Syrien 1961 - Assad-Stausee

Ohne Archäologe zu sein, bitte ich eine Frage stellen zu dürfen, die mir schon lange durch den Kopf geht. Am 22.02. bin ich vor 50 Jahren aus Syrien abgereist. Also eine lange Zeit, um endlich eine Antwort zu finden.
Im Tal des heutigen Assad-Stausees befindet sich auf der östlichen Tigrisseite ein Kegelberg mit einer Ruine. Der Berg ragt heute als Insel aus dem See und ist nur über einen Damm erreichbar (wie auf dem Bild zu sehen).

1. 1961, als das Tal noch trocken und voller Baumwollfelder war, konnte man den Tafelberg hoch am Rander der östlichen Hochebene sehen.
Die obere Fläche bestand nur aus Ruinen.
Auf heutigen Bildern sieht man keine Ruinen mehr und eine große Festung ist entstanden.

Wurde die Festung restauriert?

2. Zu meiner Zeit war im Tal bei den Bewohnern die Rede davon, ein türkischer General hätte sich in der Türkei mit den Mächten überworfen und sei nach Syrien geflohen und hat diese Burg gebaut, um sich zu schützen.

Sind das im Volk übermittelte Märchen, oder wissen Sie es?
Was ist denn jetzt die Wahrheit?


Interessenten können mehr Bilder aus der Zeit 1961 sehen unter: https://picasaweb.google.com/116949570185171831880/Syrien1961

Kommentare

  • Hm... Wissen Sie ungefähr wann das mit dem General passiert ist, also auch wenn es eine Volkslegende ist... In Syrien wurden meines Wissens über Jahrhunderte einige Festungen errichtet - von den ersten muslimischen Eroberern über die Kreuzfahrer bis zu den Ottomanen.
  • Danke für die schnelle Antwort. Leider weiß ich das nicht, aber es muss es schon in der Vorzeit gewesen sein.
    Was ich weiß, dass er ein türkischer General gewesen sei.
    Schade, ich habe mir den Tafelberg vom Tal her einmal angesehen, die obere Schicht bestand nur aus Ruinen.
    Das muss wohl in den Jahren instand gesetzt worden sein, alle Achtung, das war bestimmt eine große Investition, so wie das ausgesehen hat.
    Sah schlimmer aus als die Zitadelle in Aleppo. Die war innerhalb auch Schutt und Asche. Rätselhaft, dass das Militär in Aleppo die Zitadelle noch benutzt hat?
    Das einzige, was noch gut aussah, war der Aufgang und die abschüssige Mauer.
  • bearbeitet February 2012 #4
    Wow! Also wenn das nicht absichtlich auf alt getrimmt ist schätze ich dass die Mauern mindestens ihre 500 wenn nicht 800 Jährchen auf dem Buckel haben (mal davon ausgehend dass die Festung im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurde)... Auffallend sind vor allem die Verteidigungsbauten, wie die Falllöcher oder Pechnasen am Vor- und Haupttor. In den letzten 300 Jahren wäre eine solche Vorrichtung sinnlos gewesen, sofern man die Festung damals erst gebaut hätte. Ich tippe also auf eine Zeit in der man mehr auf Infanterie und setzte... Die Verzierungen erinnern mich fast an die Stadtmauer Jerusalems aus dem 16. Jahrhundert, bestes Beispiel das Jaffa Gate.
    Schießscharten seh ich jetzt keine, möglich dass sie zu Fenstern erweitert wurden um Geschütze zu positionieren.
  • Hallo Herr Nuechter,

    wunderschöne Photos, die Erinnerungen sprießen lassen....
    Ich befand mich 1996 und ´97 auf Grabungen im nordöstlichen Syrien in der Gegend um Al Hassake und habe Land und Leute lieben gelernt.

    Meinten sie mit dem Hügel und der Burg den Qalaat Jaabar?
    Hier ein interessanter Link dazu: Qalaat Jabaar.
    Die Burgruine ist aber, denke ich, nicht neu errichtet.
    Eine höchst interessante Geschichte hat diese Burg.

    Die Aleppoer Zitadelle schlägt so manches. Der Eingang ist ein wenn ich mich recht entsinne ca. 30-40 m langer abgewinkelter Tunnel mit Pechlöchern und Beschußmöglichkeiten.
    Die Aleppoer Zitadelle wurde nie eingenommen.
    Die Mauern und Einbauten stammen größtenteils aus Mammelukischer Zeit, aber auch während der französischen Mandatszeit wurden die Mauern und Gebäude teils wiedererichtet, da es hier auch zu ernsthaften Kämpfen kam.
    Sehenswert sind die in die Mauer eingearbeiteten antiken Säulenfragmente.
    Der Tell selber ist bedeutend älter... ca. 5000 Jahre.
    Grabungen der letzten Jahre haben einiges an Befunden aus der frühen BZ erbracht, aber auch einen hethitischen Tempel, der dem Aleppoer Wettergott Hadad geweiht war.
    Erstaunlicherweise wurden die Fundamente eines im (glaube ich ) 12. Jhdt. gebauten Gebäudes direkt auf den Orthostaten (Bildplatten) des Tempels aufgesetzt. (Arfinda, ich hör Dich kommen :D ).

    Die ganze monumentale Anlage ist immer wieder einen Besuch wert, zumal das moderne Betonamphietheater zurückgebaut werden sollte.
    Hoffen wir nur, daß der momentane Zustand Syriens bald wieder in ruhiges Fahrwasser kommt und man dieses wunderschöne Land wieder bereisen kann!!!!

    Schwärmerische Grüße
    Irminfried


  • bearbeitet February 2012 #6
    Ich bin begeistert, Irminfried, endlich jemand, der die Stellen im Tal kennt, wo ich rumgekrochen bin. Ja, den Tafelberg meine ich, Qalaat Jabaar, in meinem damaligen jugendlichen Leichtsinn habe ich mir den Namen nicht gemerkt. Aber ich weiß genau, dass der damalige Bauzustand in keiner Weise mit dem jetzigen auf den Bildern übereinstimmt. Die Baulücken müssen in den Jahren geschlossen worden sein, vielleicht ist es ja jetzt bewohnbar?
    Schön, durch Ihre Augen sehen zu können. Als ich, das muss Januar 1962 gewesen sein, es war Ramadan, den steilen Aufstieg zum Eingang der Zitadelle erklommen hatte, war ich begeistert von der Aussicht, die sich mir über die Stadt erschloss. Leider war es schon sehr spät am Tag, so dass die Sonne mir einen Strich durch die Rechnung machen wollte. So gelang nur noch eine Aufnahme im Sonnenuntergang. Im Inneren war es schon sehr dämmerig. Ich musste über viele Steinberge klimmen. Und doch war es überwältigend, wer ein wenig die Stille genießen mochte, konnte sich das Leben der früheren Bewohner vorstellen.
    Trotz der glühenden Hitze an diesem schönen Tag hat sich die Erinnerung bis heute, nach 50 Jahren, in meinem Kopf erhalten. Aleppo im Sonnenuntergang ist und bleibt ein Erlebnis.

    Danke für Erinnerungen
    manfrednuechter
  • Hallo Herr Nuechter,

    jepp Syrien ist ein Erlebnis, das nicht wieder vergessen wird...
    Aber mit der Ruhe in Aleppo war es in den Neunzigern nicht mehr weit her... ein reger Autoverkehr, dominiert durch Hupe und den Lambada als Rückwärtsfahrsignal...:-D
    Die schönsten Sonnenuntergänge hatten wir auf unserem Tell am Habur. Nach getaner Arbeit mit den Einheimischen oben auf dem Tell sitzend, heißen Tee trinken und die Sonne in die Dschesira (Steppe) fallen zu sehen, genial!
    Den schönsten Sonnenaufgang hatten wir in Palmyra, der parthischen Metropole in der Wüste.
    In aller Frühe aus den Federn und im Dunkeln zur Zitadelle gewandert und dann die aufkommende Helligkeit in der Wüste, die wachsenden Schatten in der Ruinenstadt...schwärm schwärm schwärm....
    Wenn ich Zeit finde, die ist leider kurz bemessen, werde ich einige Dias einscannen und ins Netz stellen...

    Beste Grüße
    Irminfried
  • bearbeitet February 2012 #8
    Dias wären wunderbar. Danke für die schnelle Antwort. Ja, die Sonnenuntergänge sind mir sehr gegenwärtig. Aber auch die Huperei in Aleppo. Das war das erste, was mir bei der Ankunft aufgefallen ist. Seltsam, dass in der Stadt kein Unfall zu sehen war. In der Wüste habe ich einen PKW auf dem Dach liegen sehen. Das Schlimmste aber waren die großen Baumwolllaster, die auf der einzigen langen Straße durch die Wüste erst kurz vor dem Gegenverkehr alle 10 Scheinwerfer auf Fernlicht gestellt hatten, so dass wir praktisch nichts mehr sehen konnten. Das war unmöglich.
    Kurz vor dem Abzweig nach Tabqa hat so ein Lastwagen auf der Seite gelegen. Der Fahrer war wohl eingeschlafen.
    Zur damaligen Zeit war Tabqa ein Ort mit dem Haus des Scheichs, ca. 5 Hütten und ab und zu 1-2 Beduinenzelte, die dort Station gemacht hatten. Heute muss es eine große Stadt geworden sein. Allein die Leute aus dem Tal müssen um die Tausend gewesen sein. In Tabqa etwa 50.
    Wir sind morgens bei unserer Wanderung zu den Bohrmaschinen durch die kleinen Hüttendörfer gekommen und haben Bonbons an die Kinder verteilt. Die standen dann schon in Reih und Glied vor dem kleinen Shuk, wo wir die Bonbons gekauft hatten. Das war eine Hütte, in der alles in Säcken stand plus Staub und Sand, was die Leute so brauchten. Für die Kinder war es ein Fest und wir haben was für die Völkerverständigung getan.
    Ein paar Bilder als Anhang, das Tal, wo der Damm entstanden ist, und von den Leuten aus Tabqa, mit denen wir gutes Einvernehmen hatten.

    Beste Grüße
    manfrednuechter
  • Noch einmal eine Frage zu Syrien. Auf der Rückfahrt nach Aleppo bin ich an diesem Ort vorbeigekommen. Ich habe in Erinnerung, dass es Home gewesen sein muss. Denn danach kamen auch die Wasserräder. Was ich gern wissen möchte, es gibt, wie auf dem Bild zu sehen, eine künstliche Erhebung in Form eines Tafelberges im Hintergrund. Dieser Tafelberg ist als Rückzugsmöglichkeit für die Menschen der damaligen Oase gebaut worden.
    Nun habe ich gehört, die Menschen hätten einen Angriff abgewehrt, als aber die Niederlage sicher war, haben sie kollektiven Selbstmord begangen.
    Ist das belegt, oder verwechsel ich das mit einer anderen Begebenheit?
    Ich weiß auch nicht, ob dies ein Thema für archäologisches Fachwissen ist, vielleicht eher für Historiker?
    Vielleicht ist die Legende bei Ausgrabungen schon einmal gehört worden?
    Beste Grüße
    manfred
  • Hallo Mafred,

    da muß ich passen. Mir ist nur der kollektive Selbstmord in Massada am Toten Meer bekannt, als sich um 73 u.Z. die Verteidiger der Festung auf einem Tafelberg nicht den Römern ergeben wollten und daher einen kollektiven Suizid durchführten... Hier mal der Wikilink dazu... Massada

    Beste Grüße
    Irminfried
  • bearbeitet February 2012 #11
    Hallo Irminfried,

    danke für die schnelle Antwort. Massada ist mir bekannt, dann liegt hier wohl eine Verwechslung meinerseits vor.
    Das Problem ist, dass es bei der Abreise von mir gesichtet worden ist, und ich bei meinen Leuten nicht mehr nachfragen konnte. Bei den Kollegen war man eben dieser Meinung von dem Suizid.
    Beste Grüße
    manfred
  • bearbeitet February 2012 #12
    Hallo Irminfried, habe mir alles von Massada noch einmal angesehen und die Geschichte gelesen. Eine historische Begebenheit von gigantischen Ausmaßen, die auch heute noch anerkannt und geachtet wird. Wenn ich mir das durch den Kopf gehen lasse, wie ich wohl reagiert hätte, ich weiß nicht, der Selbsterhaltungstrieb war doch auch damals keine Farce. Obwohl bei dem Gedanke an ein Sklavendasein bei den Römern Gedanken Richtung Suizid aufkommen lassen haben wird.
    Der Fanatismus war also schon damals sehr dominant, allerdings hätte ich das nicht als selbstverständliche Eigenschaft einer Volksgruppe betrachtet.
    Es muss wohl doch an der Einstellung liegen, und die Nichtachtung des Lebens sehr groß gewesen sein. Man sieht es ja auch an anderen Völkern.
    Aber ich hatte immer gedacht, es läge nur an der Religion, die den Fanatismus so fördert. Man lernt nie aus.
    Gruß manfred
    Übrigens, das Du ist selbstverständlich.
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