Altsteinzeitliche Ernährung

Es ist ziemlich schwierig, etwas über die exakte Zusammensetzung der Nahrung des paläolithischen homo sapiens sapiens in mitteleuropäischen Breitengraden zu finden.

Zwar ist klar, dass er sehr umfänglich jagte und sammelte. Es erscheint aber ein wenig vage, in welcher Kombination er all das Fleisch aß.

Ich will hier speziell auf Gewürze, Kräuter (Vogelmiere, Löwenzahn, etc) usw. hinaus. Insbesondere interessiert mich, ob der steinzeitliche Mensch mit Meersalz handelte, ob er es überhaupt verwendete oder ob es sogar eine primitive Vorform des Steinsalzbergbaus gegeben haben könnte.

Wo also bekomme ich halbwegs gesicherte Erkentnisse? Vielen Dank

Enrico

Ob online oder print, deutsch, englisch, französisch oder italienisch: bin für absolut jede fundierte Quelle dankbar.

Kommentare

  • Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es keinerlei Hinweise auf Handel in der Altsteinzeit. Erst im Mesolithikum Handel mit Feuertein. Der Gebrauch von Salz bei der Zubereitung von Speisen dürfte nach heutigen technischen Möglichkeiten nicht nachweisbar sein, Salzabbau ist in der Altsteinzeit bisher nicht nachgewiesen, halte ich auch für sehr unwahrscheinlich. Auch Kräuter und Gewürze, sowie Gemüse ist sehr selten nachweisbar.
  • Hallo Enrico,

    in der Tat ist es sehr schwierig, genaue Aussagen über die Ernährung in der Altsteinzeit zu treffen. Was ja vorrangig mit der Befunderhaltung zusammenhängt. Man kann natürlich Knochen auf bestimmte Isotopen untersuchen, die als Anzeiger für tierisch/pflanzliche Nahrung etc. gelten, doch sind es in der Altsteinzeit ja eher einzelne Individuen, die gefunden werden, so daß Rückschlüsse auf ganze Populationen schwierig bis äußerst vage sein dürften. Hinzu kommt, daß es noch keine Keramikgefäße gibt, an denen man Analysen über ihren Inhalt machen könnte. Auch Pollendiagramme und andere paläobotanische Untersuchungen ermöglichen nur zu erschließen, was die Menschen damals genutzt haben könnten. Ich weiß nicht genau, ob Du Zugang zu Fachliteratur hast. Hier sind trotzdem ein paar Titel, die sich mit dem Thema beschäftigen:

    Caselitz, P. Ernährungsmöglichkeiten und Ernährungsgewohnheiten prähistorischer Bevölkerungen (BAR Int. ser. 314.) Oxford 1986.

    Delluc, G. La nutrition prehistorique. Perigueux 1995.

    Gosden, C. & J. Hather (ed.) The Prehistory of Food. Appetites for a change. London 1999.

    Ich hoffe, daß da irgendwas zu finden ist, was Dir hilft.

    Viele Grüße

    Anni
  • guten abend liebe freunde, guten abend enrico,

    nun die von dir gestellte frage ist sicherlich kein standardthema, daher sprudeln die antworten auch nicht so leicht über die lippen. die geforderten informationen zu sammeln wird indes nicht ganz so mühsam sein wie die nahrungssuche des paläolithischen ureinwohners.

    wir habes es hier mit einer gewaltigen zeitspanne zu tun, welche nicht nur in zeitunterschieden von tausenden von jahren, sondern auch regional erhebliche differenzen zeigt

    ohne jetzt in feinheiten eintreten zu wollen, handel ab dem mesolithikum ist sicherlich zu bejahen, möglicherweise auch früher. wenn bernstein von der küste im 800 km entfernten kiew als geschlossener fund mit mesolithischen artefakten ergraben wird, ist dies ein ziemlich schwerwiegendes argument. schwunghafter handel mit feuersteinen aus frankreich läßt sich aus mehreren funden in ganz europa nachweisen. sogar muschelschmuck aus dem mittelmeer läßt sich nicht nur in jungsteizeitlichen magdalenienkulturen finden.

    schon der eiszeitliche rentierjäger lebte nicht allein von fleisch. da gab es natürlich perioden mit fleisch im übermaß, genau wie die fleischiosen perioden. jegliche pflanzensprößlinge, islandmoos, honig der wildbiene, bucheckern, eicheln, schlehen,vitaminreiche krähenbeeren und wohl nicht zuletzt auch der komplette mageninhalt der erjagten pflanzenfressenden tiere. sicherlich wird aber die vegetarische ernährung nicht mehr als 10% des speisezettels ausgemacht haben.
  • guten abend liebe freunde, guten abend enrico,

    die von dir gestellten fragen sind ja noch nicht erschöpfend behandelt und auch ich würde mich freuen wenn da noch so der ein oder andere neue erkenntnisse mit einbringen könnte.

    von besonderem interesse ist natürlich der gebrauch von salz und sofern in krügen aufbewahrtes fleisch nachgewiesen werden kann, wird hier mit sicherheit die haltbarkeit mit salz bewirkt worden sein.

    einen guten ruf hat ja walter von stokar, mit seiner arbeit über die ernährung in der eiszeit. erschienen im quatär, allerdings schon im jahre 1958. mir liegt die arbeit zur zeit auch nicht vor, aber da mich die sache interessiert, werde ich mal in den nächsten tagen in der uni-bibliothek stöbern

    ernst probst, "deutschland in der steinzeit ",schreibt zum beispiel auf seite 582 : tönerne gegenstände und gefäße zur salzgewinnung im elbe-saale-gebiet liefern anhaltspunkte dafür, daß die walternienburg-bernburger leute manche ihrer mahlzeiten salzten. funde von werkzeugen aus ortsfremden gestein und von schmuck aus bernstein dokumentieren tauschgeschäfte und fernverbindungen. vielleicht wurden diese importgüter mit salz bezahlt.
  • guten tag liebe freunde, guten tsg enrico,

    gerade finde ich hier einen kleinen bericht in archäologie online, magazin, nachricht vom 26.2.2003 über die älteste salzlagerstätte in europa. das holz aus der brunnengrabung soll nach erster datierung ca 6800 jahre alt sein. bitte selbst lesen.

    mit allerbestem gruß max

    bitte hier anklicken

    Die älteste Salzlagerstätte Europas in Südfrankreich entdeckt







    [url "http://www.archaeologie-online.de/magazin/news/detail.php?n=330"][/url]
  • Einen schönen guten Tag,

    Die Publikation von Strockar ist inzwischen wohl überholt, auch Caselitz sollte man mit Vorsicht lesen. Hier spielt sicher die in der zurückliegenden Forschungsgeschichte übliche Überbewertung der Großtierjagd und der damit verbundene überproportionale Fleischverzehr eine Rolle.
    Seit langem ist über anthropologische Untersuchungen der Gebissformen steinzeitlicher Homoiden nachgewiesen, dass die frühen Menschenformen Allesfresser mit einem großen Anteil Pflanzen in der Nahrung waren. Eine Diät die zu fast 90 % aus tierischer Nahrung bestanden haben soll, dürfte selbst beim Paläolithmenschen Eiweißvergiftungen und verheerende Mangelerscheinungen hervorgerufen haben.
    Zu empfehlen sind Harris and Hillman, Foraing and Farming, World Archaeologial Congress, 1986. Mason, Hather & Hillman, 1994. (Makroanalysen von Dolny Vestonice II), sowie Linda Owen, Der Gebrauch von Pflanzen im Jungpaläolthikum. 1997.

    Übrigens finde ich es beschämend, dass auf diesem Forum keine Empörung über die amerikanischen Invasionspläne gegen den Iraq laut werden. Abgesehen von der drohenden, schrecklichen Katastrophe für die dort lebenden Menschen, hat wohl Bagdad, Ischtator, Ur, rock paintings usw. nichts mit Archäologie zu tun, oder ?

    pegasus
  • Hola,
    eine Antwort auf die Frage ist natürlich schwierig und wie schon angedeutet wurde aufgrund der Befundlage nicht eindeutig. Neben der allgemeinen Annahme eines Handels bzw. Nutzung pflanzlicher Produkte im Mesolithikum und schon vorausgehenden Jungpaläolithikum ist dies für Alt- und Mittelpal. schon schwieriger. 1997 verwies K. D. Jäger auf einem Vortrag in Weimar (Lifestyle and survival strategies in Plio- Pleistocene hominids) auf die mögliche Nutzung der Kornelkirsche in Ehringsdorf. Weiterhin nehmen z. B. Mania/Mai die Nutzung von Heilpflanzen in Bilzingsleben an. Dies ist aber alles in theoretischer Annahme, da wie gesagt, es kaum Befunde gibt. Für mich ist aber die Nutzung von Pflanzen auch in so früher Zeit eigentlich weniger problematisch. Immerhin suchen Bären, wenn sie offene Wunden haben, sich Kräuter, die sie auf die entsprechende Wunde lecken um den Schmerz zu lindern (nachgelesen in Geo 2000??) oder viele Tiere kennen den berauschende Wirkung vieler Früchte (siehe "Lustige Welt der Tiere"). Warum sollte der Mensch so etwas nicht gekannt haben. Die berauschende Wirkung von verschiedenen Pflanzen ist bei vielen rezenten und subrezenten Naturvölkern bekannt und Teil ihrer´Tradition und Rituale. Sollte der Schamanismus des Jungpaläolithikums etwas mit dem heute bekannten zu tun haben, wäre das auch für diese Zeit dann anzunehmen (Nachzulesen in Clottes/Williams "Schamanen"). Was aber Neanderthaler und Co so trieben ist sicher Teil der Spekulation.


    Viele Grüße

    Thomas
  • guten tag liebe freunde, guten tag enrico

    falls es denn immer noch von interesse ist

    www.unix-ag.uni-siegen.de/aew/gewuerze,htm

    dort ist einiges verzeichnet über den gebrauch von gewürzen in der antike

    mit allerbestem gruß max
  • Hallo Enrico,

    falls es immer noch von Interesse ist:

    Ernährung, Nahrungsangebot und Zubereitung in der Ur- und Frühgeschichte sind zentrale Themen in der neuen

    [size 5][font "Trebuchet MS"]Porta praehistorica et antiqua
    [/font][/size]
    Diskussionen zum Thema Ur- und Frühgeschichte bis 600 n.Chr. und Darstellung im Reenactment
    http://www.porta-praehistorica.de

    Zur Ernährung in der Altsteinzeit haben wir leider noch nichts, weil es wie oben ausgeführt nicht einfach ist, darüber Aussagen zu treffen, dafür aber schon einige Beiträge und Literaturhinweise zur Ernährung insgesamt. Und beim Paläolithikum können wir zumindest schon mal einen Thread zur Bekleidung vorweisen ;-).

    Viele Grüße
    Krtek
  • bearbeitet July 2004 #11
    In meinen Büchern "Deutschland in der Steinzeit" und "Rekorde der Urzeit" werden unter
    anderem Angaben über die Nahrung und den Handel in der Steinzeit gemacht. Tauschhandel gab es offenbar schon vor rund 30000 Jahren bei Begegnungen mit fremden Jägern und Sammlern, bei denen seltene Steinarten und als Schmuck geschätzte formschöne Muscheln oder Schneckengehäuse den Besitzer wechselten. Die Tauschobjekte stammen teilweise aus weit entfernten Gebieten.
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