Anforderungen Fremdsprachen/Naturwissenschaften im Archäo-Studium

Hallo!

Möchte nach meinem Abitur Archäologische Wissenschaften in Bochum studieren, da der Studiengang offenbar sehr breit gefächert ist und mehrere Spezialisierungen zulässt. Nächstes Jahr komme ich in die gymnasiale Oberstufe und möchte meine Fächerwahl an den Anforderungen dieses Studienganges ausrichten (dass die Berufsaussichten als Archäo nicht rosig sind, ist mir bekannt. Dennoch möchte ich Archäologische Wissenschaften studieren, weil es mich sehr interessiert).

Hierzu nun meine Fragen:

Wie sieht es aus mit den Anforderungen bei den Fremdsprachen? Habe, da ich ursprünglich von der Realschule komme, nur Kenntnisse in Englisch und Französisch (also z.B. kein Latein). Reicht Grundkurs-Niveau, oder sollte man Fremdsprachen - soweit möglich - später als Leistungskurse belegen? Wie hoch ist der Anteil an fremdsprachlicher Literatur im Studium (in anderen Studiengängen, bei Psychologen z.B., soll ja nicht selten 80 % der zu behandelnden Literatur englischsprachig sein)?

Wie sieht es aus mit den naturwissenschaftlichen Anforderungen in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie? Als Archäologe muss man doch bestimmt Felder und Gruben vermessen und Forschungsergebnisse statistisch festhalten. Und Bio/Chemie könnten auch wichtig sein (Knochenreste usw.).

Ich kann ja in der Oberstufe nicht all diese Fächer belegen, jedenfalls nicht als LKs. Drum muss ich eine Auswahl zwischen den für ein Archäo-Studium wesentlichen und weniger wichtigen Fächern treffen.

Vielen Dank für Eure Antworten!



Kommentare

  • Hey!
    Also, willst du den Bachelor als 1-Fach (also nur Archäologische Wissenschaften) oder als 2-Fach Bachelor (mit einem Nebenfach) belegen? Ich hab gerade für den 1-Fach Bachelor gelesen, dass Kenntnisse im Lateinischen und zwei modernen Fremdsprachen (also bei dir Englisch und Französisch) nachzuweisen sind -> http://www.ruhr-uni-bochum.de/zsb/kinfo/Archaeologie-BA-1Fach.pdf
    Bis zur Anmeldung der Bachelorarbeit müssen zwei Jahre Schullatein oder 2 Semester Latein an der Uni nachgewiesen werden.
    Weiter kommt es darauf an, für welche Fachrichtung du dich spezialisieren willst: Ur- und Frühgeschichte (für das Paläolithikum / Altsteinzeit ist zum Beispiel Französisch sehr hilfreich, da viel Fachliteratur auf Französisch ist), klassische Archäologie (Griechisch/Römische Antike) benötigt bei der Anmeldung zum Master den Nachweis des Latinums, ohne Latein kommst du da auch nicht weiter.
    Empfohlen wird dir in dem pdf Dokument Englisch, Französisch und Italienisch, da bist du glaube ich aber schon gut aufgestellt.
    Da der Studiengang Ur- und Frühgeschichte und klassische Archäologie zusammen mit Archäometrie ("Entwicklung und Anwendung naturwissenschaftlicher Verfahren und Methoden zur Erforschung der kulturellen und materiellen Hinterlassenschaften aus allen Zeiten der Menschheitsgeschichte"), also kannst du da auch mit den Naturwissenschaften etwas anfangen. Generell ist es so, dass die Bestimmung von Knochen oder Pollen oder Metall aber von den jeweiligen Wissenschaften, die darauf spezialisiert sind durchgeführt werden (also Anthropologen, Archäzoologen oder Chemikern).
    Vermessen und Zeichnen sind natürlich Bestandteil des archäologischen Alltages, das wird dir aber an der Uni bzw. auf Grabungen gezeigt, und ist eigentlich nicht so schwer wie es aussieht!

    Ich hoffe, das ist allgemein irgendwie verständlich, ich neige dazu alles wahllos aneinanderzureihen, was in meinem Kopf dann Sinn ergibt, auf dem Papier (oder in dem Falle Bildschirm) dann aber nicht mehr^^ Sonst frag einfach nach. Hilfreich ist es auch immer mal zur Studienberatung zu gehen oder mit den Dozenten selbst zu sprechen, die können einem da oft auch ganz gut helfen. Ansonsten schau dir die Beschreibungen an. Ich habe dir auch noch einmal die Beschreibung für den 2-Fach Bachelor, das heißt Archäologie und ein anderes Fach deiner Wahl rausgesucht: http://www.ruhr-uni-bochum.de/zsb/kinfo/Archaeolog-Wissensch-BA.pdf

    Einen schönen 2. Advent,
    S.
  • Sei mir gegrüßt, Shakespeare!

    Vielen Dank für Deine Antworten.

    Mir war neu, dass der 2-Fach-Bachelor aus einem Haupt- und einem Nebenfach besteht. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass das Verhältnis der beiden in einem 2-Fach-Bachelor zu studierenden Fächer 50:50 beträgt, beide Fächer also (in etwa) gleich gewichtet werden.

    Habe mich mit Hilfe des Internets bereits über archäologische Studiengänge und verschiedene Hochschulen informiert. Ganz allgemein wurde mir von einem archäologischen Studiengang abgeraten - aufgrund der vermeintlich oder tatsächlich schlechten Beschäftigungschancen danach. Dies gilt aber wohl im Großen und ganzen für alle Geisteswissenschaften. Ich will mich davon allerdings nicht leiten lassen. Dinge wie Betriebswirtschaft (finde dieses Studienfach absolut hohl) oder Maschinenbau interessieren mich einfach nicht. Und arbeitslos werden können Absolventen solcher Fächer theoretisch auch.

    Meine archäologischen Interessen liegen in den Bereichen Ur- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie. Einen Schwerpunkt davon kann ich für mich bisher noch nicht nennen; deshalb wäre es wichtig, dass ich erstmal in beide Fächer reinschnuppern kann. Klassische Archäologie scheint wohl eher kunsthistorisch ausgerichtet zu sein. Da wäre Ur- und Frühgeschichte vielleicht schon etwas reizvoller, weil man dort mehr mit Ausgrabungen bzw. praktischen Sachen und Objekten zu tun hat.

    Ob es bei mir später mal mehr in Richtung Ein- oder Zweifach-Bachelor gehen wird, kann ich leider ebenfalls noch nicht sagen. Als 2-Fach-Bachelor ist man ja nur irgendwie ein halber Archäologe (im Gegensatz zum 1-Fach-Bachelor, der sich quasi nur mit Archäologie befasst, weil er sich voll auf dieses eine Fach konzentrieren kann). Allerdings könnte man im 2-Fach-Bachelor ein zweites Fach seines Interesses studieren (bei mir wären dies Geschichte oder Philosophie), was ich mir abwechselungsreicher vorstelle. Hmm, sehr schwierige Entscheidung.

    Mit der Studienberatung der Ruhr-Uni habe ich bereits gesprochen. Mir wurde dort u.a. gesagt, dass viele Studenten an den hohen Anforderungen im Bereich Fremdsprachen scheitern. Wie es um die erforderlichen Fremdsprachenkenntnisse genau bestellt ist, konnte man mir dort allerdings auch nicht verraten. Fest steht: Ausreichende Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen (wobei "ausreichende Fremdsprachenkenntnisse" immer relativ ist) sollte man mitbringen. Und man sollte die Bereitschaft mitbringen, weitere Fremdsprachen zu erlernen. Das stelle ich mir dann aber nicht einfach vor, wenn man neben den rein archäologischen Inhalten auch noch neue bzw. neue "alte" Sprachen (z.B. Latein, Altgriechisch) "nebenher" (nach-)lernen muss. Immerhin werde ich neben meinem Studium noch arbeiten müssen, um etwas Geld zu verdienen.

    Sicherlich gibt es hier viele aktive und ehemalige Archäologie-Studenten und -studentinnen, welche die Anforderungen genauer kennen und mir sagen können, was mich da konkret erwartet. Möchte nicht nach zwei oder drei Semestern abbrechen, weil ich so ein Studim eventuell unterschätzt habe. Man hört und liest ja immer wieder von der hohen Zahl von Studienabbrechern (hinzu kommen noch die Studienwechsler). Nicht, dass ich mir ein Studium nicht zutrauen würde. Ich will das Ganze nur nicht auf die leichte Schulter nehmen.

    Plane Englisch und Geschichte als LK zu nehmen. Ist dies im Hinblick auf ein Studium der Archäologischen Wissenschaften ratsam? Oder wären LK-Kombinationen wie Englisch/Französisch, Englisch/Biologie, Englisch/Chemie oder Englisch/Erdkunde nicht vielleicht sinnvoller?

    Vielen Dank!
  • Ich hatte ebenfalls Geschichts-LK in der Oberstufe und studiere nun seit einiger Zeit Geschiche(!) und Archäologie.

    Der Geschichtskurs in der Schule hat rein gar nichts(!) mit dem universitären zu tun. Methodik; Fragestellungen etc.
    Ich würde dir raten, das Latinum in der Oberstufe nachzumachen (schaden tut es nie) und sonst Fächer zu nehmen, die dir liegen. Für Archäologie bringt dir nichts von den Schulfächern etwas.
  • Hallo PferdeFan!

    Wie hoch ist denn der Fremdsprachenanteil in Deinem Studium? Ich meine, sind die von Dir zu bearbeitenden Bücher und ggf. Fachzeitschriften, die Du für Deine Ausbildung in Geschichte/Archäologie benötigst, in deutscher oder englischer (oder einer anderen) Sprache abgefasst? Und werden nicht sogar Vorlesungen/Vorträge teilweise in einer anderen Sprache (meist: Englisch) gehalten?

    Ja, Latinum werde ich wohl nachholen müssen. Hoffe, dass man dies in der Oberstufe machen kann, zumal ich ja in Latein über keinerlei Vorkenntnisse verfüge. Da muss ich mich reinhängen. Latein gilt allgemein als ziemlich schwer, wegen der Grammatik. >:)

  • Ich habe das (kleine) Latinum damals von der Schule mitgebracht, habe es aber während des Studiums vergleichsweise wenig gebraucht. Das Latinum hat sich allerdings als hohe Hürde für viele Studienanfänger heraus gestellt. Ausserordentlich wichtig sind moderne Fremdsprachen um die aktuelle Fachliteratur lesen, und sich z.B. mit ausländischen Kollegen austauschen zu können.

    Man sollte sowieso gerne lesen und auch fähig sein sich schnell in neue Gebiete einzuarbeiten. Sehr empfehlenswert ist es schon während der Schulzeit in den Ferien auf Ausgrabung zu gehen. Man bekommt dort nebenbei so einiges vom Berufsalltag mit. Inzwischen wird auf Ausgrabungen sehr arbeitsteilig gearbeitet. CAD-gestützte Vermessung, Fotogrammetrie etc., wird im Archäologiestudium kaum vermittelt, dafür gibt es heute Spezialisten.
  • IchImperator schrieb:
    Hallo PferdeFan!

    Falls ich mit "PferdeFan" gemeint bin...
    Wie hoch ist denn der Fremdsprachenanteil in Deinem Studium?

    Mittel bis sehr hoch.
    Um englische Literatur kommst du spätestens ab dem 2. Semester nicht mehr drum herum. Je nach Themengebiet kommen auch andere europäische Sprachen dazu (Spanisch, Italienisch, Türkisch..). Bei Ur-Frühgeschichte können auch die osteuropäischen Sprachen wichtig sein!

    Solltest dir also im klaren sein, welche Regionen für dich interessant sein könnten; denn es gilt: Wo gegraben wird, wird oft auch publiziert.
    Und werden nicht sogar Vorlesungen/Vorträge teilweise in einer anderen Sprache (meist: Englisch) gehalten?

    Seminare können(!) auf englisch gehalten sein, ist aber eher die Ausnahme. Vorträge von internationalen Sprechern können natürlich mal auf Englisch sein. Aber Übung macht den Meister :-).
  • m_caeliusm_caelius User
    bearbeitet December 2011 #8
    Hey Imperator!

    Ich dachte mir, ich schreibe dir mal von meiner Erfahrung. Habe selber in Bochum Arch. Wissenschaften und Geschichte als 2-Fach BA studiert und war damit eigentlich ziemlich zufrieden. Nach einem Seminar in der Archäologie der römischen Provinzen (die in Bochum relativ selten sind) habe ich aber recht schnell bemerkt, dass es mich fachlich doch eher dorthin zieht und so habe ich letztlich nach Köln gewechselt. Das wäre für dich ja eventuell auch interessant, da du dort klassische Archäologie, Arch. der röm. Prov. und Ur- und Frühgeschichte studieren kannst. Zudem hast du die Nähe nach Bonn, wo du im Zuge von sog. Ergänzungsmodulen noch Kurse besuchen könntest. Soviel erstmal zur Werbung für Köln ;)

    Insgesamt sind Fremdsprachen in der Archäologie sehr wichtig. Moderne Fremdsprachen an der Uni zu lernen ist jedoch nicht sooo schlimm, du musst im Normalfall die Sprache ja nicht fließend sprechen, sondern (grad für's Studium) reicht dir meist schon das lesen der Literatur. In welcher Sprache die Literatur ist hängt davon ab, womit du dich beschäftigst. Bei mir ist es zB derzeit neben deutscher v.a. niederländische, englische und französische Literatur. In der klassischen Archäologie hast du häufig auch italienische Literatur. Aber selbst wenn du eine Sprache nicht richtig beherrschst, kann man sich durch die Literatur durchkämpfen, einfach nicht abschrecken lassen! Später (grad auf internationalen Tagungen) sind natürlich reichhaltige Sprachkenntnisse Gold wert, weil du sehr schnell Kontakte knüpfen kannst und dir so auch Arbeitsplätze im Ausland verschaffen kannst.
    Was Latein angeht ist es schon schwieriger. Habe neulich erst bei einer Uni gelesen, dass man, sollte man noch das Latinum machen müssen, 2 Semester mehr Studienzeit einrechnen sollte. In meinem Umfeld kann ich diese Einschätzung bestätigen, die Durchfallquote bei Latein ist an der Uni relativ hoch. Ich denke aber auch hier sollte man sich nicht abschrecken lassen. Schwierig wird es halt nur, wenn du vor hast Bafög zu beantragen, da du dann in der Regelstudienzeit fertig werden musst, da dir danach dein Bafög gestrichen wird (soweit zumindest meine Informationen). (Alt-)Griechisch habe ich selber an der Uni gelernt. Brauchte es nicht, wollte aber zumindest Grundkenntnisse darin haben. Ich selber habe das Graecum nicht gemacht, habe aber gehört, dass das nicht so schwierig sein soll wie das Latinum!

    Jetzt zu deiner Fachwahl: Um ehrlich zu sein glaube ich, dass es relativ egal ist :D Geschichte und Englisch als LK sind schon sinnvoll, jedoch habt ihr (soweit ich gehört habe) in Geschichte ja eh zum Großteil neuere Geschichte in der Oberstufe (also zumindest wenn du aus NRW kommst, wegen der Vorbereitung auf's Zentralabitur). Das bringt dir natürlich recht wenig für ein Studium in der Altertumskunde ;) Fremdsprachen sind immer gut (ärgere mich selber, dass ich da etwas geschludert habe in der Schule und viel an der Uni nachholen musste). Aber auch Grundkenntnisse in Chemie und Biologie sind wichtig, da in der Archäologie immer mehr naturwissenschaftlichen Methoden entwickelt werden. Grundkenntnisse sind da aber wirklich ausreichend, da wir für die Tests selber Spezialisten haben und du dann lediglich die Auswertung verstehen musst ;)

    Achso, zu den Vorlesungen und Seminaren: Ich habe während meiner Studienzeit noch kein einziges Seminar in einer Fremdprache in einem unserer Vorlesungsverzeichnis gesehen. Dir sollte aber klar sein, dass du damit spätestens auf Tagungen konfrontiert wirst! Da sprechen die Vortragenden jedoch auch meist in einer der üblichen Sprachen, also Englisch, Französisch oder (mit Glück ;) ) Deutsch. Fremdsprachenkenntnisse sind natürlich wunderbar, wenn du vor hast auch mal im Ausland zu studieren, was viele Archäologie Studenten machen.

    LG!
  • Hallo m_caelius!

    Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!

    Über Alternativen zur RuhrUni Bochum werde ich natürlich nachdenken. Muss ja auch erst einmal Abitur machen (komme nächstes Jahr in die Oberstufe). Und das möglichst gut (wegen NC). Die Auswahl der geeigneten Hochschule erfolgt dann später.

    Werde wohl Englisch und Geschichte als LK nehmen. Die Oberstufen-Geschichte beginnt nach meinen Infos erst mit der Französischen Revolution, so gesehen hat man in der Tat wenig mit archäologischer Geschichte (Antike usw.) zu tun.

    Das Latinum will ich noch vor Studienbeginn erwerben. Den Klotz möchte ich später im Studium nicht unbedingt am Bein baumeln haben.

    Biologie und Chemie werde ich ebenfalls in der Oberstufe belegen. Grundkurs-Niveau dürfte da reichen.

    Sicherlich gehe ich eines Tages ins Ausland. Beruflich ist ja hierzulande für Archäologen/Geistes- u. Kulturwissenschaftler eh nicht mehr viel zu tun. Und daran dürfte sich in Zukunft wenig ändern. Moderne Fremdsprachenkenntnisse sind also allein schon von daher unverzichtbar für mich. Im Studium selbst kommt es aber wohl mehr auf die Lesekompetenz an.

    Bis dahin versuche ich mich mit diversen Fachzeitschriften auf archäologische Themen einzustimmen. So lese ich z.Zt. gerade die epoc - Das Magazin für Archäologie und Geschichte.
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