Die Capitalis - Schriften

Hallo zusammen,

kann mir jemand verbindlich mit Name, Adresse, Ort, Datum, Uhrzeit und Telefonnummer den oder die Leute nennen die für die Capitalis-Schriften den Namen und den Verwendungszweck wann und wo festlegten ?
Ich habe mal gelernt warum diese Schriften den Namen bekamen und wie sie entsprechend ihrem Verwendungszweck eingeordnet werden, aber darum geht es nicht.
Schaue ich mich im Netz um, dann bekomme ich von Wikipedia über Wikisours, Fachlexikas einschließlich Fachliteratur und Uni-Seiten die unterschiedlichsten und widersprüchlisten Erklärungen. K:-)
Eins haben die unverbindlichen Gerüchte alle gemeinsam, keiner weiß nichts Genaues.
Bitte jetzt nicht 20 Bücher nennen aus denen ich entnehmen kann, dass es sich um epigraphische Schriften handelt und was Capitalis bedeutet, denn ich will wissen wer der Herr Epigraph war und wann er sein Schindluder trieb und erklärte, dass ab morgen 12 Uhr Mitteleuropäischerzeit die Schriften wissenschaftlich korrekt so heißen und eingeordnet werden.
Einer muß doch den Schneid haben und die Verantwortung dafür übernehmen. :D

Gruß
Kurti

Kommentare

  • Hallo Leute,

    langsam, langsam und einer nach dem anderen, wenn Ihr alle gleichzeitig postet ist der Server überlastet und es kommt, wie Ihr ja seht, nichts durch. :P
    Es muss doch wenigstens "Einen" im weltweiten Web geben der im Laufe seines Studiums zwischen Baggersee-Riviera und Irish Pub mal etwas über das Thema Capitalis-Schriften aufgeschnappt und...............natürlich wieder vergessen hat. :-*>

    Bis dann, wenn mich einer sucht, ich bin am Baggersee.

    Grüße
    Kurti


  • a.brunna.brunn Halle (Saale)Admin
    Hi Kurti,

    völlig unverbindlich und ohne Telefonnummer: Ist es das hier, wonach Du suchst?
    Die Paläographie wurde 1708 von Bernard de Montfaucon mit einer Studie über den Ursprung und die Entwicklung der hellenistischen Schriftkultur »Palaeographia graeca sive de ortu et progressu litterarum« in die Wissenschaft eingeführt. 1713 gelang dem italienischen Marchese Scipione Maffei durch den zufälligen Fund der verloren geglaubten tausendjährigen, kostbaren lateinischen Handschriftensammlung des Veroneser Domkapitels der Nachweis dreier Arten der römischen Schrift, nämlich der Majuskel, der Minuskel und der Cursiva. Ähnlich bedeutsam waren die Schriftforschungen von Godefredus Bessel und Joseph von Hahn an den deutschen Kaiserurkunden im 1732 edierten »Chronicon Gottwicense«. Das »Lexicon diplomaticum«, Ulm 1756, des kurfürstlichen Archivars Johann Ludolf Walther präsentierte dann die erste Zusammenstellung von Abbreviaturen auf 225 Foliotafeln. Eine umfassende Systematik der lateinischen Paläographie erarbeiteten bis 1765 die französischen Benediktiner Charles Francois Toustain und René Prosper Tassin; in ihrem »Nouveau Traité« wurde die römische Majuskelschrift erstmals nach Capitalis und Uncialis unterschieden
    Quelle: http://www.typolexikon.de/p/palaeographie.html , Hervorhebungen im Zitat von mir.

    Gruß,

    Mit besten Grüßen,
    Andreas Brunn

    www.archaeologie-online.de

  • a.brunna.brunn Halle (Saale)Admin
    Das hier hast Du vermutlich auch schon gefunden, oder?
    Die Diplomatik ist und bleibt in diesem Zeitraum das beherrschende Wissenschaftsgebiet, dem sich die Geschichte der lateinischen Buchschrift unterordnen muß. Das zeigt sich wieder am Titel des Werkes, das für die Paläographie Zusammenfassung, Höhepunkt und Stillstand für lange Zeit bedeutete: Nouveau traité de diplomatique ... par deux Religieux Bénédictins de la Congrégation de S.Maur. Die beiden Benediktiner der französischen Nationalkongregation der Benediktiner, die das Werk in sechs Bänden (Paris 1750-1765) herausbrachten, sind Charles François Toustain und René Prosper Tassin. Bezeichnend für den Standardcharakter des Werks und die Dominanz französischer Wissenschaft in dieser Zeit ist, daß der Nouveau traité trotz seines Umfangs von über 4000 Seiten noch während des Erscheinens der Originalausgabe ins Deutsche übersetzt wurde.*
    ...
    1755 erscheint Band 2 des Nouveau traité. Der erste Verfasser ist über den Mühen der Materialsammlung gestorben. In diesem Band tauchen die Kupferstichtafeln auf, die das Werk berühmt und berüchtigt gemacht haben: z.B. nach p.332: «Alphabet général des lettres latines capitales, onciales, majuscues gothiques des Mss. avec quelques caractères minuscules et cursifs, surtout de ceux qui se glissoient anciennement dans l'écriture onciale».
    Quelle: Uni Heidelberg, Fach Mittellatein: Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters, von Walter Berschin. Dritte Vorlesung: Historische Einleitung in die Lateinische Paläographie des Mittelalters I. Vom XVII. bis zum XIX. Jahrhundert, gibt es auch als PDF

    * Die deutsche Übersetzung: C.Adelung/A.Rudolph, Neues Lehrgebäude der Diplomatik t.1-9, Erfurt 1759-69. Hiervon gibt es zumindest schon mal den ersten Band bei Google Books, Band 2 habe ich nicht finden können.

    Mit besten Grüßen,
    Andreas Brunn

    www.archaeologie-online.de

  • kurtikurti User
    bearbeitet August 2011 #5
    Hallo Andreas,

    besten Dank für die Antwort und Deine Mühe, aber die Links kannte ich schon ( Ich bin ja Rentner und habe alle Zeit der Welt zum Internetsurfen ).:D

    Speziell hier kommt es mir auf die Konkretisierung der C.-Schriften an:

    ZITAT:
    ......Eine umfassende Systematik der lateinischen Paläographie erarbeiteten bis 1765 die französischen Benediktiner Charles Francois Toustain und René Prosper Tassin; in ihrem »Nouveau Traité« wurde die römische Majuskelschrift erstmals nach Capitalis und Uncialis unterschieden und zu Minuskel und Kursive..........ENDE

    Ich suche aus obigem Werk ( Buch 1, Stichwortsuche = Capitalis Monumentalis oder Quadrata = 0 Treffer ) oder anderer Fachliteratur eine Zusammenstellung von den "Capitalisschriften" und ihrer Zuordnung nebst Urheber oder Institution, die anschließend allgemein von der Wissenschaft so übernommen wurde.
    Ohne eine solche Quellenangabe kann man "Andersdenkende" nicht davon überzeugen, dass sie Unsinn schreiben.
    Es gibt eine Menge Bücher die die Schriften genau beschreiben, aber bestenfalls erfährt man, dass dieser oder jener Name aus dem Mittelalter stammt.
    Führt man ein solches Buch als Quelle an, dann bekommt man bestenfalls zur Antwort, dass dies nur die Auffassung des Autors ist und wird an einen anderen Buchautor verwiesen der eben genau das Gegenteil behauptet.
    Schau Dir an was die Uni-Bamberg z.Bsp.schreibt:
    ZITAT:
    Capitalis .
    Diese älteste Form der römischen Schrift ist zunächst nur epigraphisch nachweisbar*. Als hauptsächliche Buchschrift im 5. Jh. n. Chr. von der Unziale verdrängt, als Auszeichnungschrift weiter gebräuchlich für Rubriken, Kapitelanfänge usw. Der Name C. ist mittelalterlich und von capitulum abgeleitet. Die c. quadrata , auch als monumentalis bezeichnet, weist statisch gebaute, in ein Quadrat einschreibbare Buchstaben auf (z.B. Vergilius Augusteus = Vat.lat. 3256). Die c. rustica ist stärker kursiv beeinflußt und vor allem in Hss. als eigentliche Buchschrift nachzuweisen (Vergilius Romanus, Vat.lat.3867). Unsere Großbuchstaben lassen sich weitgehend auf die C. zurückführen. ....
    ENDE

    An dem Text stimmt einiges nicht und der Hinweis, dass "capitalis" von "capitulum" kommt ist für jeden Nichtlateiner natürlich ungemein aufschlußreich.
    Apropos "klar", dieser Artikel beseitigt m.E. jede Klarheit zumal er unter dem Stichwort "Buchschrift" und gesondert unter "Capitalis" zu finden ist.
    Es ist natürlich sinngemäß richtig, dass die "Quadratschrift" zuerst nur durch Inschriften nachweisbar ist, aber es gibt Fragmente mit dieser Schrift aus dem 1.Jht. auf Papyrus und im 4.Jht. kann man sie vermehrt als Buchschrift auf Pergament feststellen.
    Weil dem aber so ist heißt die Inschriftenschrift eben "Capitalis Monumentalis" und die Buchschrift "Capitalis Quadrata"
    ( jedenfalls nach der meistverbreiteten Leseart ), aber dies ist in obigem Uni-Text m. E. völlig falsch dargestellt und macht Schule bis in die sogen."Fachliteratur" hinein.
    Dort liest man dann z.Bsp. in der Monumentalschrift "Capitalis Quadrata" geschrieben oder eine Inschrift vom Typ "Capitalis Quadrata" usw.usf.

    Es geht mir also um eine wissenschaftliche Quelle aus der eine verbindliche Definition mit der Nennung der maßgeblichen Institution oder dem (der) betreffenden Urheber hervorgeht mit dem Vermerk, dass dies die heute wissenschaftlich gebräuchlichen Bezeichnungen sind.

    Vielleicht kann dies ja hier im Forum jemand konkret benennen, da ich mich nicht langwierig an maßgebliche Institute wenden oder xundzwanzig Bücher durchforsten will. In München soll es ja die Epigraphik-Adresse aller Adressen geben.

    Beste Grüße
    Kurti
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