Hinweise auf römische Siedlung in Plattling?

Gibt es irgendwo Hinweise auf eine größere römische Siedlung in/bei Plattling?

Was ich bisher gefunden habe:
* Römerstraße Regensburg - Passau
* Einmündung der Isarstraße bei Burgstall-Moos; dort Kleinkastell
* römisches Gebäude zwischen Plattling und Burgstall
* viele "Siedlungsspuren unbekannter Zeitstellung"

Wie komme ich auf die Idee einer Siedlung?

a) an einer Straßenkreuzung/Einmündung ist das eigentlich naheliegend
b) Plattling bezeichnet sich als "Nibelungenstadt" und angeblich soll Kriemhild dort Rast gemacht haben. Wenn man annimmt, dass sich das alles auf Attila und seine Gattin Ildikó bezieht, muß dort um 450 n. Chr. mindestens eine Raststätte gewesen sein. Und die ist kaum erst kurz vor 450 entstanden.
c) im Itinerarium Antonini gibt es eine Route von "Castra [Regina]" über "Jovisura" nach "Ponte-Aeni". Die Entfernungsangabe von Regensburg passt sehr gut auf eine Lokalisierung einer Straßenstation "Jovis-Isura" an der Isarmündung bei Plattling.

Kommentare

  • kurtikurti User
    bearbeitet August 2010 #2
    Hallo hns,

    @hns
    Entfernungsangabe von Regensburg passt sehr gut auf eine Lokalisierung einer Straßenstation "Jovis-Isura" an der Isarmündung bei Plattling. ENDE


    Ist >Jovis-Isura< jetzt Deine Deutung von >Jovisura< oder steht das so in der Karte ?

    Jovisura wird meist als >Jovisara< ( Altar des Jupiter) gedeutet und beide Wortteile sind lateinisch. Bei >Jovisura< wäre >ura< = Wasser dann keltisch und ergibt dann eigentlich keinen Sinn bzw. wäre eine völlig neue Namskreation für die Isar.

    Angeblich soll >Jovisara< bei Niederschärding am Inn sein. Dort kommt auch von Wels die Strasse von Salzburg nach Passau vorbei. Von Sallzburg käme man dann wieder Richtung Rosenheim zur >Ponte-Aeni<. Möglich wäre aber auch eine direkte Strasse über die Höhenzüge am Inn. Wir hatten das ja schon mal, aber die alternativen Querverbindungen konnten ja bis heute nicht geklärt werden da immer nur kleckerweise mal ein Stück Römerstrasse nachgewiesen wird und das könnten aber auch Abzweigungen z.Bsp.zu einer Villa gewesen sein.

    http://opac.regesta-imperii.de/lang_en/anzeige.php?aufsatz=Das+Municipium+Jovisara+(Jovisura)+auf+den+Gefilden+von+Niedersch%C3%A4rding,+Weihm%C3%B6rting+und+Sulzbach+a.+I.+Ein+Beitrag+zum+Verst%C3%A4ndnisse+des+Itinerarium+Antonini+Augusti&pk=476708

    Bei Moos-Burgstall soll die Strasse von Augsburg über Freising und Landshut in die >Via Danubia< münden.

    http://home.vrweb.de/raschel.guenther/arch/roemer/roem_str.html

    Über eine Brücke bei Plattling kam diese von Regensburg und führte dann weiter über Künzing, Vielshofen nach Passau usw.
    Der Isarübergang bei Plattling war stark geschützt: Brückenkopfanlagen ließen sich beim Schwarzwöhrkeller und bei Höhenrain im Birgfeld und am Biberberg bis in unsere Zeit herein noch erkennen.

    http://niederbayern.bayern-online.de/die-region/staedte-und-gemeinden/plattling/

    Was Deine Frage nach einer Siedling anbelangt so ist mir aufgefallen, dass bei den Grenzkastellen selten Siedlungen anzutreffen sind. Eine solche mußt Du wohl weiter westlich von Plattling suchen.

    Gruß
    Kurti
  • hnshns User
    bearbeitet August 2010 #3
    Hallo Kurti,
    danke für die hilfreiche Antwort!
    kurti schrieb:
    Ist >Jovis-Isura< jetzt Deine Deutung von >Jovisura< oder steht das so in der Karte ?
    Im Itinerar steht [Otto Cuntz] es so:

    259,3 Item a Ponte Aeni ad Castra m.p. CL:
    Turo m.p. XLIIII
    Iovisura m.p. LXIIII
    Ad Castra m.p. XLII.

    Also 42 m.p. = ca. 62 km von Regensburg entfernt.

    Die Lesung als Jov-Isura habe ich irgendwoher, finde aber die Quelle nicht mehr.

    Ich denke man kann die Historiker in zwei Gruppen teilen: die einen sehen darin einen - geografisch naheliegenden - Bezug zur "Isar", die anderen nicht.
    Jovisura wird meist als >Jovisara< ( Altar des Jupiter) gedeutet und beide Wortteile sind lateinisch. Bei >Jovisura< wäre >ura< = Wasser dann keltisch und ergibt dann eigentlich keinen Sinn bzw. wäre eine völlig neue Namskreation für die Isar.
    Es gibt noch andere Deutungen ("Ad Isuram") wo ich mich frage wie man die da herauslesen kann...
    In der Peutingerschen Tafel gibt es einen Ort "Iovisurii". Allerdings in Kleinasien: Iovis Urius — Iuppiter Urius, Anadolu Kavaği (TR)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Anadolu_Kavağı

    D.h. mit Interpretation des Ortsnamens kommt man glaube ich nicht weiter. Deshalb steht das bei mir auch an letzter Stelle für das Interesse an Plattling.
    Angeblich soll >Jovisara< bei Niederschärding am Inn sein. Dort kommt auch von Wels die Strasse von Salzburg nach Passau vorbei. Von Sallzburg käme man dann wieder Richtung Rosenheim zur >Ponte-Aeni<. Möglich wäre aber auch eine direkte Strasse über die Höhenzüge am Inn. Wir hatten das ja schon mal, aber die alternativen Querverbindungen konnten ja bis heute nicht geklärt werden da immer nur kleckerweise mal ein Stück Römerstrasse nachgewiesen wird und das könnten aber auch Abzweigungen z.Bsp.zu einer Villa gewesen sein.
    Niederschärding scheint mir eine der unwahrscheinlichsten Lokalisierungen zu sein. Es paßt nicht mal die Entfernungsangabe. Die nach meiner Beobachtung (habe keine Statistik dazu) am häufigsten genannte ist Landshut weil die Straße ja schnurgerade von Rosenheim über Dorfen, Landshut nach Regensburg führen muß (was ich nicht glaube da es sich um eine Routenbeschreibung und keine Straße handelt).
    Bei Moos-Burgstall soll die Strasse von Augsburg über Freising und Landshut in die >Via Danubia< münden.
    Ja, da gibt es eindeutige Luftbilder (die Du verlinkt hast sind aber nicht aus Burgstall-Moos). Bei Oberpäring gibts auch noch Reste der "Hochstraße" (am linken Isarufer).
    Über eine Brücke bei Plattling kam diese von Regensburg und führte dann weiter über Künzing, Vielshofen nach Passau usw.
    Der Isarübergang bei Plattling war stark geschützt: Brückenkopfanlagen ließen sich beim Schwarzwöhrkeller und bei Höhenrain im Birgfeld und am Biberberg bis in unsere Zeit herein noch erkennen.

    http://niederbayern.bayern-online.de/die-region/staedte-und-gemeinden/plattling/
    Danke! Das ist ein sehr interessanter Hinweis. Nach sowas suche ich.
    Was Deine Frage nach einer Siedling anbelangt so ist mir aufgefallen, dass bei den Grenzkastellen selten Siedlungen anzutreffen sind. Eine solche mußt Du wohl weiter westlich von Plattling suchen.
    Ich denke z.B. bei Eining, Regensburg, Pfaffenhofen/Langenpfunzen/Westerndorf gab es auch jeweils ein Kastellvicus (oder gar mehrere). Und westlich von Plattling gibts "Kleinweichs" und "Pielweichs" was wie "Vicus" klingt. Aber außer den "Siedlungsspuren unbekannter Zeitstellung" konnte ich da noch nichts herausfinden.

    -- hns
  • kurtikurti User
    bearbeitet September 2010 #4
    Hallo hns,

    den angegebenen Entfernungen nach kann das in der Tat keine direkte Route gewesen sein. Entweder sie ging über Dorfen ( Turo ?) und dann weiter Freising , Landshut bis in die Gegend von Plattling ( Jovisura ?) und von dort nach Regensburg ( die Teilentfernungen kämen dann in etwa hin.)
    oder möglich wäre aber auch von Ponte Aeni über Dorfen
    ( Turo ?) die Strecke dann weiter nach Osten über >Pocking< (siehe unten) nach Passau und über Plattling (Jovisura ? ) nach Regensburg.
    Dem archäologischen Befund nach muß es in Pocking einen Knotenpunkt gegeben haben und hier wäre eine Streckenführung über Dorfen weiter nach Augsburg möglich.
    Diese Strecke scheint mir wahrscheinlicher, denn nur der Umweg über Passau, weil man dort was erledigen mußte, ergibt einen Sinn für einen solchen Umweg.
    Von Freising oder Landshut aus hätte es jeweils kürzere Verbindungen als über Plattling gegeben.
    Deine Vermutung >Jovisura< bei Plattling zu suchen ist m.E. richtig, denn nur über Plattling sind die Kilometerzahlen für die genannten Teilstrecken erreichbar.
    Möglich wäre noch eine Streckenführung über Burghausen als Turo ( nach J. Stern ). Allerdings müßte es dann eine Verbindung direkt über Schräding ? nach Passau gegeben haben und nicht über Salzburg - Wels nach Passau.

    Strassenvicus Pocking
    http://www.landkreis-passau.de/Kultur/Archaeologie/Besiedlungsgeschichte.aspx

    >Wichtigster Ort im Passauer Hinterland, war der Straßenvicus von Pocking, der in den 80`er Jahren des 1. Jahrhunderts an einem Verkehrsknotenpunkt an der Fernstraße Augsburg (Augusta Vindelicum) -Passau (Batavis) bzw. Wels (Ovilava) gegründet wurde. Wie mehrere Ausgrabungen der Kreisarchäologie bestätigen, handelte es sich hier um Handwerker und Händler, die Eigenprodukte (Keramik, Werkzeuge, Glas) oder Importwaren (Terra-Sigillata-Geschirr, Trachtenzubehör, Schmuck) den Durchreisenden oder den Bewohnern der umliegenden Gutshöfe (z.B. Bach, Rotthof, Rottersham, Eholfing, Sulzbach) anboten. Nach einer Blütezeit im 2. und Anfang des 3. Jahrhunderts endete dieser Zeitabschnitt 259/60 n. Chr. mit dem Fall des obergermanisch-rätischen Limes durch den Ansturm der Alamannen.<

    Römerstrassen J.Stern
    http://www.jakobus-weg.de/aRoradw/roemstr/viaeromanae.htm


    Gruß
    Kurti
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