit:b:

    Hast du auch Info´s über eine römische Straße nördlich des Bodenseeufers in ost-west Richtung ?

    Da wäre sogar für die Landesarchäologie ein weißer Fleck etwas dunkler.
    Was aber eher an der Entfernung des Landesdezernats zur Lokation liegt ;)
  • GrusbacherGrusbacher User
    bearbeitet July 2012 #4
    Es gab selbstverständlich auch nördlich des Bodensees Römerstrassen:

    Eine römische Straße am nördlichen Bodenseeufer, die von Bregenz über Lindau-Aeschach (Fundamente einer Villa im heutigen „Römerpark“) vermutlich nach Kressbronn ging und sich ziemlich mit der heutigen Straße deckt. Von hier aus lief sie wahrscheinlich zwischen Langenargen und Oberdorf Richtung Eriskirch und dann vermutlich wiederum mit der heutigen Straße ziemlich gleich nach Friedrichshafen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Römisches_Bad_bei_Kressbronn-Betznau

    Die römischen Truppen und zivilen Siedler mussten sich angesichts der aus dem Norden anrückenden germanischen Stämme wieder an den Rhein und an den Bodensee zurückziehen. Die Alemannen, ein Konglomerat verschiedener Germanenstämme, waren schon seit Jahrzehnten eine ständige Bedrohung gewesen. Möglicherweise sind in diesen Unruhezeiten viele römische Siedlungen nördlich des Bodensees bereits vor dem eigentlichen Limesfall freiwillig aufgegeben worden. Andere Siedlungen dürften infolge jener germanischen Übergriffe zerstört worden sein. Wenige Funde im nördlichen Hinterland des Bodensees zeigen allerdings, dass vermutlich auch nach Zurückverlegung der Grenze einzelne römische Gutshöfe und Siedlungen noch einige Jahre weiter existierten.
    http://www.eigeltingia.de/html/body_romer-im-hegau.html

    Jedoch der Zeichner der TabulaPeutingeriana hat nur Orte genannt, welche südlich entlang des Bodensees verlaufen.
    Optisch sieht es auf der TP-Karte so aus, als ob eine Route auch nördlich am Bodensee verlaufen würde. Eine Betrachtung der Ortsnamen zeigt jedoch, dass die "nördliche Route" weit am Bodensee vorbeigeht:
    http://omnesviae.org/de/#!iter_TPPlace996_ Samvlocenis

    Aber beachte mal einer die TP-Karte:
    upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/TabulaPeutingeriana.jpg

    Augsburg müßte doch eigentlich zwischen AdLunam und Abodiaco eingezeichnet sein - oder? Wurde wohl vergessen und dann in Zeile zwei wieder eingefügt (siehe Anhang).
    Post edited by Grusbacher on
  • >>Augsburg müßte doch eigentlich zwischen AdLunam und Abodiaco eingezeichnet sein - oder? Wurde wohl vergessen und dann in Zeile zwei wieder eingefügt (siehe Anhang). <<

    Da hast du recht. Vielleicht war es aber auch Absicht.

    Ich kann nur spekulieren, jedoch könnte die Route XII Aug.Vind. - "pomone" dem kaiserlichen Geschenk (Straßenausbau zum Heiligtum Phoebiana) im Jahr 212 geschuldet sein. Um sie für den Leser besser sichtbar zu machen wurde Ausgburg quasi "versetzt".

    Die Weiterführung nach Ad Lunam (Route XI) war somit zwangsläufig darzustellen.

    Die Dreieckverbindung Abodiacum, Cambodunum, Rapis ist ja auch nicht eindeutig dargestellt. Eine Direktverbindung Viaca - Aug.Vind. ist auch so ein Fall. Ist diese Trasse den nachweisbar?

  • Ich muss ehrlich gestehen, mir bislang nicht deine gesamten Ausführungen durchgelesen zu haben, wollte aber einwerfen, dass die TP recht kritisch gelesen werden muss. Immerhin handelt es sich hierbei letztlich um eine sekundär Quelle, da es sich lediglich um eine Kopie und nicht um die original Karte handelt. So ist zB der Vicus Ricciacum auf der falschen Seite der Mosel eingezeichnet. Die Identifikation von Ricciacum beim heutigen Ort Dalheim (Luxemburg) gilt als gesichert (inschriftlich belegt).
  • Hallo m_caelius,

    auch ich denke, dass es sich bei dieser Routenführung: http://omnesviae.org/de/#!iter_TPPlace890_TPPlace1013
    um einen um einen Fehler handelt...

    ...und Augsburg auf der Ost-West-Strecke von Augst über Bregenz nach Salzburg und weiter nach Wels eigentlich gar nicht eingezeichnet sein sollte, sondern wenn dann auf der Nord-Süd-Strecke von Verona über Epfach bis Lonsee.

    Ob der Fehler schon im Original eingezeichnet war, kann wohl nicht niemand mehr nachvollziehen, jedoch wenn man von einem Fehler ausgeht, könnte man rekonstruieren, wie die TabulaPeutingeriana in bereinigter Form aussehen würde.

    Im Anhang kurz die Übersicht zu meiner Überlegung.
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