Speere mit Horn-oder Knochenspitzen im MA?

Ja , erst kurz dabei - und schon wieder eine Frage .
Ich habe bereits gegoogelt und in anderen Foren recherchiert,
jedoch nichts brauchbares gefunden.
Meine Frage bezieht sich auf das Mittelalter (11/12.Jahrhundert- Gegend:Weliki Novgorod ) .
Gibt es Funde von Speerspitzen aus Konochen oder Horn aus dieser Zeit (bzw. Mittelalter generell).
Es gibt zwar Funde von zumindest Pfeilspitzen aus Knochen aus dem Nydam -Opfer- Moor die auf Schloss Gottdorf ausgestellt werden , aber die werden wohl zwischen 240 - und 450 nach Christus in das Moor gelangt sein.
Also zu früh fürs Mittelalter....
Denkbar wäre es ja das diese Waffen als Jagmittel für Kinder/Jugendliche z.b. auf Kleinwild wie Hasen, Kaninchen etc. benützt wurden oder von ärmeren Haushalten (da Eisen ja teurer war als Knochen , den man wohl auch im Müll einer Siedlung zusammen mit ev. Horn fand) .
Soweit mein Gedankengang . Aber wie ist das in der Praxis ?.
Gibt es Funde ??
Wäre über jeden Tipp dankbar !!
Jaroslaw

Kommentare

  • Halte ich für unwahrscheinlich. Einfach deswegen, weil in den einfachen Familien nicht gejagt wurde. Das waren Bauern. Der Wehrstand sollte ansonsten mit Eisenwaffen ausgestattet gewesen sein.
  • Wenn ich mich richtig erinnere wurden im Mittelalter; frag mich nicht wann und wo, Kochenkeulen benutzt.
    Ich würde es daher nicht grundsätzlich ausschließen.
    Allerdings stimmt was Sebastian sagt. Es kann daher davon ausgegangen werden, daß es sich wenn überhaupt, um Ausnahmen handelte.

    LG,

    Sandro
  • Hallo!!

    Vielen Dank für die Antworten!!

    Also mein Gedankengang ist folgender

    Ich gebe Ihnen da insofern recht , das (nach den Knochenabfällen zu urteilen) was die Jagd betraf ihr Anteil an der Ernährung der einfachen Bevölkerung als nicht relevant anzusehen ist.
    Ursprünglich herrschte zwar freies Jagdrecht(wie lange dieses freie Recht bestand hatte ist nicht mehr feststellbar , aber bereits im 9. bis 11. Jh. hatte es bereits erhebliche Beschneidungen erfahren – aus dem freien Recht wurde wie bekannt immer mehr ein hoheitliches Recht .

    So wird unterschieden in „hohe Jagd" - die dem Adel vorbehaltene Jagd auf Hochwild - und "niedere Jagd" auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild (Niederwild).Diese Jagd wurde eingeschränkt durch den Wildbann bzw. Waldbann – also Gebiete in denen nur der Herrscher
    also König, jagen durfte .
    Im 13. / 14. Jahrhundert begann die königliche Zentralgewalt zu schwinden, die Macht der Landesherren wuchs. Das Bannrecht ging auf die Landesherren über, die das Jagdrecht in ihrem Territorium einforderten.

    Ab 1500 beanspruchte der Landesfürst das Jagdausübungsrecht nicht nur in den ehemaligen Bannforsten, sondern im ganzen Land (Jagdregal). Durch die damit verbundene Einteilung in hohen und niederen Adel entstand auch die hohe und niedere Jagd. Der niedere Adel und die Bauern durften beispielsweise Hase, Fasan und Reh, also das Niederwild, erlegen, während die hohe Jagd u. a. auf Hirsch, Wildschwein oder Gams dem hohen Adel vorbehalten war. Aus dieser Zeit stammt die Unterscheidung in Hoch- und Niederwild, die sich bis heute im Sprachgebrauch erhalten hat.

    In der Völkerwanderungszeit und im Frühmittelalter ist die Jagd bereits als sehr gering einzustufen ist vom Anteil her weiter sinkend (siehe obige Gründe).

    Das einfache Volk behielt bis zum Ende des Mittelalters also noch das Jagdrecht auf Kleinwild und Wölfe außerhalb der gebannten Wälder.
    Der Prozeß der Reservierung des Wildes und der Bannwälder begann zuerst in den westlichen Gebieten Mitteleuropas – deshalb war der Jagdbeuteanteil an der Gesamternährung östlichen (insbesondere slawischen Siedlungsräumen) anfangs wenigstens noch höher. So lag der Anteil der Wildanteile am Gesamtknochenbestand
    in den altslawischen Besiedelungsgebieten meist bei ca. 10 % - also damit etwas höher
    zumindest als in besagten westlichen Gebieten(abhängig natürlich ob es bäuerliche Siedlungen oder z.b. Befestigungsanlagen waren).
    Als Beispiel:

    Spree-Havel- Gebiet war vermutlich wegen seiner etwas ungünstigen Bedingungen (Sandböden, Moorböden, Sumpfe) die Jagd eine Notwendigkeit
    Aus dem normalen Rahmen (da in allen anderen Fällen Rind, Schwein und Schaf , also Haustiere die wichtigsten Fleischlieferanten waren ) fällt auch die frühslawische Siedlung Bischofswarder in Holstein, wo knapp 15 % der Säugetierknochen von Wildtieren stammte; was auf eine große Bedeutung
    des Ackerbaues im Gegensatz zu einer geringeren Viehzucht schließen,
    so lag die Zahl der Wildtierknochen hier teilweise höher die der Haustierknochen, die im Mittel ca. nur 50% liegen.

    Die Bewohner dort deckten hier also einen großen Teil ihres Fleischkonsums durch die Jagd.

    Da bis zum Ende des Mittelalters wohl das Jagdrecht auf Niederwild und Wölfe bestand , könnten doch zumindest auf ersteres Wild auch Speere mit Knochen-oder Hornspitzen verwendet worden sein , bzw. in den slawischen Siedlungsgebieten ??


    So mein Gedankengang und bisheriger Kenntnisstand.
  • Wegen Knochenkeulen im MA:

    Vielleicht die Keulen der Prussen??. Keulen waren doch ihre Standartbewaffnung :große Schlagkeulen und kleine Wurfkeulen. Ob diese jedoch aus Knochen waren, entzieht sich meiner Kenntniss.

  • Angesichts dieses (immensen) Backgrounds wäre anzunehmen, dass es sowas gegeben haben müsste. ;)
    Konkrete Funde sind mir aber nicht bekannt.
  • Na ja - vielen Dank für ihre Antwort. Da es wohl nicht gänzlich auszuschließen ist , werde ich die Augen aufhalten, auch wenn es wohl (fast) sinnlos ist (oder wenigstens so scheint).

    Jaroslaw
  • Nun , Jagdwaffen mit Horn-und Knochenspitzen aus dem Mittelalter habe ich noch nicht gefunden .
    Aber zumindest Pfeilspitzen aus Holz (11-13 . Jahrhundert,
    Weliki Novgorod):

    http://users.stlcc.edu/mfuller/Novgorodwoodp.html

    Aber ich suche weiter ....
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