Konservierung und nachhaltige Sicherung frei bewitterter Befunde

Hallo,
ich bin neu im Forum und wende mich an Euch mit der neugierigen Frage danach, welche Erfahrungen Ihr mit der Erhaltung von frei bewitterten Befunden gemacht habt. Z.B. Moos- und Schimmelpilzbefall nach Abdeckungen mit Glas oder Plexiglas, Pflanzenbewuchs und Wurzeldurchbruch trotz intensiver Tränkung mit Festigungsmitteln, ob eine Überdachung wirklich vor Erosion geschützt hat oder nicht und ob es nicht schade ist, daß Verfärbungen im Boden (Planum und Profil) wenige Tage nach dem putzen nicht mehr erkennbar sind; Reste von Putz und Farbschichten den nächsten Winter nicht mehr überstehen?

Der Hintergrund ist: Eigentlich bin ich Restauratorin für Archäologisches Kunst- und Kulturgut, und nachdem eine Grabungsstätte, die ehemals öffentlich zugänglich gestaltet werden sollte, wieder zugeschüttet wurde, kam mir eine Idee zu einem Verfahren, mit dem ich mich spezialisieren möchte. Diese Idee beinhaltet viele verschiedene Komponenten und ich möchte sicher gehen, daß mein Verfahren in der Anwendung wirklich neu ist.

Ich bin gespannt auf negative und positive Praxisbeispiele. Keiner der Beiträge wird veröffentlicht, es sei denn, die Praxisbeispiele mit Autor und Quellenangaben sind bei einer öffentlichen Präsentation oder Pressemitteilung erwünscht, respektive der Autor hat nichts dagegen. Für diesen Fall wird ein verfasster Text nur nach Befürwortung des Autors verwandt; z.B. zur Verdeutlichung, daß der Bedarf, archäologische Befunde langfristig zu sichern, mit den bislang bekannten Methoden nicht gedeckt werden kann.

Beste Grüße von
Combara

Kommentare

  • Hi Combara und willkommen,

    ich kenne bisher kein wirklich gelungenes Beispiel gut erhaltener Grabungsdokumentation.
    Wenn das Grabungsfenster offengehalten wird, gleich ob unter Glas oder im Freiland, setzen die normalen Prozesse wie Errosion und Bewuchs ein.
    Selbst in Bilzingsleben wachsen auf der Ausstellungsfläche Moose und Flechten.
    Praktisch läuft es ja momentan auf eine dauerhafte manuelle Pflege hinaus, die sich kaum eine Gemainde oder Stadt mehr leisten können oder wollen...

    Es wäre phantastisch, wenn Du ein Verfahren zum Erhalt der "Fenster" entwickeln könntest.

    Viel Erfolg dabei!!!

    Gruß
    Irminfried
  • Herzlichen Dank, Irminfried, für den positiven Zuspruch. Details der Methoden sind nicht neu, jedoch für diesen Sektor irgendwie noch nicht beachtet worden. Es wird wohl auch noch einige Zeit dauern, bis sich daraus auch eine preisgünstige Lösung ergibt, aber alles, was sich bislang daraus entwickelt hat, geht in die richtige Richtung. Ein Grundproblem ist - so stelle ich fest - daß sich der Konservierung frei bewitterter Befunde noch niemand so wirklich angenommen hat; das Ding steht am Ende einer langen Kette, wird überrascht wahrgenommen und muß dann möglichst schnell über die bereits bekannten Lösungswege versorgt werden; auch wenn bekannt ist, daß es Pflanzenwurzeln nicht interessiert, wie viel Liter Epoxidharz oder Syton B in das Erdreich gegossen werden.

    Mhhh ...., Bilzingsleben - die Bedeutung dieser Grabungsgeschichte ist mir wohl bekannt, frühestens, seit ich an der FSU Jena Vor- und Frühgeschichte studiert hatte (allerdings nur 2 Jahre). Die Ziege in Deinem Avatar läßt mich auch etwas schmunzeln ..., ich meine ..., naja, ich belasse es bei diesem kleinen Geheimnis.

    Die Methode besteht aus drei Komponenten. Zum einen werden für den Stopp von Pflanzenbewuchs Ferroliquide angewandt (Magnetismus); die zweite Methode betrifft ein neues Festigungsmittel, welches sowohl anorganisch als auch organisch ist und Depotwirkung hat; d.h., es können darin z.B. pilzhemmende Wirkstoffe verkapselt werden, und dieses "Mikrogel" vernetzt sich sogar viel besser als die in der Steinkonservierung üblichen Kieselsäureesther (wie etwa Syton B): und die dritte Komponente ist eine 1:1 Rekonstruktion des Originals, in Form von sehr dünnen Reliefs aus silanisiertem Giesbeton, mit denen das Original in rekonstruierter Form verkleidet wird, so daß der Besucher garnicht merkt, daß das Original verblendet wurde, auch wenn es eine gesamte Profilwand betrifft.

    Wie das alles miteinander funktioniert, die Hintergründe mit chemischen Details, oder auch: wie es möglich ist, Erde abzuformen ... usw., beinhaltet momentan ca. 80 Seiten, die ich hier nicht aufführen kann.
    Aber ich hoffe doch, einen kleinen Vorgeschmack geben zu können.
    Beste Grüße,
    Combara
  • Moin Moin Combara,

    klingt interessant, der Ansatz... schön wäre es wirklich, wenn etwas handfestes daraus enteht und vor allem auch eingesetzt wird!
    Das Geheimnis der Ziege ist sicherlich, daß es ein Schaf ist :D ... ein bretonisches Zwergschaf... aber mit Ziegen liegst Du trotzdem nicht ganz falsch... :b:
    Na denn bin ich mal gespannt wie´s bei Dir weitergeht...

    Gruß aus Thüringen!
  • Ich würde mit Kalk experimentieren.
    Taugt nur nicht in schwefliger Umgebung.

    Ist aber eine altbewärte Schutzschicht auf die Pflanzen und Mikroorganismen keine Lust haben(pH-Wert).
    Man kann ihn licht/kalkecht einfärben, etc.
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