Ex-RTL-Boss Helmut Thoma prahlt mit Grabraub

In der "Welt am Sonntag" vom 6. bzw. 7. (Printausgabe) November erzählt der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma stolz davon, wie er einst mit einem Grabräuber in Syrien plündernd unterwegs war. Die Journalistin fragt nicht sonderlich kritisch nach, und so bleibt der Sachverhalt als nettes Abenteuer im Indy-Jones-Stil in den Köpfen der Leser hängen. Das finde ich fatal, denn Otto Normalverbraucher kann jetzt denken: "Ach, wenn der Thoma das macht, könnte ich ja im nächsten Urlaub auch losziehen!".

Hier der Artikel zum Lesen: http://www.welt.de/fernsehen/article10768775/Es-war-Nacht-und-da-waren-Schlangen.html?wtmc=plista Die Kommentarfunktion ist offen - jeder, den das Thema nicht kalt lässt, möge den Artikel kommentieren.

Das Magazin "epoc" hat eben einen Kommentar des Archäologen Prof. Andreas Schmidt-Colinet zum Thoma-Interview publiziert: http://www.epoc.de/artikel/1054329&_z=798890
  • Hm leider ist die Kommentarfunktion nicht für jeden frei zugänglich. Finde es aber auch eine Schweinerei, dass jemand mit seinen geplünderten "Schätzen" offen prahlt, dazu dann auch noch genüsslich über seine Straftat plaudert und niemand kommt auf die Idee das zu hinterfragen.

    Kann Prof. Andreas Schmidt-Colinet nur zustimmen. Raubgräberei ist ein ernstes Verbrechen und kein Cavaliersdelikt.
  • a.brunna.brunn Halle (Saale)Admin Veteran
    Thoma: Nach der engen Öffnung weitete sich der Tunnel, und da waren mehrere Gräber, wunderschön verziert mit Fresken. Die hier im Wohnzimmer hab ich mir dann ausgesucht.

    Welt am Sonntag: Und dann haben Sie den Hammer geschwungen?

    Thoma: Nein, das hat der Händler gemacht und mir das Ding dann auch nach Deutschland angeliefert (lacht). Das waren noch andere Zeiten: Am Zoll in Frankfurt wurde der gefragt, was er da transportiert. Er hat gesagt: „Stein“ und durfte über die Grenze.

    Das ist schon reichlich dreist.
    Keine Spur von Unrechtsbewußtsein und - noch schlimmer - kein Deut Reue ob der mutwilligen Zerstörung von Kulturerbe. Die Fresken waren halt schön, also hat er sie sich genommen.

    Keine Ahnung, ob es da eine Verjährungsfrist gibt. Ich meine, dass auch schon in den 1980er Jahren die Ausfuhr von Antiquitäten (nicht nur) aus Syrien illegal war. Und die Zerstörung antiker Gräber allemal.

    Ah, hier gibt das Syrische Antiquitätengesetz von 1963 Auskunft (PDF aus der Gesetzesdatenbank der UNESCO: arabisch, englische Übersetzung):
    Article 7. It is prohibited to destroy, transform, damage movable and immovable antiquities by writing on them, engraving them, or changing their features, or removing parts of them. [...]

    Das Interview ist eine klare Selbstbezichtigung der Zerstörung und der illegalen Ausfuhr von Kulturgütern. (Von wegen: »Ich hab nichts zerstört. Das war der Händler. Ich hab ihm nur gesagt, was ich haben will.«)

    Eigentlich ein klarer Fall für die Zollfahndung.

    Den lesenswerten Kommentaren von R. Schreg und Diane S. zu dem Thoma-Interview in der Welt ist nichts weiter hinzuzufügen.

    Mit besten Grüßen,
    Andreas Brunn

    www.archaeologie-online.de

  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: November 2010
    Das ist ganz klar ein Fall für >Sebastian< !!!! :indy:

    Gruß
    Kurti :D
    Beitrag bearbeitet von kurti
  • dianescherzlerdianescherzler User Amateur
    bearbeitet: November 2010
    Ab heute Abend gibt es bei SWR.de einen Beitrag über Helmut Thoma und das Thema Raubgräberei. Ab nachher und morgen den ganzen Tag ist er auf der Startseite des Südwestrundfunks zu finden: www. SWR.de (später dann im Ressort "Wissen", ggf. über die Suche gehen).

    Bei Facebook gibt es mittlerweile eine geschlossene Gruppe mit dem profanen Namen Kulturgut-Raub. Dort ist allerdings kein Platz zum reinen Schimpfen und Jammern. Denn dort treffen sich diejenigen, die mit ihren Ideen, mit ihren Kontakten und mit persönlichem Engagement dazu beitragen wollen, die Angelegenheit nicht gleich wieder in der Versenkdung verschwinden zu lassen. Wer dabei sein mag, melde sich dort einfach!
    Beitrag bearbeitet von dianescherzler
  • a.brunna.brunn Halle (Saale)Admin Veteran
    Danke für den Hinweis, Diane.

    Allerdings habe ich den Beitrag nur schwer finden können, weder auf der Startseite www.swr.de noch unter Wissen. Fündig wurde ich dann in der Mediathek via Suche nach "RTL" (Suchbegriff "Thoma" bzw. "Grabraub" ergab keine Treffer).

    Hier der Link zu dem Interview Reiner Hübsch mit Prof. Schmidt-Colinet, das heute im SWR 2 Journal am Morgen ausgestrahlt wurde.

    Mit besten Grüßen,
    Andreas Brunn

    www.archaeologie-online.de

  • Lieber Andreas,
    ja, die Planungen für die Homepage wurden kurzfristig geändert: Ab morgen vormittag ist das Thema vorn auf SWR.de. Aber es ist schon online, und - wie ich finde - haben's meine Kollegin und Michael Müller-Karpe super gemacht: http://www.swr.de/wissen/geschichte-gesellschaft/grabraub/-/id=5848928/nid=5848928/did=7174264/pq21os/index.html

    Mit der Bitte um hemmungslose Verbreitung und Verlinkung (nicht, damit der SWR mehr Klicks kriegt, sondern der Sache wegen).

    Das Thema tauchte heute Abend bereits in Twitter auf, genial!
  • kurtikurti User Urgestein
    Hallo Leute,

    macht Euch doch selbst nichts vor.
    Die beiden Gespräche zeigen doch eindeutig die Hilflosigkeit dieser Mafia gegenüber.
    Herr Müller-Karpe hat ja schon anklingen lassen, dass der Spiess schnell umgekehrt werden kann und dann >Don Quijote< auf der Anklagebank sitzt.
    Ob die gut gemeinte > hemmungslose Verbreitung und Verlinkung < samt >Twitter< Herrn Thoma und Genossen ernsthaft schaden können ist angesichts der Gespräche, insbesondere den Äusserungen zwischen den Zeilen, stark zu bezweifeln.
    Diese Herrschaften lassen sich doch von uns >Würstchen< nicht in die Suppe spucken und haben auch in der Zukunft Mittel und Wege zur Verfügung, um Ihrem Hobby zu frönen.
    Sowas artet bei denen zum Sport aus. Wer einen afrikanischen Elefantenstoßzahn vorweisen kann der muß besonders gute Beziehungen zu hohen Kreisen haben und es gilt ihn zu übertrumpfen z.Bsp. mit dem Zepter von Tutenchamun. So sieht die Welt bei diesen Leuten aus.
    Der Leidtragende ist bestenfalls der ahnungslose Tourist der dann durch die übliche Überreaktion der Behörden schikanös gefilzt wird und hohe Geldstrafen für ein mitgenommenes Kieselsteinchen zahlen muß.

    Gruß
    Kurti
  • kurtikurti User Urgestein
    bearbeitet: Dezember 2010
    Hallo Carnyx,

    wo siehst Du da Kreise ? Oder meinst Du damit, dass Du wieder am Ausgangspunkt des Threads angelangt bist ? =:-O
    Apropos Kreise, in denen läuft sich bekanntlich alles tot und ganz besonders in den Kreisen die hier beteiligt sind.
    Hat sich eigentlich das >bestohlene< Syrien schon gemeldet und >vermisste< Antiquitäten angezeigt ? Übrigens war besagter Händler laut Thoma doch bekannt als Verkäufer von Fälschungen !!! :-"

    Grüße
    Kurti
    P.S.
    Vielleicht bekommt ja Thoma noch einen Orden für die >Sicherstellung< von Antiquitäten aus vom Krieg und Unruhen bedrohten Gebieten oder so !? O:-)
    Ich habe jedenfalls schon Pferde vor der Apotheke ko.... gesehen. :D

    Beitrag bearbeitet von kurti
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