3D-Scan der ältesten, noch erhaltenen Porzellanbrennöfen Europas

Im Auftrag des „Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V.“ hat das Team der TrigonArt die ältesten, noch erhaltenen Porzellanbrennöfen Europas 3D-vermessen. Im Anschluss an die fachwissenschaftliche Dokumentation wird das zerstörte Brennhaus virtuell rekonstruiert, eine Animation erstellt und ein Modell für die Ausstellung “Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG” gefertigt.

Nach vierjähriger Grabungsarbeit im beschaulichen Ort Fürstenberg im Weserbergland wurden die ältesten, noch im Originalzustand erhaltenen Porzellanbrennöfen Europas freigelegt. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Archäologen Dr. Sonja König (Ostfriesische Landschaft, Aurich) und Dr. Stefan Krabath (Sächsisches Landesamt für Archäologie) wurden die fast in Vergessenheit geratenen und in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand befindlichen Versuchsöfen aus dem Jahr 1747 wieder ausgegraben. Unter Mitwirkung vieler Freiwilliger des Heimat- und Geschichtsvereins Holzminden e.V. wurden unter der Fachaufsicht der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Holzminden (Dr. Christian Leiber) die Reststrukturen des Brennhauses, in dem sich drei Brennöfen befinden, freigelegt und für wissenschaftliche Untersuchungen begehbar gemacht.

Es handelt sich dabei um den sogenannten „liegenden“, „Wiener“ oder „Deutschen“ Ofentyp, wie er bis zum Ende des 18 Jhs. für den Porzellanbrand gebaut wurde. Nach ersten wissenschaftlichen Begutachtungen ließen sich alle drei Schritte des Verglühbrandes sowie des Glattbrandes und höchstwahrscheinlich auch des Dekorbrandes nachvollziehen. Der erste in Fürstenberg dokumentierte Porzellanbrand fand im Januar 1750 statt. Der fast unberührte Erhaltungszustand der Anlage ist der Tatsache geschuldet, dass die Porzellanmanufaktur in das Schloss von Fürstenberg umzog, nachdem dort die Voraussetzungen geschaffen waren und eine Jahresproduktion von mehreren zehntausend Gefäßen erreicht war. Somit blieben die ältesten europäischen Porzellanöfen als Baudenkmal und im archäologischen Befund erhalten und wurden nicht wie in Meißen durch ständige Umbauten und Erweiterungen zerstört. Neben dem Brennhaus gehören zu dem technikgeschichtlichen Ensemble auch die so genannte Windmühle mit dem Laboratorium, in dem weitere Versuchsöfen vorhanden sind und die „Von-Langen-Reihe“, welche als Arbeiterwohnungen für die damalige Belegschaft diente.

Nachdem die notwendigen Sicherungsmaßnahmen an den einsturzgefährdeten Seitenwänden erfolgten, entschloss man sich, die technikgeschichtliche Anlage aus der Zeit des Herzogs Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel vollständig mit einem hochpräzisen Laserscanner 3D-vermessen und wissenschaftlich dokumentieren zu lassen. Der Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V. ermöglicht diese Dokumentation mit großzügiger Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Anschließend wurde die Grabung aus Sicherheitsgründen wieder mit Sand verfüllt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt museal und touristisch erschließen zu können.

Nach der erfolgreichen 3D-Vermessung durch den Spezialdienstleister TrigonArt aus Berlin, erstellt die Firma in der Folge ein hoch aufgelöstes 3D-Modell, das alle wichtigen bautechnischen und archäologischen Details beinhaltet. Das 3D-Modell wird anschließend mit hoch aufgelösten Digitalbildern fototexturiert, so dass zusätzlich auch der realistische und unrestaurierte Zustand des Gebäudes und der Brennöfen sichtbar ist. Im nächsten Schritt werden maßstabsgetreue CAD-Pläne, Grundrisse, Abwicklungen aller Wände und Fußböden, verzerrungsfreie Mess- und Orthobilder, sowie Gebäudeschnitte für die wissenschaftliche Dokumentation und Auswertung erstellt und den beteiligten Archäologen und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt. Als Abschluss der Dokumentationsarbeiten soll die Firma TrigonArt noch einen virtuellen Rundgang durch die Anlage in Form einer Animation erstellen.

In einer zweiten Projektphase, im Anschluss an die wissenschaftliche Dokumentation, soll anhand der erstellten Daten und historischer Archivunterlagen sowie in Zusammenarbeit mit Experten für historische Porzellanbrennöfen eine virtuelle Rekonstruktion des Brennhauses erfolgen. Der virtuelle Wiederaufbau der Versuchsanlage soll offene wissenschaftliche und technische Fragen klären und die Funktionsweise der Öfen sichtbar machen. Weiterhin ist auch die Fertigung eines physischen Modells im Maßstab 1:10 geplant. Das Modell soll erstmal sin der Sonderausstellung “Luxus in Scherben” ab 31. März 2012 im Museum im Schloss der “Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG” vorgestellt werden soll.

Weiterführende Informationen und Bilder finden Sie unter: http://www.trigonart.com/3d-scan-der-aeltesten-porzellanbrennoefen-7030


Ansprechpartner:

TrigonArt Bauer Praus GbR
Dipl.-Kfm. Tobias Schmitt
Gundelfingerstr. 43a
10318 Berlin
Tel.: 030 – 34 66 03 30
Fax.: 030 – 34 66 03 29
E-Mail: info@trigonart.de
Web: http://www.trigonart.com

Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V.
- Geschäftsstelle –
Meinbrexener Str. 2
37699 Fürstenberg
Tel.: 05271 – 40 11 60
Fax.: 05271 – 40 14 16 0
E-Mail: freundeskreis@fuerstenberg-porzellan.com
Web: http://www.freundeskreis-fuerstenberger-porzellan.de

Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG
Museum im Schloss
Meinbrexener Straße 2
37699 Fürstenberg
Tel.: 05271 – 40 11 61
Fax.: 05271 – 40 14 16 3
E-Mail: museum@fuerstenberg-porzellan.com
Web: http://www.fuerstenberg-porzellan.com

Kommentare

  • Hallo zusammen,
    ich mache mein BORS (=Berufsorientierung an der Realschule) momentan in einem Vermessungsbüro. Vor einiger Zeit habe ich hier gelesen, dass wenn man seine Berufswahl in die Richtung der Archäologie einschlagen möchte, sich vielleicht auf etwas speziallisieren sollte. Nun ist es so, dass sie dort fast ausschließlich mit geografischen Computersoftwars arbeiten, auch gibt es dort jemand der mit dem 3-D Scanning seine Arbeit macht. Jetzt lese ich hier, dass man das auch in der Archäologie macht und ich wollte mal nachhaken, ob es da einen bestimmten Beruf in der Archäologie gibt der mit soetwas arbeitet. :?: Wäre nett wenn nir da jemand weiterhefen könnte, aber auch über Ratschläge insbesondere zu anderen Spezialgebieten in der Archäologie würde ich mich freuen :db:

    Liebe Grüße,
    Germanius_24 :indy:
  • Hi Germanius,

    als Grabungstechniker kannst Du Dich z. Bsp. auch auf die Vermessung und Dokumentation stürzen.
    Informiere Dich am besten mal an der HTW Berlin über das Studium... nennt sich heute "Geo- und Feldarchäologie".

    HTW Berlin, Studiengang GFA

    Gruß
    Irminfried
  • "Jetzt lese ich hier, dass man das auch in der Archäologie macht und ich wollte mal nachhaken, ob es da einen bestimmten Beruf in der Archäologie gibt der mit soetwas arbeitet."

    Manche Archäologen arbeiten mit 3D-Scans. Die Landesdenkmalbehörden beispielsweise, oder die Paläoanthropologen. Letztere machen das z. B. mit Schädelfragmenten, erstere mit beliebigen dreidimensionalen Objekten, bei denen es lohnend erscheint, sie auf diese Weise zu visualisieren. Im Moment braucht man teure Spezialprogramme und -wegen der anfallenden Datenmenge- Workstations. Sicherlich wird es so kommen, wie anderswo auch: In 10 Jahren wird es entsprechende Freeware geben und als Hardwarevoraussetzung reicht ein durchschnittlich ausgestatteter Rechner, die dazugehörigen Sensoren plus Tracker werden zum Grabungsbesteck gehören.

    Also ich würde mich darauf nicht spezialisieren. Eher geht es andersrum: Die Archäologen, die damit arbeiten möchten, lassen sich schulen und, ganz wichtig: sind erfolgreich bei der Beantragung der benötigten finanziellen Mittel.
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