Schalensteine und Göbekli Tepe

Im Vorab: Das Thema befindet sich in der Sektion "Informationssuche", nicht in "Alternative Theorien". Jedwede Informationsgabe in letzterem oder überhaupt in einem phantastischen Sinne ist vollständig nicht erwünscht! Jede Anmerkung in diesem Sinne wird als eine absichtliche Störung des Diskussionsverlaufes gewertet!
Vielen Dank für die Kenntnisnahme!


Allerdings soll der Thread auch zur Spekulation - auch über Göbekli Tepe - einladen, allerdings zur sparsamen, d.h. zu einer Spekulation, die sich an genauen Argumenten entlanghangelt. Siehe unten.


Mich interessiert und fasziniert seit Längerem schon das Thema "Schalensteine". Und dies insofern, als ich gern nachvollziehen möchte, was diese darstellen oder darstellen sollen - sind es Abbilder von etwas (etwa Sternenformationen) oder haben sie einen ganz anderen, etwas abstrakteren Hintersinn? Bisherige Recherchen meinerseits haben bisher nur erbracht, dass im Grunde nichts gewusst wird. Es ist auch unklar, ob die Schälchen bereits in der Jungsteinzeit oder erst in der Bronzezeit eingebracht wurden. Ich denke aber nicht, dass ich sämtliche Literatur kenne.

Ein Licht auf die Sache können aber anscheinend die Funde in Göbekli Tepe werfen. Finden sich auf den T-Pfeilern doch tatsächlich Schälchen!
Mal zum Vergleich:
Schalenstein des Großsteingrabes in Bunsoh, nördlich von Hamburg
Bunsoh_Schalenstein.jpg


T-Pfeiler, Göbekli Tepe (Anatolien)
gobekli_tepe.jpg

Zunächsteinmal mag dies einen Hinweis darauf geben, dass Schalensteine auf das Neolithikum zurückgehen, da sich von Anatolien her Ackerbau und Viehzucht ausbreiteten und damit vllt. auch die Mode der Schalensteine.

Zum anderen wird wohl auch ein bisschen beleuchtet, was es mit den Schälchen auf sich hat. Denn die T-Pfeiler sind aller Wahrscheinlichkeit nach Gottesdarstellungen, da man in der Nähe Götterdarstellungen fand, die ein "T" auf dem Kopf tragen. Wenn es sich nun um Götterdarstellungen handelt, dann ist es sehr interessant, dass die Schälchen zuoberst dieser Figuren zu finden sind, so als würde damit auch das Oberste - der Sternenhimmel - dargestellt. Das ergäbe auch insofern Sinn, als die mittleren Bereiche der Stelen Tierdarstellungen aufweisen, womit dann wohl die untere Welt dargestellt ist (oder ist irgendwie noch eine Unterwelt dargestellt, so dass wir wieder die klassische Drei-Teilung der Welt vorfinden?).
Jedenfalls liegt meiner Ansicht nach der Schluss nahe, dass die Schälchen den Sternenhimmel darstellen sollen, obschon keine genaue Sternenkonstellation. Das war auch nicht die Absicht, da man lediglich eine (magisch-religiöse) Verbindung zu der oberen Welt herstellen wollte.

Nun meine Fragen:
Kennt sich jemand mit Schalensteinen etwas aus und kann Widersprüchliches berichten? Z.B. weil es diese und jenen Schalensteine gibt, die ganz offensichtlich keine Verbindung nach oben darstellen. Oder lässt sich erstere Annahme eher bestätigen? Und kann die Ausbreitung von Anatolien her plausibiliert werden? Gibt es ein Muster der Verbreitung von Schalensteinen?

Interessant ist ja, dass Bunsoh und dessen Schalenstein soweit nördlich liegt, aber dafür (heute) nur knapp 40 km von der Küste entfernt, was den Gedanken zulässt, dass die Mode auf dem Seeweg in den Hohen Norden gefunden hat. Lässt sich das bestätigen?

Freue mich über jeden Beitrag, sofern er an den Fakten orientiert ist!


Kommentare

  • Wie schon mal an anderer Stelle beschrieben, gibt es ebenso Verwitterungsformen an Gesteinen die einen ähnlichen Effekt erzeugen.
    Grade wenn Nadelhölzer den Ort umgeben kann sich in einer kleinen Vertiefung Wasser sammeln und darin auch Nadeln.Diese Nadeln erzeugen bei der Verwitterung ein saures Milieu und können so die Vertiefung weiter treiben.
    Die Intensität wird bestimmt durch Verwitterungsanfälligkeit des Gesteins. Grade in diesem Fall scheint es ja ein Sandstein zu sein.
    Dazu kommt aber auch, dass diese Schalen auch von Menschen zu Kulthandlungen genutzt wurden und auch tlw weiterbearbeitet wurden. In so einem Fall ist es dann natürlich schwieriger Menschenwerk und natürliche Bildung auseinander zu halten, wenn dann z.B. die natürlich Verwitterung in einer anthropogenen Vertiefung weiter fortschreitet.



  • bearbeitet August 2010 #3
    Danke für die Info!
    Bein Bunsoh ist wohl davon auszugehen, dass die Schälchen mindestens weiterbearbeitet wurden, da von den 3 Decksteinen nur dieser eine Schälchen aufweist und dazu dann noch - wohl aus der Bronzezeit - Hand- und Fußdarstellungen (Hände siehe Bild) sowie ein Radkreuz. Die anderen Decksteine weisen Derartiges nicht auf. Da die anderen beiden Decksteine keine Anzeichen von Schälchen zeigen, kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Schälchen jenes Steines künstlichen Ursprunges sind. Auch weisen die Hand- und Fußdarstellungen keine Anzeichen für eine weitere natürliche Verwitterung auf, sodass also offenbar weder vor noch nach der Bearbeitung derartige Verwitterungen gewirkt haben.
    Bei Göbekli Tepe scheint mir sowas auch nicht der Fall zu sein, denn die Schälchen sind sehr systematisch.
    Hier ist das obige Bild ein Vielfaches größer. Insbesondere bei dem Stein rechts außen sieht man, dass die Schalen in einer Doppelreihe angeordnet sind:
    klick

    Kannst Du den Thread evtl. hier verlinken, in dem das Thema besprochen wurde? Ich kenne den leider nicht.
    Danke im Voraus!


  • Nein, das Thema wurde so noch nicht behandelt, ich hatte nur mal diese Verwitterungsform in einem anderem Zusammenhang erwähnt. Sollte aber auch nur eine Ergänzung sein.
  • Achso, danke, Konstantin!

    Hier ist mal noch eine Seite, die bespricht, was für Ritzungen Schalensteine so begleiten und wo diese vermehrt zu finden sind:
    http://www.bandkeramik.eu/schalenstein.htm
  • Hallo Sebastian,

    das Thema ist interessant und ich erlaube mir erst einmal einpaar Links durch zu geben, die eine Übersicht über den Verbreitungsgebiet solcher Steine im Zusammenhang mit ihrer Umgebung zeigen:

    1. Augusto Gansser, Schalensteine: Prähistorische Kultobjekte
    http://books.google.de/books?id=u0cx788b7yQC&pg=PA9&lpg=PA9&dq=schalensteine+weltweit&source=bl&ots=TyJIZmdDgb&sig=_FsiPf7Cn8b4XbDw9Z30GIJlOv4&hl=de&ei=245YTIbwEI6VONz60PkI&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CCIQ6AEwAw#v=onepage&q=schalensteine weltweit&f=false

    2. Die Seiten von Stonewatch

    http://www.stonewatch.de/media/download/Magazin_4-99.pdf

    3. vielleicht ein portables Exemplar davon auf S. 7 in

    http://www.exoriente.org/docs/00023.pdf

    K. Schmidt macht in seinem Buch "Sie bauten die ersten Tempel" darauf aufmerksam, daß es sich bei den T-Pfeilern sehr wahrscheinlich (mit nachvollziehbarer Argumentation) nicht um Götter handelt.
    Denke, daß Menschen keine Götter brauchen, um Sterne und ihre Bewegung zu beobachten, diese Beobachtungen im Schälchen-code zu fixieren und auf die Pfeiler "Oben" an zu bringen.
    Die Leute von GöTe hatten auch offensichtlich reichlich Entwicklung hinter sich, immerhin sind einige Schalensteine viel älter als sie (Blomboshöhle in Afrika oder manche Fundorte in Australien).
    Was ich sagen will ist, daß m.E.n. nichts dagegen und vieles in GöTe dafür spricht, daß die Schalensteine (auf den Fuchspfeilern sind zwei kleinere auch seitlich angebracht, wenn ich mich nicht täusche) mit dem Sternenhimmel im Zusammenhang stehen und daß dies nicht mit Göttern zu tun hat.
    Dein Gedankengang GöTeSchalen - Neolithiker - Wasserweg -
    Nordküste Europas kann ich nicht nachvollziehen. Was hat das Neolithikum mit den Schalen zu tun?
    Wasserwege und Verbreitung von Schalensteinen scheinen aber im Zusammenhang zu stehen, sieht man sich ihre Verbreitung auf allen Landstrichen des Planeten an.

    Grüsse








Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.