Techniker für Archäologiewissenschaften

Guten Tag miteinander,

auf der Suche nach einem geeigneten Studium oder einer Ausbildung bin ich aufgrund meines anhaltenden Interesses für Archäologie erst auf den oben genannten Ausbildungsberuf gestoßen und schließlich hier im Forum gelandet. Da ich mein Abi bereits letztes Jahr bestanden habe, sollte ich so langsam in die Pötte kommen was meine Zukunftsausrichtung angeht.

Die Ausbildung findet in Tübingen statt und wird mit 670 bezw. 700 Euro im ersten/zweiten Jahr entlohnt. Recht üppig wie ich finde, Archäologen haben ja eher einen verarmten Ruf.

Hat den schon jemand Erfahrungen in diesem Berufsfeld gemacht oder hat Bekannte die auf diesem Gebiet arbeiten?

Was für Berufsaussichten habe ich nach der Ausbildung?

Ich bin weniger der konservative Typ, ein einfacher Bürojob als Kaufmann oder andere 08/15 Berufe möchte ich lieber vermeiden da ich zurzeit bei einer mittelständischen Firma als Aushilfe (auch häufig im Büro) die Erfahrung mache, das man an dieser Langweile mit der Zeit eingeht. Wissenschaftliche Arbeiten dagegen, liebend gerne auch im Ausland, sind für mich schon näher an einem abenteuerlichen Alltag. Da ich Englisch 14 Punkte habe und auch tatsächlich Englisch fließend beherrsche achte ich bei meiner Berufswahl auch darauf das ich das anwenden kann, wäre mMn eine Verschwendung eines meiner wenigen Talente.
Eigentlich bin ich mit diesem Post darauf bedacht ob ich mir diese Idee lieber wieder aus dem Kopf schlagen sollte oder nicht...Dinge wie die Bewerbungsfristen würde hier vermutlich keiner wissen, da wende ich mich am besten gleich telefonisch an die Uni.

Na dann, bombadiert mich!
  • NileuleNileule User Alter Hase
    Hi!

    Nun weiß ich nicht, ob meine Antwort originell oder neu ist:

    Nimm doch mal Kontakt zum Gantenbrink auf, immerhin ist ER der Schöpfer des (neuen) Berufs "Archäotechniker". Er wird wohl, ohne das ich das jetzt wüsste, weitere Projekte in Arbeit haben und möglicherweise Tips oder Adressen haben - oder gar einen Job?
    Ansonsten sind Archäologen an sich ja Wühlmäuse mit gigantischem Theoriewissen in der Geschichte - aber eben leider auch gleichzeitig häufig Fachidioten mit (individuell ausgeprägten) Scheuklappen.
  • IrminfriedIrminfried User Alter Hase
    Moin Kiwi,

    schau auch mal hier...
    Geo- und Feldarchäologie (Master )

    Konservierungs- und Grabungstechnik ( Bach.)

    an der HTW Berlin...

    aber leider ohne Bezahlung >:)

    Gruß
    Irminfried
  • astrofratzastrofratz RheineUser Veteran
    bearbeitet: April 2012
    Nimm doch mal Kontakt zum Gantenbrink auf, immerhin ist ER der Schöpfer des (neuen) Berufs "Archäotechniker". Er wird wohl, ohne das ich das jetzt wüsste, weitere Projekte in Arbeit haben

    Ich glaube kaum, dass Gantenbrink ein guter Einstieg in die Archäologie ist. Was er sich seiner Zeit geleistet hat ist doch mehr als Fragwürdig und daher will das Deutsche Archäologische Institut auch nichts mehr mit ihm zu tun haben. Schließlich hat er damals was geschafft was selbst im 2WK nicht passiert ist. Er hatte die Ägypter dermaßen erzürnt, dass Ägypten drohte sämtliche deutschen Ausgrabungen abzubrechen und allen deutschen Ägyptologen das Land zu verwehren.
    Beitrag bearbeitet von astrofratz
  • AgentKiwiAgentKiwi User Novize
    Schonmal danke für die Links und die Antworten.

    Ich habe mich bereits per E-Mail über die Ausbildung informiert und bin gestiert begeistert, auch nach ein paar Gesprächen mit Eltern und Freunden. Bekomme Unterstützung und wäre wirklich cool, wenn das klappen würde. :)
  • LureLure Gelöschter Account
    @Nileule

    "Wer oder was ist Gantenbrinck???" dachte ich mir zuerst. Hat das was mit Donald Duck und dem Rest der Entenfamilie von Walt Disney zu tun?

    Nun habe ich gegoogelt und glaube zu wissen, wen du meinst. Na schön, ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, aber dieser Gantenbrinck hat ganz sicher nicht den Beruf des Archäotechnikers erfunden. In Tübingen gibts diese Ausbildung schon seit Jahrzehnten, ich glaube der seit 1994 emeritierte Prof. Müller-Beck hat den Anfang der siebziger Jahre eingeführt.



    @AgentKiwi

    Klar, mach das.

    Vorteil: Du wirst recht gut bezahlt und du kommst todsicher ins Ausland. Womit du (beim derzeitigen Stand der Dinge) rechnen kannst: Südafrika, Iran, Syrien. Dazu natürlich die Höhlen im Lonetal und im Achtal. Die "Venus vom Hohle Fels" wurde beispielsweise von einer Archäotechnik-Azubine gefunden.

    Möglicher Nachteil: Du wirst voraussichtlich ausschließlich im Paläolithikum tätig sein. Interessiert dich eher Siedlungsarchäologie und/oder Metallzeiten und/oder Römer/Mittelalter, dann solltest du besser eine Ausbildung zum Grabungstechniker bei irgendeinem Landesdenkmalamt machen. Weiterer Nachteil: Die Ausbildung in Tübingen ist nicht staatlich anerkannt (was in der Praxis allerdings unerheblich ist).

    Die Ausbildung sieht so aus: Das Wintersemester studierst du zusammen mit den Bachelorstudenten. In den vorlesungsfreien Zeiten und im Sommersemester bist du auf Grabungen oder mit der Fundbearbeitung beschäftigt. Du kannst, soweit ich weiß, selbst entscheiden, welche Veranstaltungen du belegst. Einige kommen für dich nicht in Frage, weil die immer im Sommersemester angeboten werden. Was dir auf jeden Fall nahegelegt werden wird, und was du auch belegen solltest: Artefaktfaktmorphologie, Steinartefakte zeichnen, Einführung in Paläolithikum und Mesolithikum, GIS, Archäometrie, Geoarchäologie, Osteologie I und Archäozoologie. Die eine oder andere Veranstaltung heißt mglicherweise mittlerweile ein bißchen anders, aber darauf wird der theoretische Teil der Ausbildung ungefähr hinauslaufen.
  • LAHLAH User Veteran
    und du kommst todsicher ins Ausland. Womit du (beim derzeitigen Stand der Dinge) rechnen kannst: Südafrika, Iran, Syrien.
    Todsicher wird man bald Iran und Syrien vergessen können.:-D
  • AgentKiwiAgentKiwi User Novize
    bearbeitet: April 2012
    Hallo Lure,

    ein top Beitrag, vielen Dank.
    Da ich mehr Interesse in Zoologie haben als in, sagen wir für die Geschichte in der jüngeren Zeit spielt mir das sogar in die Karten. Gerade Archäozoologie hört sich absolut spitze an, komplett in die Vollen. :b:
    Und ob staatlich oder nicht, ich denke das spielt für mich weniger eine Rolle. Das könnte eventuell von (geringem) Vorteil sein, so ist man nicht an gesetzliche Vorgaben gebunden und kann sich wenn möglich ein bisschen individueller anpassen, wie es die Uni eben erlaubt.

    Nochmals Danke für den Überblick über die Studienfächer, da freut man sich gleich doppelt die Bewerbung zu schreiben. :)
    LAH schrieb:
    und du kommst todsicher ins Ausland. Womit du (beim derzeitigen Stand der Dinge) rechnen kannst: Südafrika, Iran, Syrien.
    Todsicher wird man bald Iran und Syrien vergessen können.:-D

    Yup, das dachte ich mir auch eben. Zumindest Syrien wird in nächster Zukunft problematisch, ich habe aber auch keine Ahnung in wiefern die politische Lage dort Projekte beeinflußt.
    Beitrag bearbeitet von AgentKiwi
  • LAHLAH User Veteran
    ich habe aber auch keine Ahnung in wiefern die politische Lage dort Projekte beeinflußt.
    Du wirst schon merken, wenn ne A-Bombe vor der Nase explodiert. Der Iran-Krieg steht schon fest. Manche Fachleute sehen ihn schon dieses Jahr kommen. Zuerst muss aber Syrien noch fallen. Und ob du noch nach dem Krieg dort einen Job bekommst, kann dir keiner versprechen.
  • YlvieYlvie User Novize

    Hallo AgentKiwi,

    mich würde interessieren, ob es bei Dir mit der Ausbildung in Tübingen geklappt hat? Was für Erfahrung hast Du gemacht? Denkst Du, dass sich die Ausbildung lohnt? Also zum einen Inhaltlich und von der Unterstützung des Lehrpersonals her, aber auch ob später im Beruf / bei Stellenausschreibungen eher die Leute mit einer Ausbildung an einem der Landesämter oder mit Bachelor-Abschluss bevorzugt werden. 

    Wie früh im Jahr endet die Bewerbungsfrist und wann beginnt die Ausbildung? Im Oktober zusammen mit dem neuen Semester, oder schon im September?

    Vielen Dank schonmal :-)

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